Bundesratskandidaten

Jans geht an die Aare, Pult auf den Rasen

11.12.2023, 20:57 Uhr
· Online seit 11.12.2023, 16:07 Uhr
Der Basler Regierungsrat Beat Jans und der Bündner Nationalrat Jon Pult wollen den SP-Sitz im Bundesrat erobern. Im Interview sprechen sie über ihre Chancen und verraten, wie sie den Abend vor dem entscheidenden Tag verbringen.

Quelle: Archivbeitrag vom 5.12.2023 / TeleZüri

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Herr Jans, wenn man den Zeitungen glaubt, haben Sie die Nase vorne. Wie schätzen Sie Ihre Chancen ein, künftiger SP-Bundesrat zu werden?
Diese Einschätzungen waren das letzte Jahr zum Beispiel falsch. Dort war Eva Herzog, die ja auch aus Basel kommt, als Favoritin gestartet und dann wurde mit Elisabeth Baume-Schneider jemand anderes gewählt. Daher nützt es mir gar nichts, was da prognostiziert wird. Was für mich zählt, ist der 13. Dezember.

Herr Pult, Sie sollen eher im Hintertreffen sein bei SVP und FDP. Wie sehen Sie Ihre Chancen, dass Sie beim Hearing der Mitte am Dienstag punkten können?
Ich werde bei der Mitte genau wie bei den anderen Fraktionen einfach mich selber sein. Ich werde mich sicher auch nicht verbiegen. Ich werde transparent sein, möglichst klar antworten. Ich werde auf alle Fragen auch konkret antworten und einfach zeigen, wie ich denke, wie ich funktioniere, was ich für Vorstellungen, für Prioritäten habe und hoffe, dass ich damit überzeugen kann.

Herr Jans, Jon Pult hat den Vorteil, dass er oft hier bei all den Parlamentariern sitzt und so den Puls fühlen kann. Wie gehen Sie vor?
Ich habe den Leuten das Gespräch angeboten. Ich habe natürlich auch Leute in allen Fraktionen, die für mich lobbyieren, wenn ich nicht dort sein kann. Aber wichtig waren vermutlich vor allem die Hearings. Weil dort muss ich mich wirklich sehr gut verkaufen. Ich muss die Antworten geben und Vertrauen bilden zu den Leuten und meine Exekutiv-Erfahrung hervorstreichen. Mehr kann ich dann nicht machen.

Wie verbringen Sie den Dienstagabend, die Nacht vor den Wahlen?
Mit meiner Familie, allerdings da in Bern. Ich reise bereits am Vortag an. Dabei werde ich mich möglichst wenig ablenken lassen. Womöglich gehe ich am Abend an die Aare. Das mache ich immer sehr gerne. An einem Fluss zu sitzen und zu sehen, wie vergänglich das Leben eigentlich ist, bringt einen runter. Daher werde ich nichts Aufregendes mehr machen, sondern ruhig bleiben.

Herr Pult, wie sehen Ihre Pläne aus?
Das haben mich schon viele gefragt, aber ich habe mich noch nicht entschieden. Sicher werde ich aber etwas machen, das mich ablenkt. Eine Möglichkeit wäre, dass ich noch Fussball spielen gehe mit dem FC Nationalrat. Dort habe ich dann eher Angst, mich zu verletzen. Das wäre dann ein dummer Moment. Vielleicht gehe ich dort mit, aber vielleicht bin ich auch einfach zu Hause mit meiner Frau. Vielleicht gehen wir etwas feines essen. Ich weiss es noch nicht. Das entscheide ich spontan. Aber sicher nicht etwas, das mit Politik zu tun hat.

Beat Jans ist in der Poleposition. Was kann er besser als Sie?
Das kann ich nicht beurteilen. Ich kann einfach sagen, dass ich Beat Jans sehr schätze. Dass wir uns politisch sehr nahe sind. Dass ich ihn menschlich sehr schätze und dass ich glaube, er wäre ein guter Bundesrat. Aber natürlich glaube ich auch, dass ich ein sehr guter Bundesrat wäre und deshalb versuche ich die Vereinigte Bundesversammlung von meiner Kandidatur zu überzeugen. Aber nicht gegen Beat Jans, den ich wirklich sehr schätze.

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Herr Jans, was kann Jon Pult besser als Sie?
Ich mag ihn sehr. Er ist ein sehr guter Redner. Er kann wirklich druckreif, spontan formulieren. Mir gelingt das nicht immer so optimal. Deshalb ist er mir dort sicher überlegen.

Welche Stärken haben Sie verglichen mit Ihrem Kontrahenten?
Jans: Ich bringe mehr Lebens- und Exekutiverfahrung mit. Ich komme aus einer Stadt. Aus einer Stadt, die schon lange nicht mehr im Bundesrat vertreten war. Ich könnte den Bundesrat mit guten Erfahrungen ergänzen, die ich als Berufs-Regierungsrat gemacht habe.

Pult: Ich kann einfach sagen, dass ich aus einer anderen Generation komme. Ich bin eine andere Person, mit einer anderen Geschichte. Ich habe vielleicht auch andere Prioritäten. Diese versuche ich zu vermitteln. In aller Offenheit den Kolleginnen und Kollegen zu erklären. Und wenn das überzeugt, dann freut mich das sehr. Wenn nicht, dann wird Beat Jans ein guter Bundesrat.

Was ist die wichtigste Qualität eines Bundesrats?
Jans: Er braucht enorm viel Geduld. Er muss offen sein für Menschen. Er muss Menschen gerne haben. Er muss bereit sein, Brücken zu bauen. Das würde ich sehr gerne machen.

Pult: Wichtigste Qualität ist die maximale Motivation, mich in den nächsten schwierigen Jahren in der schwierigen Welt für die Schweiz einzusetzen, und zwar für den Zusammenhalt. Wir müssen dafür sorgen, die ganze Politik, dass die Gesellschaft zusammenbleibt, man miteinander im Gespräch bleibt und nicht auseinanderdriftet. Ich denke, das ist die Hauptaufgabe.

Herr Jans, wo werden Sie als Nicht-Mitglied des Parlaments die Wahlen am Mittwochmorgen verfolgen?
Ich bekomme hier im Bundeshaus ein Räumchen, wo ich den Morgen dann mit meinen Liebsten verbringen und auf die Resultate warten darf.

Dann schauen Sie einfach im Fernsehen, wie es läuft?
Dann schaue ich einfach im Fernsehen, wie es läuft – wie alle anderen auch.

(bza/mat)

veröffentlicht: 11. Dezember 2023 16:07
aktualisiert: 11. Dezember 2023 20:57
Quelle: Today-Zentralredaktion

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