Kinder als Opfer körperlicher Gewalt

23. Mai 2019, 09:49 Uhr
Die Kindsmisshanldung in der Schweiz ist auf hohem Niveau stabil. (Symbolbild) [
Die Kindsmisshanldung in der Schweiz ist auf hohem Niveau stabil. (Symbolbild) [
© KEYSTONE/CHRISTOF SCHUERPF
In der Schweiz sind 2018 drei Kinder an den Folgen körperlicher Misshandlung gestorben. Die Zahl der in Kinderspitälern oder -abteilungen gelandeten misshandelten Kinder blieb nach Jahren der Zunahme stabil. Ein Drittel dieser Kinder war unter vier Jahre alt.

Dass die Kinder so jung misshandelt werden, liegt daran, dass es in diesem Lebensabschnitt wenig externe Kontrolle gibt, wie die schweizerische pädiatrische Gesellschaft «Swiss Society of Paedriatrics» (SSP) am Donnerstag mitteilte.

Die Kinderärztevereinigung führt die Statistik seit zehn Jahren. Die Daten stammen von 20 der 31 offiziellen Kinderspitäler oder -abteilungen. Da nur kleine Abteilungen die Fälle nicht melden, widerspiegelt die Statistik einen grossen Anteil der Fälle.

Die Kliniken meldeten 2018 insgesamt 1502 Fälle von vermuteter oder gesicherter Kindsmisshandlung, die ambulant oder stationär behandelt wurden. Das sind 13 Prozent weniger als im Vorjahr. Zurückzuführen ist der Rückgang gemäss SSP auf eine Änderung im Meldeverfahren bei einer grossen Klinik. Diese hatte zuvor auch Beratungen wegen häuslicher Gewalt gemeldet.

Von den Fällen entfiel mit 29 Prozent der grösste Anteil auf körperliche Gewalt. Psychisch misshandelt wurden 23,6 Prozent der Kinder, 27 Prozent waren vernachlässigt und 19,8 Prozent wurden Opfer sexueller Gewalt. Zudem gab es 10 Fälle des Münchhausen-Stellvertreter-Syndroms, bei dem Eltern ihre Kinder absichtlich krank machen.

Damit präsentiert sich die Verteilung der Misshandlungsformen ausgeglichener, wie die SSP konstatiert. Eine genaue Abgrenzung ist indessen oft nicht möglich, da häufig eine Kombination verschiedener Misshandlungen auftritt.

Die Geschlechterverteilung blieb konstant. Den Misshandlungen fielen in 56 Prozent der Diagnosen Mädchen und in 44 Prozent Knaben zum Opfer. Beim sexuellen Missbrauch waren allerdings Mädchen vier Mal häufiger betroffen als Knaben. Ein Drittel aller misshandelten Kinder waren jünger als vier Jahre. 244 Fälle entfielen auf Säuglinge im ersten Lebensjahr, die damit einen Anteil von 16,2 Prozent der Opfer stellen.

Mit 1167 Fällen oder 77,7 Prozent geschahen die weitaus meisten Misshandlungen in der Familie. Misshandler sind meist die Väter, haben Männer doch mit 39,5 Prozent den höchsten Anteil an der gesamten Täterschaft. Frauen weisen einen Anteil von 24,9 Prozent auf.

Männer und Frauen - meist Eltern - verübten die Misshandlungen in 26,6 Prozent der Fälle gemeinsam. Bei neun Prozent der Misshandlungen war die Täterschaft unbekannt oder es lagen keine Angaben vor. Bei psychischer Misshandlung und Vernachlässigung werden meist beide Eltern verantwortlich gemacht.

Körperliche Misshandlung begehen meist Männer und bei sexuellem Missbrauch sind sie mit 76,4 Prozent weit in der Überzahl. Bei dieser Form der Misshandlung sind Jugendliche unter 18 Jahren für ein Viertel der Taten verantwortlich. In jedem dritten Fall kommen Täter oder Täterin aus der Familie.

Von allen Misshandlungsdiagnosen galten 61,5 Prozent als sicher, 20,6 Prozent als wahrscheinlich und der Rest als unklar. Meldungen an die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) waren in einem guten Viertel der Fälle schon von einer anderen Stelle als den Kliniken erfolgt. 27,6 Prozent meldeten die Kinderschutzgruppen der Spitäler und beim Rest empfahlen sie eine Meldung.

Die Strafverfolgungsbehörden wurden in 273 Fällen eingeschaltet. Bei weiteren 65 Fällen empfahl die Kinderschutzgruppe diesen Schritt.

Das Fazit der SSP fällt nach zehn Jahren der Statistik enttäuscht aus. Nach Jahren der Zunahme dank besserer Erfassung und stärkerer Sensibilisierung würden sich die Fallzahlen auf hohem Niveau stabilisieren. Ein besonderer Fokus sollte in Zukunft auf den Schutz der unter Vierjährigen gelegt werden.

Quelle: SDA
veröffentlicht: 23. Mai 2019 09:32
aktualisiert: 23. Mai 2019 09:49