«Königin Karin vor der Krönung»

Angela Mueller, 26. September 2018, 12:29 Uhr
Ständeratspräsidentin Karin Keller-Sutter aus Wil hat noch nicht bekannt gegeben, ob sie als Bundesrätin kandieren will.
Ständeratspräsidentin Karin Keller-Sutter aus Wil hat noch nicht bekannt gegeben, ob sie als Bundesrätin kandieren will.
© KEYSTONE/Christian Beutler (Archiv )
Sie gilt als unbestrittene Kronfavoritin, die welschen Medien feieren sie bereits als «La reine», doch Karin Keller-Sutter wird nur als Bundesrätin kandidieren, wenn sie sich einer Wahl sicher sein kann - eine zweite Nichtwahl wird sie kaum riskieren.

Mit dem gestrigen Rücktritt von Bundesrat Johann Schneider-Ammann ist Karin Keller-Sutter zeitgleich als Bundesrats-Kandidatin ins Scheinwerferlicht katapultiert worden. Keller-Sutter lässt sich jedoch nicht unter Druck setzen, sie hat gestern schriftlich bekannt gegeben, dass sie sich mit einer Zusage Zeit lassen werde und mit ihrer Familie wie auch mit ihrem Umfeld Gespräche suchen werde.

In der welschen Schweiz ist die Unterstützung für die derzeitige Ständeratspräsidentin aus Wil gross. So schreibt die Tageszeitung «Le Temps»: «La reine Karin proche du Couronnement» - Königin Karin kurz vor der Krönung. Im Artikel heisst es weiter, dass ihr Einfluss im Bundeshaus noch nie so gross gewesen sei.

Karin Keller-Sutter ist die ganz klare Kronfavoritin, doch ob sie am 5. Dezember tatsächlich gewählt wird, bleibt ungewiss. «Bunderatswahlen haben bekanntermassen eine ganz eigene Dynamik und es ist immer ein bisschen gefährlich, zweieinhalb Monate vor der Wahl zu sagen, wie es ablaufen wird», warnt Hanspeter Trütsch, St.Galler Politexperte und langjähriger SRF-Bundeshauskorrespontent.

Der langjährige Bundeshauskorrespondent Hanspeter Trütsch aus St.Gallen ist ein erfahrener Politexperte.
Der langjährige Bundeshauskorrespondent Hanspeter Trütsch aus St.Gallen ist ein erfahrener Politexperte.
© KEYSTONE/Christian Beutler (Archiv)

Frauen-Zweierticket wird erwartet

Doch auch für ihn ist klar: «Frau Karin Keller-Sutter ist wirklich in einer ausgezeichneten Position. Es gibt innerhalb der FDP weit und breit niemanden, der auch in Frage kommen könnte. Spekuliert kann allenfalls werden, ob die FDP gleich mit einem Zweier-Frauenticket antritt, denn der Druck innerhalb der FDP-Fraktion und auch von Seiten der FDP-Frauen, eine Bundesrätin zu stellen, ist enorm hoch.» Als zweite Kandidatin könnten allenfalls die Zürcher FDP-Regierungsrätin Carmen Walker-Späh und FDP-Parteipräsidentin Petra Gössi (Schwyz) in Frage kommen.

Die FDP-Kantonalparteien haben bis Ende Oktober Zeit, ihre Kandidatinnen und Kandidaten aufzustellen.

Eine zweite Nichtwahl nicht riskieren

Trütsch ist überzeugt von Keller-Sutter: «Wenn man eine FDP-Frau aus der Ostschweiz will, eine Frau, die gut vernetzt, dossiersicher und mehrsprachig ist, dann ist  sie in der bestem Ausgangslage.»

Bleibt nur noch die Frage, ob die Wilerin auch tatsächlich kandidieren wird? «Ich persönlich denke zum jetzigen Zeitpunkt, sie wird kandidieren. Doch sie wird eine Güterabwägung vollziehen und wenn sie nur den geringsten Zweifel haben muss, nicht die volle Untersützung aus der eigenen Fraktion, den Kantonalparteien und den Fraktionen anderer Parteien zu haben, wird sie das Risiko nicht nehmen, sich der Schmach einer zweiten Nichtwahl auszusetzen.»

Dass eine Wahl mit einem klaren Favoriten auch problemlos durchgehen kann, hat die Wahl von CVP-Bundesrat Ignazio Cassis vor einem Jahr bewiesen. «Die Ausgangslage könnte sich allenfalls noch etwas ändern, falls CVP-Bundesrätin Doris Leuthard auf das gleiche Datum zurücktreten würde, was zum Teil gemunkelt wird», sagt Trütsch.

 

Angela Mueller
veröffentlicht: 26. September 2018 12:16
aktualisiert: 26. September 2018 12:29