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Arbeitsmarkt

Mehr Arbeitslose, aber keine Entlassungswelle

8. Dezember 2020, 15:12 Uhr
Die Zahl der Arbeitslosen hat im November um 4152 zugenommen. Derzeit sehe es aber nicht nach einer grossen Entlassungswelle aus, sagt Boris Zürcher vom Staatssekretariat für Wirtschaft.
Die regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) verzeichneten Ende November rund 4000 Arbeitslose mehr als im Vormonat. (Symbolbild)
© Keystone

Im Unterschied zum Frühling herrsche auf dem Arbeitsmarkt wieder eine gewisse Dynamik, sagte Boris Zürcher, Leiter der Direktion für Arbeit beim Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco), am Dienstag an einer Online-Medienkonferenz. Am gleichen Tag wurde die Arbeitslosenstatistik für den November veröffentlicht.

Diese zeigt, dass Ende November 153'270 Arbeitslose bei den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) gemeldet waren, 4152 mehr als noch im Oktober. Die Arbeitslosigkeit betrug damit im November 3,3 Prozent, im Oktober waren es noch 3,2 Prozent gewesen. Bereinige man die Statistik um saisonale Effekte, sei die Arbeitslosigkeit konstant, so Zürcher. Im Vergleich zum November 2019 ist die Zahl der Arbeitslosen allerdings um 44,1 Prozent gestiegen.

Gewerkschaftsbund fordert Massnahmen gegen Aussteuerungen

Aussichtslos ist die Lage für Arbeitslose aber nicht: Es gebe immer noch eine «ansehnlich hohe Zahl an offenen Stellen», so Zürcher. Die Statistik zeige, dass zwar mehr Menschen arbeitslos geworden seien, aber auch viele wieder eine Arbeit gefunden hätten. Dies sei im Frühling zeitweise nicht der Fall gewesen.

Der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) warnt derweil davor, dass die Stellensuche insbesondere für ältere Arbeitslose zunehmend aussichtslos sei. Ihnen drohe eine Aussteuerung, wie es in einer Mitteilung vom Dienstag heisst. Der SGB fordert deshalb eine Erhöhung der Anzahl Taggelder, beziehungsweise eine Verlängerung der Rahmenfristen. Ziel sei, dass weniger Arbeitslose ausgesteuert werden. Die neuen Überbrückungsleistungen für ältere Arbeitslose, welche das Parlament im Sommer beschlossen hat, sollen zudem bereits Anfang 2021 in Kraft gesetzt werden.

Seco zeigt sich optimistisch

Hinweise auf eine anrollende Entlassungswelle sieht Boris Zürcher nicht. Dies sei auch auf das Instrument der Kurzarbeit zurückzuführen. Dank der Aussicht auf eine baldige Coronaimpfung verzichteten viele Unternehmen auf Entlassungen und überbrückten mit Kurzarbeit, so Zürcher. Er zeigte sich optimistisch: «Die Situation sollte sich recht gut entwickeln», sagte er.

Die letzten Daten zur Kurzarbeit stammen vom September. Damals waren noch 204’191 Personen davon betroffen, rund ein Drittel weniger als noch im August. Im April hatten sich rund ein Viertel aller Beschäftigten in Kurzarbeit befunden. Dies sei ein historischer Höchststand gewesen, so Zürcher. Er rechne damit, dass die Kurzarbeit aktuell wieder etwas zunehme.

(wap)

Quelle: CH Media
veröffentlicht: 8. Dezember 2020 07:58
aktualisiert: 8. Dezember 2020 15:12