Wirtschaft

Migros lanciert 2021 neues «Meet Food»-Konzept mit Markthalle, Events und Pop-Ups

Stefan Ehrbar, 30. Juni 2020, 16:56 Uhr
Die Migros will Gastronomie, einen Markt und Events in Zürich zusammenbringen (Symbolbild).
© Shutterstock
Auf rund 2'000 Quadratmetern gleich beim Zürcher Hauptbahnhof testet die Migros ein neues Ladenkonzept. Die Lage und die Ausrichtung von «Bridge – Meet Food» sind kein Zufall.

Die Migros setzt auf Läden an den Bahnhöfen. Nun expandiert die Genossenschaft Zürich im Hauptbahnhof Zürich weiter. Zuletzt eröffnete sie dort einen Supermarkt, eine Filiale der Biokette Alnatura und einen Food Court. Gleich nebenan in der Europaallee öffnet im nächsten Frühling nun das neue Konzept mit dem Namen «Bridge - Meet Food».

Dazu gehören ein Frischemarkt, Gastronomie, Events und Pop-Up-Stores. Die Migros richtet sich in einem Laden neben dem Gleis 3 ein, der Teil des Grossbauprojekts Europaallee der SBB ist. Insgesamt mietet die Migros dafür laut einem Plan der SBB über 3'000 Quadratmeter, rund 2'000 Quadratmeter werden für Kunden zugänglich sein.

Migros will «moderne Markthalle»

Aktuell sei die Eröffnung im März 2021 geplant, sagt Gabriela Ursprung, Sprecherin der Migros Genossenschaft Zürich. Das Ziel sei eine «moderne Markthalle»: «Im Sinne einer Plattform wird mit verschiedenen Laden- und Gastronomie-Konzepten gearbeitet, die sich vorwiegend auf das Thema Food konzentrieren». Diese wechselten sich ab. Auch die Events würden sich vorwiegend um das Thema «Food und Foodkultur» drehen. Über die Pläne der Migros hatte zuerst der «Blick» berichtet.

Die Coronakrise hinterlässt auch beim neuen Konzept ihre Spuren, obwohl die Eröffnung erst im nächsten Jahr ansteht. Erste Anpassungen an die «neue Normalität» seien schon vorgenommen worden, sagt Ursprung. So habe die Migros ein neues Möblierungskonzept ausgewählt, das flexibler sei und so die Einhaltung der Abstandsregeln vereinfache.

Bahnhöfe mit immer mehr Umsatz

Dass die Migros mit ihrem neuen Konzept die Nähe zu einem Bahnhof sucht, ist keine Überraschung. Die Umsätze in den Läden in Bahnhöfen und Flughäfen wuchsen vor der Coronakrise stetig an, während klassische Shoppingcenter litten. Mit einem Umsatz von 601 Millionen Franken war letztes Jahr gemäss Zahlen des Marktforschers GfK erstmals der Flughafen Zürich das grösste Shopping-Center der Schweiz - noch vor dem Glattzentrum im zürcherischen Wallisellen, das mit 595 Millionen Franken gegenüber dem Vorjahr leicht einbüssen musste.

Auf Platz 3 mit 508 Millionen Franken Umsatz landete demnach der Zürcher Hauptbahnhof, während das flächenmässig grösste Einkaufscenter der Schweiz, das Shoppi Tivoli im aargauischen Spreitenbach, mit 406 Millionen Franken den Platz 4 belegte.

Gastronomie wird wichtiger

Während die Shoppingcenter bei leicht wachsender Verkaufsfläche insgesamt ein Prozent Umsatz verloren, zeigte sich bei den Bahnhöfen ein gegenteiliges Bild: Der Zürcher Hauptbahnhof verzeichnete ein Umsatzplus von 3,8 Prozent, im Bahnhof Bern resultierten gar 5,8 Prozent mehr Verkäufe. Um 2,7 Prozent Umsatz legten die Läden im Bahnhof Luzern zu. Nur in Genf wurde weniger Umsatz gemacht. Insgesamt 552 Millionen Franken Mieterträge verzeichneten die SBB letztes Jahr - fast zehn Prozent mehr als im Vorjahr.

Mit ihrem neuen Konzept folgt die Migros aber auch in anderer Hinsicht einem aktuellen Trend. So steuern Angebote aus der Gastronomie in den Schweizer Shopping-Centern einen immer grösseren Teil des Umsatzes bei. Letztes Jahr machten die Gastro-Umsätze laut GfK dort bereits 7,3 Prozent aus - 0,6 Prozentpunkte mehr als noch im Jahr zuvor.

Ein Selbstläufer sind neue Gastrokonzepte deswegen nicht. Die Migros musste etwa 2018 ihr Konzept «Frau Helvetia» im Zürcher Hauptbahnhof wieder einstampfen, weil die Mischung aus Swissness und Fast Food nicht genügend Kunden fand. Im gleichen Jahr zog die Migros auch den Bio-Take-Aways in zwei Bahnhöfen den Stecker. Die Migros Ostschweiz verkauft zurzeit zudem ihre Chickeria-Filialen. Hinzu kommt: Wegen der Coronakrise sind deutlich weniger Leute im ÖV unterwegs. Wann und ob sich die Situation wieder normalisiert, bleibt offen.

Stefan Ehrbar
Quelle: CH Media
veröffentlicht: 30. Juni 2020 18:00
aktualisiert: 30. Juni 2020 16:56