Schweiz

Nach Brand: Linke wollen Moria-Bewohner in die Schweiz holen

9. September 2020, 16:52 Uhr
Grosse Teile des Flüchtlingslagers wurden durch die Brände zerstört.
© Keystone
Nach dem Brand im griechischen Migrantenlager Moria fordern die Grünen vom Bund die Aufnahme eines grosszügigen Flüchtlingskontingents. Auch die SP verlangt die Aufnahme von Flüchtlingen. Die Stadt Bern bietet Hilfe an.

(agl/wap) Nach dem Brand von Moria verlangen linke Politiker, dass sich die Schweiz solidarisch zeigt. Die Grünen haben am Mittwoch einen Vorstoss eingereicht, der vom Bundesrat verlangt, ein «grosszügiges Flüchtlingskontingent» aufzunehmen. Auch die SP ruft den Bundesrat dazu auf, Menschen direkt von den griechischen Inseln in die Schweiz zu holen, wie sie in einer Mitteilung schreibt. Die Kapazität der Asylzentren von Bund und Kantonen soll soweit ausgelastet werden, wie es die Covid-19-Vorschriften erlauben. Zudem will die SP das Thema am kommenden Montag in der Fragestunde der Herbstsession aufnehmen.

Auch die rot-grüne Berner Stadtregierung forderte den Bund am Mittwoch auf, Flüchtlinge aus Moria in die Schweiz zu holen. Der Gemeinderat biete an, zwanzig Personen in Bern unterzubringen.

Amnesty International Schweiz verlangt von der griechischen Regierung, von der EU und von der Schweiz nach der Brandkatastrophe schnelle und pragmatische Lösungen. Nur durch eine angemessene Unterbringung, Zugang zu medizinischer Versorgung und ein faires Asylverfahren könnten die Menschenrechte eingehalten werden, heisst es in einer Mitteilung vom Mittwoch. «Auch die Schweiz muss sich endlich solidarisch zeigen und notfallmässig Menschen aus dem Camp aufnehmen», wird Pablo Cruchon, bei Amnesty Schweiz verantwortlich für Migration und Flucht, in dem Schreiben zitiert.

Cassis kündigt humanitäre Hilfe an

Aussenminister Ignazio Cassis äusserte sich am Mittwochmittag auf dem Nachrichtendienst Twitter zu den Bränden auf Lesbos und drückte seine Anteilnahme aus. «Wir haben bereits angeboten, humanitäre Hilfe in Form von Zelten, Decken, Schlafsäcken und Schutzausrüstung für Covid-19 zu senden», schrieb der Bundesrat.

Die Brände haben in der Nacht auf Mittwoch grosse Teile des Flüchtlingslagers Moria zerstört. Fast 13'000 Menschen bewohnten das Camp, das für weniger als 3000 Personen ausgelegt ist. Gemäss dem griechischen Asylminister Giorgos Koumoutsakos wurden die Brände von Bewohnern des Lagers gelegt, und zwar aus Protest gegen die angeordnete Isolation von Migranten, die positiv auf das Coronavirus getestet worden waren. Dies berichtete die griechische Nachrichtenagentur ANA-MPA am Mittwoch.

Quelle: CH Media
veröffentlicht: 9. September 2020 16:34
aktualisiert: 9. September 2020 16:52