Moon & Stars

Nur Männer im Line-up: «Neue Weltmeister der Diskriminierung»

Loris Gregorio, 2. Juni 2022, 17:03 Uhr
Mit dem diesjährigen Line-up hat das Moon & Stars nur Böcke geschossen: Auf dem Festival-Programm stehen nur Männer. Das verärgert vor allem den Verein Helvetiarockt, der sich für mehr Frauen und non-binäre Menschen auf Schweizer Bühnen einsetzt.

Mitte Juli spielen wieder nationale und internationale Musikstars in der Altstadt von Locarno auf der Piazza Grande. Nicht so grande ist die Diversität im Line-up des Open Airs, findet die Schweizer Musikerin Sophie Hunger. Auf Twitter bezeichnet sie die Veranstalter als «neue Weltmeister in der Freakshow Diskriminierung». Grund: Die erste Ladung des Line-ups beinhaltet nur männliche Acts.

Aktives Engagement von allen

Wir haben beim Verein Helvetiarockt gefragt, was sie vom Line-up des Moon & Stars halten. «Es ist absolut wichtig, dass verschiedene Menschen darauf aufmerksam machen und die Missstände benennen», sagt Yvonne Meyer. Sie leitet Helvetiarockt on Tour und die Diversity Roadmap. Für Meyer stehen alle Beteiligten in der Verantwortung und für eine Veränderung brauche es das aktive Engagement von allen.

Und wie sieht es allgemein mit der Frauenquote aus bei Schweizer Festivals? «In diesem Ausmass ist es sicherlich eine Ausnahme. Aber eine Vorstudie zeigt einen Frauenanteil von 11 Prozent in den Genres Jazz, Pop und Rock auf Schweizer Bühnen.» Die Seite Lineupswithoutmen.ch zeigt zum Vergleich, wie Festivalplakate von Schweizer Open Airs aussehen, wenn alle Männer-Bands entfernt würden.

Moon & Stars: «Nicht absichtlich»

In den sozialen Medien gab es sehr viele Reaktionen auf das rein männliche Lineup. Der Post von Moon & Stars erntete in der Kommentarspalte praktisch nur Kritik. Darauf haben auch die Organisatorinnen geantwortet. Sie schreiben unter anderem: «Gerne möchten wir euch versichern, dass unser derzeitiges Programm nicht absichtlich nur männliche Künstler beinhaltet.»

Sie würden ein durchmischtes und abwechslungsreiches Angebot bevorzugen. «Die gesamte Event- und Musikbranche wurde aufgrund von Corona mit verschiedenen Herausforderungen konfrontiert, welche sich auch auf unser diesjähriges Programm ausgewirkt haben», schreiben die Veranstalter. Auch auf diesen Kommentar ernteten sie nochmals Kritik.

«Schwachsinn und Polemikmacherei»

In der Zwischenzeit hat sich Festivalleiter Dani Büchi zu Wort gemeldet. Er bezeichnete Sophie Hungers Tweet gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA als «Schwachsinn und Polemikmacherei». Es sei dieses Jahr leider nicht möglich gewesen, eine Musikerin zu buchen, welche 8000 bis 10'000 Besucherinnen und Besucher anlocke. Würden weniger als 8000 Tickets verkauft, schreibe das «Moon & Stars» Verluste.

Der Grund: Das «Moon & Stars» sei kein Festival mit einem Gesamtprogramm, sondern eine Aneinanderreihung von Einzelkonzerten; jedes müsse für sich alleine funktionieren, hielt Büchi fest. In dieser Liga gebe es leider nur sehr wenige Musikerinnen. Der Markt sei enorm klein, so Büchi weiter. Er selber bedaure dies sehr. «Das ‹Moon & Stars› würde gerne mehr Künstlerinnen auf der Bühne sehen.» Man prüfe jedes Jahr die Verfügbarkeit von «Hunderten von Musikerinnen».

Und was sagt die Migros als Hauptsponsor des Festivals? «Wir werden mit den Organisatoren sicherlich das Gespräch suchen», schreibt der Detailhändler auf Anfrage. Sie selber verweisen als Beispiel auf das diversere Line-up ihres eigenen Festivals Hiking Sounds.

Quelle: Today-Zentralredaktion
veröffentlicht: 2. Juni 2022 16:06
aktualisiert: 2. Juni 2022 17:03
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