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SBB schaffen Zugdurchsage ab

Sandro Zulian, 11. März 2017, 11:38 Uhr
Die Schweizerischen Bundesbahnen wollen in den Zügen künftig weniger Durchsagen machen. Die Informationen im Zug sollen dafür präziser werden. Die Pläne der SBB lassen gestandene Pendler aufatmen, Kritik gibts aber von Politik und Verbänden.
Die Anzahl von Zugdurchsagen sollen deutlich abnehmen. (Archivbild)
© KEYSTONE/ENNIO LEANZA

Weniger, dafür klarere Zugdurchsagen. Das haben die SBB gemäss der «Tagesschau» im Sinn. Regelmässige Pendler kennen die Problematik. Kurz vor dem Eintreffen am Bahnhof werden die Reisenden mit einer nicht enden wollenden Litanei an Informationen beladen. Auf der Strecke Zürich-St.Gallen haben diese verbalen Wasserfälle aber in letzter Zeit deutlich abgenommen.

Nur noch wichtige Ereignisse werden durchgegeben

Hintergrund ist ein Pilotversuch auf der Strecke Zürich - St.Gallen. Gemeldet werden nur noch ausserordentliche Ereignisse und wichtige Informationen, wie Gleisänderungen oder das Ausfallen eines Zuges. Dass sich der Ausstieg in Fahrtrichtung rechts befindet, oder wo und wann der nächste Zug nach München fährt, hört man ebenso wenig wie die restlichen Bahnhöfe, die der Zug noch anfährt. Lediglich der nächste Bahnhof wird im Zug noch angekündig. Auch auf dem Perron verschwinden die Durchsagen zu den Anschlüssen. Der Pilotversuch dauert bis Ende April. Läuft alles nach Plan, soll die neue Regelung bald schweizweit zum Einsatz kommen.

Kritik von Politik und Behindertenverbänden

Das Ansinnen der SBB stösst nicht überall auf offene Ohren. Oswald Bachmann von der Behinderten-Selbsthilfe-Organisation «Agile» sagt gegenüber der «Tagesschau», Zugdurchsagen seien gerade für Sehbehinderte und ältere Menschen wichtig. CVP-Nationalrat Christian Lohr wittert gar einen Verstoss gegen das Behinderten-Gleichstellungs-Gesetz. Deswegen will er am Montag eine Interpellation zum Thema einreichen und den Bundesrat fragen, ob sich das Vorhaben der SBB mit dem Gesetz vereinbaren lässt.

SBB wehrt sich

Eine Auswertung der Kundenreaktionen habe gezeigt, dass Pendler vor allem im Störungsfall präzise und ausführlich informiert sein wollen. Zur Kritik von Politik und Verbänden heisst es bei SBB Mediensprecher Reto Schärli: «Wir haben die Erfahrung gemacht, dass sich die Reisenden vor Antritt der Zugfahrt sehr genau informieren, wann und wo sie umsteigen müssen.» Für Sehbehinderte baue die SBB ausserdem die Sprachunterstützung der Mobile-App aus. Ende April werde man zudem mit den Organisationen an einen Tisch sitzen.
 

 

Sandro Zulian
Quelle: red
veröffentlicht: 11. März 2017 11:25
aktualisiert: 11. März 2017 11:38