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Vogelwarte

Sei ein Held – so rettest du Jungvögel

Mauro Lorenz, 18. April 2021, 15:25 Uhr
Junge Amseln ziehen aus den Nestern bevor sie fliegen können.
© FM1Today
Wenn Jungvögel die Nester verlassen und über die Strassen irren wie ausgenüchterte Jugendliche am Sonntagmorgen, dann musst du zu reagieren wissen. Aber ganz ruhig, hier erfährst du alles, was du wissen musst.

Im April brüten viele Vögel oder verpflegen die Neugeborenen. Einige Jungvögel wagen auch bereits den Sprung aus dem Nest, doch wie bei uns Menschen verfehlen manche den optimalen Zeitpunkt dafür. Dora Müller von der Volerie St.Gallen sagt: «In der Ostschweiz haben wir viele Amseln. Diese machen sich bereits auf grosse Entdeckungsreise, bevor sie überhaupt fliegen können.»

Meist keine Hilfe nötig

Zugegeben, bei den Gründen für den Auszug unterscheiden sich Vogel und Mensch, während wir die Freiheit suchen, versucht der Vogel einfach nicht gefressen zu werden. Ein weiterer Unterschied zwischen uns und unseren gefiederten Freunden ist die Selbstständigkeit kurz nach der Geburt. Während Babys lange Zeit Mühe haben sich vom Bauch auf den Rücken zu drehen, ziehen Jungvögel bereits nach wenigen Tagen in die grosse weite Welt. Hilflos sind sie keineswegs. Die Natur hat sie dafür gewappnet und ausserdem können sie sich meistens noch auf die elterliche Fürsorge verlassen.

Hände weg

Auch wenn du also einen vermeintlich hilflosen Jungvogel siehst, bitte nicht anfassen oder gar mitnehmen, warnt die Schweizer Vogelwarte in einer Mitteilung. Selbst das beste Pflegepersonal kann Vögel nicht so kompetent pflegen wie die eigenen Eltern. Bist du dir mal nicht ganz sicher, ob Vogeleltern in der Nähe sind, oder ob der Jungvogel Hilfe braucht, dann empfiehlt es sich den Vogel aus mindestens 50 Metern Distanz zu beobachten. Wird er innerhalb von einer Stunde nicht gefüttert, ist ein Anruf bei der Pflegestation angebracht, wie die Vogelwarte mitteilt.

In diesen Fällen darfst du helfen

Dora Müller von der Voliere St.Gallen sagt: «Wenn man einen Vogel findet, der aus dem Nest gefallen ist, dann gerne helfen.» Dafür müsse man aber wissen, wo das Nest ist. Auch das Anfassen von Vögel sei kein Problem: «Anders als beim Wild, darf man Jungvögel berühren. Sie werden nicht wegen des Menschengeruchs ausgegrenzt.»

Wenn Jungvögel bei ihren Ausflügen an sehr unglückliche Orten landen, zum Beispiel mitten auf der Strasse oder direkt vor den Pfoten einer hungrigen Katze, bei solch einer akuten Gefahr ist Unterstützung willkommen. Dabei reicht es, den Vogel in ein nahe gelegenes Gebüsch zu setzen.

Bei verletzten Vögel, ist laut Vogelwarte ein Gang zur Pflegestation sinnvoll. Von einer Aufzucht zu Hause wird abgeraten, da die Pflege nicht nur Fachwissen, sondern auch eine Bewilligung erfordert.

Mauro Lorenz
Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 18. April 2021 14:21
aktualisiert: 18. April 2021 15:25