Prozess

Solothurner Mordprozess findet an geheimen Ort statt

12. Dezember 2020, 09:57 Uhr
Der Prozess zum tödlichen Raubüberfall in Metzerlen SO findet aus Sicherheitsgründen an einem geheimen Ort statt. Medienvertreter können die Verhandlung als Videoübertragung mitverfolgen. (Symbolbild)
© Keystone/LAURENT GILLIERON
Zehn Jahre nach einem tödlichen Raubüberfall in Metzerlen SO hat am Montag vor dem Richteramt Dorneck-Thierstein der Prozess gegen zwei Männer begonnen. Opfer des Verbrechens war ein 71-jähriger Schweizer. Das Gericht tagt an einem geheimen Ort.

Die auf mehrere Tage angesetzte Hauptverhandlung wurde nach der Mittagspause unterbrochen. Das Richteramt muss über mehrere Beweisanträge der Verteidigung entscheiden. Bereits die ersten Stunden der Verhandlung machten klar, dass die Hauptverhandlung harzig verlaufen wird.

Als Besonderheit tagt das Richteramt an einem geheimen Ort. Es gehe um die Sicherheit aller am Prozess Beteiligten, hiess es. Die Öffentlichkeit selbst ist von der Verhandlung ausgeschlossen.

Medienvertreter können den Prozess jedoch dank einer Videoübertragung unter Auflagen mitverfolgen. Die Tonqualität war allerdings so schlecht, dass kaum etwas vom Gesprochenen zu verstehen war. Auch die Verteidigung kritisierte die schlechte Tonqualität.

Brutaler Raubüberfall

Vor dem Richteramt stehen ein 41-jähriger Holländer mit serbischen Wurzlen und ein 43-jähriger Serbe. Beide Männer befinden sich in Haft. Sie sind wegen Mordes und wegen bandenmässigen Raubes angeklagt. Sie gehörten offensichtlich einer Bande an.

Der brutale Raubüberfall hatte sich am späteren Morgen des 14. März 2010 in der an Frankreich angrenzenden Gemeinde Metzerlen ereignet. Ein 71-jähriger Schweizer wurde in seinem Haus schwer verletzt. Die Angeklagten hatten ihn mit Kabelbindern gefesselt und mit einem kantig-stumpfen Gegenstand mindestens acht Mal wuchtig auf den Kopf geschlagen.

Der Mann wurde von seiner Frau blutüberströmt aufgefunden. Der Lokalpolitiker verstarb vier Monate nach der Tat im Spital. Die Hintergründe des Gewaltverbrechens gaben den Ermittlungsbehörden zunächst Rätsel auf.

Bargeld in Millionenhöhe gesucht

Wie aus der am Montag veröffentlichten Anklageschrift hervorgeht, erhofften sich die beiden Hauptangeklagten, im Haus in Metzerlen Bargeld in Millionenhöhe zu erbeuten. Sie durchsuchten die ganzen Liegenschaft - und stahlen schliesslich einen Haustür- und einen Autoschlüssel. Weitere Vermögenswerte fanden sie nicht.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass sich die Männer im Auftrag eines dritten Beschuldigten die Liegenschaft aufsuchten. Beim mutmasslichen Auftraggeber des Raubüberfalls handelt es sich um einen 67-jährigen Serben. Er ist wegen qualifizierten Raubes angeklagt und befindet sich in Serbien.

Tippgeberin ist verstorben

Gemäss Untersuchungsergebnis hatten die Beschuldigten einen Tipp erhalten, wonach es in diesem Einfamilienhaus in Metzerlen grosse Vermögenswerte geben soll.

Den Strafverfolgungsbehörden gelang es nach eigenen Angaben auch, die mutmassliche Tippgeberin zu ermitteln. Allerdings ist die 51-jährige Schweizerin zwischenzeitlich verstorben. Daher wurde die Strafuntersuchung gegen die Frau eingestellt.

Die Staatsanwaltschaft wird die Strafanträge im Verlauf der Verhandlung stellen. Auch die Verteidigung wird ihre Anträge stellen. Das Urteil wird zu einem späteren Zeitpunkt eröffnet.

Quelle: sda
veröffentlicht: 12. Dezember 2020 10:01
aktualisiert: 12. Dezember 2020 09:57