Kritik aus der Partei

SP-Co-Präsidium verteidigt Frauen-Ticket für Bundesratswahlen

6. November 2022, 06:43 Uhr
Das Frauen-Ticket der SP für die Nachfolge von Bundesrätin Simonetta Sommaruga stösst parteiintern auf Kritik. Das Co-Präsidium von Mattea Meyer und Cédric Wermuth verteidigt jedoch die Strategie der SP, zwei Frauen auf die Kandidatenliste zu setzen.
Die beiden SP-Co-Präsidenten Cedric Wermuth (links) und Mattea Meyer verteidigen das Frauen-Ticket bei den Wahlen zur Nachfolge von Bundesrätin Simonetta Sommaruga. (Archivbild)
© KEYSTONE/CHRISTIAN BEUTLER
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Die Schweiz wolle mit einem Mann und einer Frau in der Regierung vertreten sein, wie es in den 90er-Jahren immer der Fall gewesen sei, sagte Meyer in einem Interview mit der «SonntagsZeitung». Die SP setze sich für die Gleichberechtigung ein – das gelte auch intern.

Ohne das Frauen-Ticket bestehe das Risiko, nur noch zwei Frauen in der Landesregierung zu haben, sagte Wermuth gegenüber dem «SonntagsBlick». Das würde die Bevölkerung nicht verstehen. Das Fraktions- und Parteipräsidium habe klar für zwei Frauen votiert.

Sprachregion spielt keine Rolle

Es wäre kein Problem für die SP, wenn eine Frau aus der Romandie auf dem Ticket stünde. Drei Romands im Bundesrat habe es von 1917 bis 1920 schon einmal gegeben. Er verstehe die Angst in der Deutschschweiz vor drei Romands nicht.

Die SP habe im übrigen eine Vielzahl von kompetenten Frauen, sagte Meyer: Nationalrätinnen, Ständerätinnen, Regierungsrätinnen, Stadtpräsidentinnen. Sie glaube nicht, dass eine Frauenquote die Auswahl relevant einschränken würde.

Vereinbarkeit mit Familienleben soll besser werden

Mit Blick auf eine mögliche Kandidatur von Daniel Jositsch sagte die Co-Präsidentin, dass der Zürcher Ständerat ohne Zweifel das Format eines Bundesrates habe. Die Partei arbeite gut und gerne mit ihm zusammen. Indirekt legte Meyer Jositsch aber einen Verzicht nahe.

Dass ein Mitglied in der Landesregierung stark gefordert ist und das Amt nur schwer mit einem intakten Familienleben vereinbar ist, ist Meyer bewusst. In anderen Ländern sei das besser organisiert, so etwa in Finnland oder in Neuseeland.

Das müsse auch in der Schweiz möglich sein, sagte Wermuth. «Wir müssen darüber reden, wie man das Amt gestalten kann.» Etwa, in dem man die Anzahl Bundesräte von sieben auf neun erhöhe oder grosse Departemente neu aufteile.

Quelle: sda
veröffentlicht: 6. November 2022 06:43
aktualisiert: 6. November 2022 06:43