Tschüss rosa und blau

Spanien verbietet genderspezifisches Spielzeug

2. Mai 2022, 17:28 Uhr
Mädchen spielen mit Puppen und alles was blau ist, gehört den Buben – solche Werbebotschaften sind ab Ende des Jahres in Spanien tabu. Auch bald in der Schweiz?

Buben spielen mit ferngesteuerten Autos und Mädchen mit Puppen und rosa Ponys. Diese Art von stereotyper Werbung ist ab Ende des Jahres in Spanien nicht mehr erlaubt. Eine entsprechende Gesetzesänderung folgt auf den Spielzeugstreik im vergangenen Dezember. Auch die unterschwellige Zuordnung durch eine Farbcodierung wie blau oder rosa ist nicht mehr zulässig. Der spanische Verbraucherminister Alberto Garzón sagt, dass sich das neue Gesetz auf den «Schutz und die Entwicklung der Kinder» konzentriere.

Verbot von diskriminierender Werbung

Am Mittwoch unterzeichnete das Verbraucherministerium und der spanische Verband der Spielzeughersteller einen Selbstregulierungskodex. Dieser beinhaltet ein ausdrückliches Verbot, das Bild von Mädchen in herabwürdigender oder diskriminierender Weise zu zeigen. Kindern soll beigebracht werden, dass sie spielen können, womit sie wollen.

Mädchen sind herzig, Buben mutig

Werden Mädchen in der Werbung immer nur mit Puppen und rosa Kleidchen gezeigt, werde damit suggeriert, dass Mädchen lieb und herzig sein müssten und sich um den Haushalt kümmern. Buben dagegen wird mit Action-Spielzeug vorgelebt, dass sie mutig und aktiv sein müssten. Auch verbietet das Gesetz Etiketten und Beschreibungen, die aussagen würden, dass das Spielzeug für ein spezifisches Geschlecht vorgesehen ist. Spiel, womit immer du willst, soll die Botschaft demnach lauten.

Alter und Interesse statt Geschlecht

Bei dem dänischen Spielzeughersteller Lego hat man die Einordnung nach Mädchen oder Bub schon länger abgeschafft. Im Onlineshop kann nach Alter oder Interesse des Kindes eingekauft werden.

Wäre ein solches Verbot auch in der Schweiz denkbar?

Eher nicht, meint Jan Schlink von der Organisation ProJuventute. Solche Gesetze seien in der liberalen Schweiz wohl eher nicht mehrheitsfähig – vielmehr müsse man die Gesellschaft noch mehr auf das Thema sensibilisieren. «Es geht um einen Wandel, der ein, zwei Generationen braucht», sagt Schlink.

Am Ziel sei man noch lange nicht: «Es ist fast schon schwierig, etwas Neutrales zu finden. Kürzlich hab ich wieder gesehen: Die NASA-T-Shirts sind bei den Buben und bei den Mädchen sinds Prinzessinnen. Es ist halt eben auch absatzorientiert. Man bedient halt das gängigste und geläufigste Rollenbild», bilanziert Schlink.

(roa/jaw)

Quelle: Today-Zentralredaktion
veröffentlicht: 2. Mai 2022 17:14
aktualisiert: 2. Mai 2022 17:28
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