Schweiz

Städter liessen sich nicht von Jagdgesetz überzeugen

27. September 2020, 18:21 Uhr
Die Jagdgesetz-Gegner wollen Hand bieten, um eine neue Lösung für die Regulation der Wolfsbestände auszuarbeiten.
© Keystone
Die Befürworter des revidierten Jagdgesetzes haben es nicht geschafft, mit ihrem Anliegen die Städter zu erreichen. Die Gegner wollen nun für eine neue Lösung Hand bieten und planen eine parlamentarische Initiative.

(agl) Nach der knappen Ablehnung zeigen sich die Befürworter des neuen Jagdgesetzes ernüchtert. Es sei nicht gelungen, der städtischen Bevölkerung die Nöte der Bergkantone aufzuzeigen, erklärte der Bündner CVP-Ständerat Stefan Engler gegenüber dem Fernsehen SRF. «Es geht uns nicht darum, den Wolf auszurotten, sondern eine kontrollierte Entwicklung zu haben.» Die Menschen in den Berggebieten machten sich Sorgen um ihre Tiere, aber auch um den Lebensraum. Sie dürften sich am heutigen Tag im Stich gelassen fühlen, so Engeler weiter. Die Sieger hingegen, die Gegner der Vorlage, trügen nun eine grosse Verantwortung.

Enttäuscht zeigten sich auch der Schweizer Bauernverband, die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete (SAB) und JagdSchweiz. Mit der Ablehnung des neuen Gesetzes bleibe es den Kantonen verwehrt, bei wachsenden Wolfspopulationen angemessen zu reagieren, heisst es in einer Mitteilung. Ein modernes Jagdgesetz sei für Jahre blockiert. Es bestehe die Gefahr, dass viele Älplerinnen und Älpler «frustriert aufgeben».

Sommaruga: Nein richtet sich nicht gegen Berggebiete und Älpler

Für Bundespräsidentin und Umweltministerin Simonetta Sommaruga ist jetzt die Analyse des Abstimmungsergebnisses wichtig. Es müsse geklärt werden, welche Punkte zur Ablehnung geführt haben, sagte sie am frühen Sonntagabend vor den Medien in Bern. Das Nein der Bevölkerung richte sich nicht gegen die Berggebiete und Älplerinnen, sondern gegen Bundesrat und Parlament, deren Vorlage nicht überzeugt habe. «Keine Region soll abgehängt werden», stellte Sommaruga klar.

Die Gegner der Vorlage blicken derweil bereits in die Zukunft. Das Problembewusstsein in Stadt und Land sei unterschiedlich, sagte der Zürcher SP-Ständerat Daniel Jositsch gegenüber SRF. Die Jagdgesetz-Gegner hätten das Problem jedoch ebenfalls erkannt. Auch sie seien für eine kontrollierte Regulierung des Wolfes und wollten nun Hand bieten für ein «vernünftigeres Gesetz». Das Problem sei gewesen, dass das Parlament das Gesetz gegen den Willen des Bundesrats ausgedehnt habe.

Parlamentarische Initiative in der Pipeline

Eine neue Lösung muss nach Ansicht von Jositsch jedoch die Zuständigkeit für Abschussbewilligungen beim Bund belassen. Zudem müssten für einen Abschuss weiterhin konkrete Schäden vorliegen. Ein blosser Verdacht reiche nicht. Vertreter des Nein-Komitees wollen nun in der Wintersession eine entsprechende parlamentarische Initiative einreichen, kündigten sie in einer Mitteilung an.

Zunächst freuen sich die Umweltverbände und Parteien jedoch über den knappen Abstimmungserfolg. «Die Bevölkerung hat heute klar gezeigt, dass sie in Zeiten der Klimakrise und des Biodiversitätsverlusts keine Schwächung des Artenschutzes hinnehmen will», schreiben die Grünen in einer Mitteilung. Aus Sicht der SP macht das Nein nun den Weg frei für eine bessere Lösung.

Quelle: CH Media
veröffentlicht: 27. September 2020 18:20
aktualisiert: 27. September 2020 18:21