Wetter

Starker Wind, viele Niederschläge und grosse Lawinengefahr

29. Januar 2021, 16:02 Uhr
Kurzfristige Sperrung nach Lawinenniedergang: Ein Strassenarbeiter schliesst am Donnerstag die Strasse ins Saastal bei Eisten VS.
© KEYSTONE/Andrea Soltermann
In der ganzen Schweiz sind am Freitagmorgen zahlreiche Verkehrswege unterbrochen gewesen. Die Lawinengefahr war gross. Im Unterwallis wurden Teile von Orsières evakuiert. Bei starken Südwestwind fiel ausgiebiger Niederschlag.

Im Wallis rief die Kantonspolizei die Bevölkerung auf, wegen drohender Lawinen bis in Siedlungen hinein in den Häusern zu bleiben. In grossen Teilen des Kantons herrschte grosse Lawinengefahr der Stufe 4. Am Donnerstag hatte noch die Stufe 5 oder «sehr gross» gegolten.

Am Freitag fiel im Wallis und in Graubünden weiterhin Schnee bis in tiefste Lagen, wie die Wetterdienste am Morgen mitteilten. Die Schneefallgrenze stieg indessen.

Dutzende Einwohner der Unterwalliser Gemeinde Orsières mussten auf Anordnung der Kommunalbehörden ihre Häuser verlassen. Grund sind die starken Winde und erwarteten Regenfälle. Betroffen sind Gebäude in der Lawinengefahrenzone. In Les Diablerets VD brachten die Behörden und der Zivilschutz zwischen 25 und 30 Personen aus gefährdeten Chalets in sicherere Unterkünfte.

In Raron ging vor Mittag in einem Steinbruch ein Hangrutsch nieder. Personen kamen nicht zu Schaden. Bewohnerinnen und Bewohner des angrenzenden Quartiers wurden evakuiert, da die Gesteinsmassen bis an die Siedlung heranreichten. Das Geröll drohte einen Bach zu verstopfen. Mit Baumaschinen wurde das Bachbett geräumt.

Tauwetter lässt Gewässer ansteigen

An den vergangenen zwei Tagen kamen beträchtliche Niederschlagsmengen zusammen. In der Nordwestschweiz und im Jura waren es 20 bis 50 Liter pro Quadratmeter. Am Alpennordhang und in den zentralen und westlichen Alpen fielen verbreitet 50 bis 100 Liter. Mit neuen Niederschlägen und dem Tauwetter stiegen die Gewässerpegel.

In Basel überschritt der Rhein die Hochwassermarke IIa. Damit war die Schifffahrt zwischen Birsfelden BL und der Schleuse Kembs im Elsass gesperrt.

Die Thur führte ab den frühen Morgenstunden Hochwasser. Der Aargau erwartete für den Rhein an Nachmittag erhebliche Überschwemmungsgefahr. Die Rheingemeinde Wallbach legte Hochwassersperren aus. Im Kanton Bern gab es eine Hochwasserwarnung entlang kleiner und mittelgrosser Flüsse. Im Westen Berns traten Bäche über die Ufer.

Bei der Berner Kantonspolizei gingen 90 Meldungen von Unwetterschäden ein. Im Kanton St. Gallen und im Thurgau pumpten die Feuerwehren Keller aus und entrümpelte Bachläufe. Die Behörden warnten vor dem Aufenthalt an Fluss- und Bachufern.

Mit der Südwestströmung und der damit verbundenen Störung gab es im Flachland und in den Bergen heftige Winde. Die stärkste Böenspitze gab es auf dem Säntis mit fast 140 Stundenkilometern. Rothenthurm SZ meldete 109 km/h.

Bahn und Strassen gesperrt

Zahlreiche Bahn- und Strassenverbindungen waren am Freitagmorgen gesperrt. Die Autobahn A2 bleibt zwischen Beckenried NW und Altdorf UR bis mindestens am Samstag um 10 Uhr gesperrt. Grund ist der Niedergang der Fischlauilawine auf die Kantonsstrasse Seedorf-Isleten UR. Durch dieses Gebiet führt auch die A2. Lawinengefahr und schlechtes Wetter erschweren Räumungsarbeiten und Erkundungsflüge. Der Verkehr auf der Nord-Süd-Achse wurde über die Axenstrasse umgeleitet.

Zermatt VS war weiterhin nicht erreichbar. Die Linie der Matterhorn Gotthard Bahn (MGB) war zwischen Täsch und der Tourismusdestination unterbrochen. Zwischen Bellwald VS und Hospental UR verkehrten ebenfalls keine Züge. Die MGB-Strecke Andermatt UR-Sedrun GR wurde eingestellt. Ersatzbusse fuhren nicht. Grund war die Lawinengefahr.

Zwischen Erstfeld UR und Airolo TI setzten die SBB wegen der Lawinengefahr Bahnersatzbusse ein. Die Strecke Interlaken Ost-Brienz bleibt nach einem Lawinenabgang bis Sonntag geschlossen. Der Autoverlad am Lötschberg wurde eingestellt.

Weiterhin waren in den Bergregionen der Alpennordseite etliche Strassen entweder wegen Lawinenniedergängen oder -gefahr gesperrt.

Quelle: sda
veröffentlicht: 29. Januar 2021 16:00
aktualisiert: 29. Januar 2021 16:02