Schweiz

Telefonbetrüger haben 2023 schon über 11 Millionen Franken ergaunert

Schockanrufe

Telefonbetrüger haben 2023 schon über 11 Millionen Franken ergaunert

· Online seit 25.09.2023, 08:22 Uhr
Als «falsche Polizisten» oder mittels Schockanrufe knöpfen polnische und türkische Clans immer wieder Seniorinnen Geld ab. Die erschlichenen Geldsummen haben über die letzten Jahre zugenommen. Jetzt wollen Schweizer Behörden mit anderen Ländern zusammenarbeiten.
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Es ist die klassische Masche und funktioniert leider immer wieder. Ein Unbekannter greift zum Telefon, ruft eine Seniorin an und informiert diese über einen vermeintlichen Unfall. Die Tochter oder der Sohn habe diesen verursacht und sei in Polizeigewahrsam. Eine Kaution sei jetzt dringend nötig. Aus Sorge um ihre Kinder glauben Senioren die dramatischen Erzählungen und kommen der Geldforderung nach. Dabei geht es meist um zehntausende Franken.

Zunahme über die letzten Jahre

Mindestens 150 Personen sind bisher in diesem Jahr so betrogen worden, wie der «Blick» berichtet. Es dürfte jedoch eine hohe Dunkelziffer geben. Von Jahresbeginn bis August haben Betrüger mit Schockanrufen acht Millionen Franken ergaunert. Als Vergleich: 2022 lag die Summe bei sechs Millionen und 2021 bei einer Million. Laut Strafverfolgungsbehörden stecken polnische Familienclans hinter den Betrügern. Schweizweit habe man 16 Festnahmen in diesem Zusammenhang verzeichnen können.

Bei einer zweiten Betrugsart geben sich Gauner als Polizisten aus. Sie nutzen Opfer als Lockvogel für polizeiliche Ermittlungen aus. Die «falschen Polizisten» verlangen Geld, um zum Beispiel vermeintlich falsche Abbuchungen, die es nie gab, von einem Bankkonto zu untersuchen. Meist sind es türkische Banden, die sich dieser Masche bedienen. 170 erfolgreiche Täter und dreieinhalb Millionen Franken erschwindeltes Geld: So sieht die Bilanz im laufenden Jahr dafür aus.

Gemeinsame Ermittlungen

Opfer sind häufig ältere Frauen, deren Namen im Telefonbuch gezielt ausgewählt werden. So wird etwa nach Rosmarie oder Ruth gesucht, weil eher Frauen der älteren Generation diese Namen tragen.

Die Polizei kann häufig nur die Abholer festnehmen. Die Betrüger, die in der Türkei oder in Polen sitzen, sind schwer zu ermitteln. Nun haben sich die Staatsanwaltschaften Bern und Zürich sowie deren Kantonspolizeien mit Behörden aus Deutschland, Tschechien und Polen zu einer gemeinsamen Ermittlungsgruppe gemäss «Blick» zusammen geschlossen. Bei einem Schockanruf in der Schweiz könnten sich Behörden hierorts rasch mit jenen aus Polen austauschen.

Zudem starten die Schweizerische Kriminalprävention und die kantonalen und städtischen Polizeikorps Anfang Oktober eine nationale Präventionskampagne.

(hap)

veröffentlicht: 25. September 2023 08:22
aktualisiert: 25. September 2023 08:22
Quelle: Today-Zentralredaktion

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