Weg mit den Seelöwen, her mit dem Zelt

Christoph Thurnherr, 8. Januar 2019, 13:10 Uhr
Seelöwen kann man in Knies Kinderzoo nur noch bis Ende Jahr sehen.
© Keystone/Gaëtan Bally
Nach den Delfinen gibt es bald auch keine Seelöwen mehr in Knies Kinderzoo. Dafür bekommt der Zirkus zum 100-jährigen Bestehen ein neues Zelt – dank zahlreicher Fans und einem erfolgreichen Crowdfunding.

Die Seelöwen sind nur noch bis Ende des Jahres ein Teil des Kinderzoos. Wie die Linth-Zeitung berichtet, wird Knie die Konzession für die Arbeit mit den Wildtieren auslaufen lassen. Unklar ist, ob der Entscheid mit der Kritik des Schweizer Tierschutzes zusammenhängt: Dieser bemängelt die Haltung der Tiere schon länger. Samuel Furrer vom Schweizer Tierschutz hält die Seelöwen-Anlage in Rapperswil aufgrund der Grösse und Struktur für nur «beschränkt geeignet». Das weckt Erinnerungen. Im Jahr 1998 wurden die Delfin-Shows wegen solcher Vorwürfe abgeschafft, um von den Seelöwen ersetzt zu werden. Der Entscheid, nicht mehr mit den Seelöwen zu arbeiten, wird vom Kinderzoo jedoch nicht begründet.

Zum Jubiläum gibt's ein neues Zirkuszelt

Kommuniziert wird hingegen eine erfreuliche Neuanschaffung. Der Zirkus Knie darf zum 100-jährigen Bestehen ein neues Zelt sein Eigen nennen. Es ist genau ein Jahrhundert her, seit der berühmteste Zirkus der Schweiz das erste Mal unter einer Zeltkuppel auftrat. Das Unternehmen selbst ist noch viel älter: Die Geschichte des Zirkus Knie begann im Jahr 1803. Trotzdem sind die Methoden alles andere als altbacken: Das neue Zelt lässt sich die Zirkusfamilie über ein Crowdfunding finanzieren. Kostenpunkt: 250'000 Franken. Hochgesteckte Ziele, aber das Finanzierungsziel konnte in nur knapp vier Monaten sogar übertroffen werden. Das Crowdfunding wäre noch bis März offen gewesen.

Das alte Zelt hat ausgedient. (Bild: Pascale Giger/Zirkus Knie)
© Pascale Giger / Zirkus Knie

Eine Tasche aus Zirkuszelt gefällig?

Fast 500 Spender beteiligen sich am neuen Arbeitsort der Artisten und Clowns, Tiere und Dompteure. Die Beiträge gehen dabei von fünf Franken bis zu mehreren tausend. Der Zirkus Knie hat sich dafür mehrere «Mercis» ausgedacht. Für eine Spende ab 250 Franken gibt es zum Beispiel eine Tasche aus äusserst exklusivem Material: dem alten, etwa zehnjährigen Zirkuszelt. Wer sich mit 500 Franken beteiligt, dessen Namen landet auf dem neuen Zelt.

Es reicht nicht nur für ein neues Zelt

Etwa 4000 Franken bleiben nach der Anschaffung der Zeltblache übrig. Diese werden ebenfalls investiert, etwa in neue Sitze. Laut der Crowdfunding-Seite hätte sich der Zirkus Knie bereits ab Spendeneinnahmen von 175'000 Franken eine neue Zeltblache geleistet. Denn diese war nach dem Ausbau des Gerüstes und der Verbesserung der Technik das letzte fehlende Puzzleteil, um die nächsten 100 Jahre Zirkus anzugehen.

Christoph Thurnherr
Quelle: thc
veröffentlicht: 8. Januar 2019 12:38
aktualisiert: 8. Januar 2019 13:10