«Wir stellen keine Raucher ein»

Vanessa Kobelt, 19. August 2019, 14:03 Uhr
Unternehmen suchen in Stelleninseraten explizit nach Nichtrauchern. (Symbolbild)
Unternehmen suchen in Stelleninseraten explizit nach Nichtrauchern. (Symbolbild)
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Wer auf Jobsuche ist, stösst im Internet auf Stelleninserate von Firmen, die nur Nichtraucher einstellen. Die Gewerkschaft Unia ist nicht begeistert, rechtlich ist es ein Graubereich.

Wenn du schon einmal auf Jobsuche warst, kennst du das befriedigende Gefühl: Du liest das Anforderungsprofil durch und kannst innerlich jeden Punkt abhaken. Gute Sprachkenntnisse: Check. Teamfähigkeit: Check. Erfahrung im Beruf: Check. Doch was, wenn plötzlich etwas verlangt wird, was nichts mit der Arbeit zu tun hat?

«Auch keine Gelegenheitsraucher»

In manchen Stelleninseraten steht, dass die Unternehmen nur Nichtraucher einstellen. So zum Beispiel bei der Kosmetikfirma Lotus Beauty GmbH in Zuzwil. Auch Gelegenheitsraucher haben hier keine Chance, wie im Stelleninserat explizit erwähnt wird. Dass nach Rauch stinkende Hände im Kosmetikbereich nicht gern gesehen sind, ist naheliegend. Aber weshalb haben auch  Gelegenheitsraucher keine Chance? Hat es den Arbeitgeber zu interessieren, was jemand nach Arbeitsschluss macht? Gerne hätten wir der Geschäftsführerin diese Fragen gestellt. Trotz mehrfacher Anfragen nahm sie aber keine Stellung.

Die Lotus Beauty GmbH sucht ganz spezifisch nach Nichtrauchern. (Screenshot: lotus-spa.ch)
Die Lotus Beauty GmbH sucht ganz spezifisch nach Nichtrauchern. (Screenshot: lotus-spa.ch)
© (Screenshot: lotus-spa.ch)

«Nicht nach Rauch riechen»

Auch im Inserat der Zürcher Firma Felfel, welche frisches Essen an Arbeitsplätze liefert, wird nur nach Nichtrauchern gesucht. In der Anzeige für einen Marketingmitarbeiter heisst es: «Felfel ist eine Nichtraucher-Firma, weshalb das Rauchen während der Arbeitszeit nicht erlaubt ist und du nie nach Rauch riechen darfst.»

Die Gründe für diesen aufgeführten Punkt sind laut der Mitinhaberin von Felfel, Daniela Steiner, klar. «Wir stellen keine Raucher ein, denn in unserem Unternehmen geht es um frisches und gesundes Essen. Bei uns wäre Rauchgeschmack absolut fehl am Platz. Mitarbeiter dürfen auch in den Pausen nicht rauchen.»

Lieber Snack als Zigi

Die Firma Felfel musste sich schon Kritik von Rauchern anhören, die sich diskriminiert fühlten. Dies ändert nichts an ihrer Meinung: «Als Unternehmen muss man für etwas stehen und bei uns ist dies nun mal ein gesunder Lebensstil», sagt Steiner. «Ich biete den Mitarbeitern in den Pausen lieber einen gesunden Snack oder ein cooles Getränk an, als die Möglichkeit zu rauchen.» Dies könne ja jeder abends bei einem Glas Wein machen.

«Das muss den Arbeitgeber nicht interessieren»

Die Gewerkschaft Unia steht solchen Stelleninseraten kritisch gegenüber. «Im Grundsatz ist es Privatsache, ob jemand raucht oder nicht», sagt Mediensprecher Philipp Zimmermann. «Natürlich kann man während der Arbeitszeit Regeln aufstellen. Ob aber jemand in der Pause oder in der Freizeit raucht, hat den Arbeitgeber nicht zu interessieren.»

Ausnahmen könne es geben, wenn das Rauchen auf die Tätigkeit einen direkten Einfluss hat. «Zum Beispiel im Sportbereich oder bei Mitarbeitern in der Tabakprävention», sagt Zimmermann. Dass aber in normalen Stelleninseraten ausdrücklich nach Nichtrauchern gesucht wird, finde er merkwürdig. «Wenn jemand zu fest nach Rauch riecht, kann man das in einem persönlichen Gespräch klären.»

Kündigung wäre missbräuchlich

Auch Rechtsanwalt Fabian Mörtl, der Personen in arbeitsrechtlichen Angelegenheiten vertritt, findet die explizite Suche nach Nichtrauchern fragwürdig. «Wenn es die Arbeit nicht beeinflusst und jemand nur in seinen rechtmässigen Pausen raucht, geht es um einen sehr persönlichen Bereich.» Das Ganze sei aber ein grosser Graubereich, man müsse jeden Fall einzeln beurteilen.

Heikel wird es, wenn jemand eingestellt wird und sich nachher herausstellt, dass diese Person raucht. «Eine Kündigung aus diesem Grund dürfte missbräuchlich sein, weil sie wegen einer Eigenschaft ausgesprochen worden ist, welche der gekündigten Person Kraft ihrer Persönlichkeit zusteht», sagt Thomas Geiser, Professor für Handelsrecht an der Uni St.Gallen und Experte im Arbeitsrecht. «Die Kündigung ist dann dennoch gültig, aber der Arbeitgeber muss eine Strafe im Betrag von maximal sechs Monatslöhnen bezahlen.»

Kein direkter Rauswurf

Obwohl die Zürcher Firma Felfel das Rauchen zur Arbeitszeit ganz verbietet, würde Chefin Daniela Steiner niemanden direkt rauswerfen, nur weil sie ihn beim Rauchen in der Pause erwischt hat. «Vielleicht hat derjenige ja gerade einen schwierigen Tag oder sonst ein Problem. In einem persönlichen Gespräch würden wir sicher eine Lösung finden. Langfristig wäre Rauchen in den Pausen aber keine Option.»

Vanessa Kobelt
veröffentlicht: 19. August 2019 05:38
aktualisiert: 19. August 2019 14:03