Biathlon

Am Pragser Wildsee wieder Moral getankt

19. Februar 2020, 18:03 Uhr
Endlich wieder ein Toprennen: Benjamin Weger
© KEYSTONE/EPA/ANTONIO BAT
Nachdem er fast die ganze Saison auf Formsuche war, glückt Benjamin Weger im Einzel-Wettkampf über 20 km an der WM in Antholz mit dem 5. Platz sein bestes Resultat an einem Grossanlass.

Mit diesem Erfolg, vor dem 6. Platz bei Olympia 2018 das beste Resultat Wegers bei einem Grossanlass, war nun wirklich nicht zu rechnen. Nach den Plätzen 51 im Sprint und 59 in der Verfolgung mit insgesamt neun Schiessfehlern schlug sich der 30-jährige Walliser sogar mit dem Gedanken einer Abreise von der WM herum. Die Wende brachte ein Spaziergang am Montag mit der Freundin am Pragser Wildsee.

Das viel fotografierte Naturjuwel im Südtirol kannte Weger von einem Besuch im Sommer. «Das ist einfach ein schöner Ort, den ich meiner Freundin mal zeigen wollte. Es war schön, mal ein bisschen über anderes zu reden», erzählt der Oberwalliser. Damit waren die «paar kuriosen Gedanken», wie es Weger nannte, wieder weg.

Zwei Tage später trat er bei leichtem Schneefall wie verwandelt auf. Das erste Liegendschiessen absolvierte Weger ohne Fehler, bei nicht einfachen Verhältnissen kamen am Ende zwei Strafminuten zur Laufzeit hinzu. «Es ist vom ersten Meter an viel besser gelaufen», betonte Weger. Er habe sofort ein gutes Gefühl gehabt. Er sei bewusst langsam gestartet. Dafür konnte der beste Schweizer Biathlet auf der Schlussrunde nochmals «Druck machen».

«Im Vergleich zum Sprint war das wie Tag und Nacht», erklärte er. «Endlich konnte ich wieder einmal zeigen, dass es der Weger noch kann.» Das gelang ihm in diesem Winter fast nie, nachdem er sich im Herbst mit dem Höhentraining verkalkuliert hatte und in ein leichtes Übertraining geraten war. Das werde er auf jeden Fall analysieren müssen, um es in Zukunft besser zu machen. «Es ist jetzt nicht gleich wieder alles super.» Erstaunlich war aber doch, dass Weger nicht nur gut schoss, sondern auch in der Loipe wieder einmal mithalten konnte.

Weger lief die 14. Zeit. Mit einem Schiessfehler weniger hätte es zum 4. Platz gereicht, mit einem perfekten Schiessen hätte es die Silbermedaille gegeben. Null Fehler schoss einzig der letztlich achtplatzierte Amerikaner Leif Nordgren.

Fourcade: Vom Ärger zum Jubel innert Minuten

Als er über die Ziellinie lief, sah Martin Fourcade nicht wie ein Sieger aus. Der 31-jährige Star aus dem Süden Frankreichs verwarf die Hände und fluchte gut hörbar. Der Grund: Fourcade war auf dem Weg zu 20 Treffer, ehe er mit dem allerletzten Schuss das Schwarze verfehlte. «Ein Anfängerfehler», nannte er dies in seinem Ärger. Da aber später auch sein letzter verbliebener Konkurrent Johannes Thingnes Bö beim letzten Stehendschiessen eine Schiebe (in seinem Fall bereits die zweite) stehen liess, blieb Fourcade um 57 Sekunden vorne. Dominik Landertinger, der noch im Dezember unter akuten Rückenproblemen litt, holte als Dritter die erste Medaille für Österreich an dieser WM.

Mit seinem elften WM-Titel in einer Einzeldisziplin schloss Fourcade zu Rekordsieger Ole Einar Björndalen auf. Der Franzose hatte viel Zeit ins Schiessen investiert (49 Starter schossen schneller) und wurde davor belohnt. «Dieser Titel bedeutet mir vielleicht noch mehr als mein erster», sagte er voller Emotionen. «Die letzte Saison war katastrophal.» Nach zwei Siegen in den ersten fünf Rennen blieb er für den Rest des Winters - inklusive WM - ohne Podestplatz. Nun ist er wieder ganz oben.

Quelle: sda
veröffentlicht: 19. Februar 2020 17:55
aktualisiert: 19. Februar 2020 18:03