Barnetta wünscht viel Glück

Stephanie Martina, 16. März 2017, 15:17 Uhr
Am Montag begann für rund 70 Athletinnen und Athleten mit einer geistigen Behinderung ihr grosses Abenteuer. Sie nehmen für die Schweiz an den World Games von Special Olympics in Österreich teil. Ein erstes Highlight gab es bereits vor ihrer Abreise: FCSG-Star Tranquillo Barnetta liess es sich nicht nehmen, den Sportlern viel Glück zu wünschen.

Vor dem St.Galler Hotel One66 dominiert am Montagabend Rot-Weiss. Im Minutentakt kommen Sportler an, auf deren Sportjacke gross «Switzerland» und klein «Special Olympics» steht.  Aus allen Teilen der Schweiz reisen sie mit grossen Taschen und Koffern an, bereit, in ihr grosses Abenteuer namens World Games zu starten. Die World Games von Special Olympics finden wie die Olympischen Spiele alle vier Jahre statt und sind die grösste und wichtigste Veranstaltung für Menschen mit geistiger Behinderung aus der ganzen Welt.

Die Schweiz schickt eine knapp 70-köpfige Delegation ins österreichische Schladming. Alle Sportler haben sich einen Tag vor ihrer Abreise in St.Gallen getroffen, um sich auf den Grossevent einzustimmen. Und während sich alle Athleten, Trainer, Betreuer und Begleitpersonen begrüssen, etwas trinken und plaudern, steht er plötzlich da: Tranquillo Barnetta. Einer, der sich darüber ganz besonders freut, ist der Gossauer Cyrill Baur. Für den Snowboarder ist es etwas ganz Besonderes, dass sein Idol extra vorbeischaut, um ihm viel Glück zu wünschen. Doch noch wichtiger sei es, dass Barnetta wieder zurück sei beim FC St.Gallen. «Wir können ihn gut brauchen. Er kam in letzter Sekunde zurück, als schon fast der Abstieg drohte. Ich bin sehr froh, dass er wieder da ist», sagt der FCSG-Fan.

Cyrill Baurs Herz schlägt für die ganze Nation:

Sofort steht Tranquillo Barnetta im Mittelpunkt: Viele möchten neben ihm für ein Foto posieren, andere beginnen gleich ein Gespräch. Für Barnetta grundsätzlich keine ungewohnte Situation und dennoch: Dieser Rahmen ist sogar für ihn neu. «Nach meiner Rückkehr aus Philadelphia wurde ich von Special Olympics angefragt, ob ich Lust hätte, eine Art Botschafterrolle zu übernehmen. Ich habe sofort zugesagt, denn ich hoffe, dass ich dabei helfen kann, Special Olympics populärer zu machen.»

Goldmedaillen für die Ostschweiz

Neben Cyrill reist auch die 20-jährige Angela Köhler nach Schladming. «Ich freue mich sehr darauf. Denn so etwas erlebt man nur einmal im Leben. Deshalb werde ich jeden einzelnen Moment geniessen», sagt die Skifahrerin aus Schwarzenbach. Angela und Cyrill sind zwei von insgesamt rund 3000 Athletinnen und Athleten, die sich während zwölf Tagen in neun Sportarten messen. Beide möchten unbedingt mit einer Medaille in die Ostschweiz zurückkehren, am liebsten mit einer Goldenen. Dafür haben sie in den vergangenen Wochen und Monaten hart trainiert. Und für das nötige Glück sorgt bei Cyrill ein kleines Plastik-Schweinchen, das während des Rennens in seiner Jacke mitfährt. Angelas Glücksbringer ist ein kleines Eichhörnchen.

Skifahrerin Angela Köhler ist glücklich, dass sie bei Special Olympics mitmachen darf:

Doch trotz grosser Ambitionen, zählt für den 26-jährigen Cyrill nicht nur der Wettkampf. «Ich freue mich sehr darauf, meine Freunde wieder zu treffen, die jeweils an solchen internationalen Rennen mitmachen.» Und Angela freut sich vor allem darauf, ihren 21. Geburtstag während der World Games feiern zu können. «Es wird eine riesige Party geben mit allen, die mitkommen.»

Dresscode als Hürde

Einer, der auf Angelas Party bestimmt nicht fehlen wird, ist ihr Trainer Norbert Schegg. Der Oberrieter kennt Angela und Cyrill aus der Valida und weiss, wie er seine beiden Schützlinge während des Wettkampfs betreuen muss - aber das sei nicht immer ein Party. «Das Schwierigste wird es sein, die Gruppe zusammen und die einzelnen Sportler bei Laune zu halten, weil wir mit Sportlern mit ganz unterschiedlichen Beeinträchtigungen nach Österreich reisen und jeder andere Bedürfnisse hat.» Alleine Cyrill und Angela würden eine Herausforderung darstellen: Während Cyrill gerne jungen Frauen nachläuft und ein bisschen ein Träumer sei, der sich leicht ablenken lasse, würden Angela ihre Launen zu schaffen machen.

Obwohl viele Eltern mitreisen, liegt die Verantwortung dennoch ganz bei den Betreuern. Denn die Eltern haben keinen Zugang zum Hotel und auch während des Wettkampfs keinen Kontakt zu ihren Kindern. «Am meisten Respekt habe ich davor, dass jemand in ein Loch fällt und es uns nicht gelingt, den Fokus wieder aufs Rennen zu legen», sagt Schegg. Ein weiterer heikler Punkt sei die Kleidung. Die ganze Delegation habe Einheitskleidung erhalten. Die Einhaltung des Dresscodes fordert wiederum die Betreuer: «Während einer seine Kleidung bereits im Vorfeld getragen hat, ist das Outfit eines anderen in irgendeiner Tasche und wieder jemand anders trägt die Kleider verkehrt herum. Hier haben wir ebenfalls alle Hände voll zu tun.»

Norbert Schegg freut sich, wenn sich seine Schützlinge freuen:

Barnetta: «Jeder wird sein Bestes geben»

Bei den World Games gibt es nicht nur für die besten Drei Medaillen. «Weil für die Sportler ein Medaillengewinn das Grösste ist, will man ihnen das auch ermöglichen. Deshalb werden sie nach einem Vorlauf in Achtergruppen mit etwa gleich starken Konkurrenten eingeteilt», erklärt Schegg. In jeder dieser Gruppen werden an die drei Besten Medaillen verteilt. Alleine im Slalom gebe es rund 30 Siegerehrungen. «Und somit auch 30 Mal riesige Freude und 30 Mal Emotionen», sagt Schegg. Ganz nach dem Leitsatz von Special Olympics: Lasst mich gewinnen! Doch wenn ich nicht gewinnen kann, lasst mich mutig mein Bestes geben!

Tranquillo Barnetta ist überzeugt, dass die Sportler ihr Bestes geben werden. «Bei einem solchen Grossanlass ist es immer das Schönste, wenn man dabei sein darf. Natürlich sollen sie auch ihre Leistung bringen, aber ich denke für die Sportler ist es am Wichtigsten, dabei zu sein, vieles zu erleben, alle Eindrücke aufzusaugen und sich mit Sportlern aus anderen Nationen auszutauschen.»

Stephanie Martina
veröffentlicht: 14. März 2017 12:21
aktualisiert: 16. März 2017 15:17