Frauen-Nati

«Dass jetzt gleich die Millionenschwemme kommt, glaube ich nicht»

18. Juli 2022, 20:57 Uhr
Das Abenteuer Europameisterschaft ist für die Schweizer Fussballfrauen zu Ende. Einen Sieg am Turnier konnten sie nicht feiern. Dennoch dürfte das Turnier ein Erfolg gewesen sein: Noch nie hatte der Frauenfussball eine solche Präsenz in den Medien. Ist das nun der Durchbruch des Frauenfussballs?
Player spielt im Picture-in-Picture Modus

Quelle: TVO

Am Sonntagabend endete die EM-Reise der Schweizer Fussball-Frauen-Nati. Die Niederlage gegen Holland besiegelte das Ausscheiden. Trotz starker Auftritte der Schweizerinnen gegen die Favoritinnen aus Holland und Schweden reichte es insgesamt nur zu einem Unentschieden gegen Portugal.

Die Niederlage vom Sonntag fiel mit 4:1 höher aus, als es die Leistung der Schweizerinnen vermuten liess. Das sah auch Patricia Willi, Co-Sportchefin der FC St.Gallen Frauen, so. Sie fieberte während des Turniers fleissig vor dem Fernseher mit. «Als ehemalige Spielerin und jetzt Funktionärin habe ich natürlich einen starken Bezug dazu und lebe auch immer gewisse Emotionen mit», so Willi gegenüber TVO. Sie hätte sich gewünscht, dass die Schweizerinnen resultatemässig besser belohnt worden wären. «Ich war natürlich auch enttäuscht. Aber ich teile den Stolz, den die Spielerinnen und der Staff haben über das Gezeigte.»

Durchbruch noch nicht da

Die Schweizerinnen und der gesamte Frauenfussball standen dank der Europameisterschaft in England so stark im Fokus der Öffentlichkeit wie noch nie. Ist dies nun der Durchbruch des Frauenfussballs in der Schweiz? Nein, meint Patricia Loher, Sportchefin des St.Galler Tagblatts. «Man muss noch etwas geduldig sein. Die EM war für mich jetzt wie ein erster Schritt», erklärt Loher. Sie könne sich nicht vorstellen, dass jetzt alles schnell geht: «Dass jetzt gleich die Millionenschwemme kommt, glaube ich nicht.»

Dieses Ungleichgewicht bei einer der beliebtesten Sportarten der Welt sei laut Loher auch historisch zu begründen. So war es den Frauen früher gar verboten, Fussball zu spielen. In der Schweiz galt das Verbot bis in die 1960er-Jahre. «Wie willst du das dann aufholen, wenn du so viele Jahre nichts machen konntest», fragt Loher.

Rahmenbedingungen verbessern

Fakt ist aber: Durch die erhöhte mediale Präsenz wird der Sport bekannter. Davon profitieren beispielsweise auch die Frauen des FC St.Gallens. Doch auch für Sportchefin Willi gibt es noch viel Luft nach oben. Die Rahmenbedingungen müssten verbessert werden. Auch die Professionalisierung müsse voranschreiten.

(red.)

Quelle: TVO
veröffentlicht: 18. Juli 2022 20:57
aktualisiert: 18. Juli 2022 20:57
Anzeige