Olympia

Eiskunstlauf-Affäre Waljewa: Es waren des Grossvaters Tropfen

15. Februar 2022, 13:39 Uhr
Die Medizin des Grossvaters soll nach Angaben der Anwälte von Eiskunstläuferin Kamila Waljewa zum positiven Dopingtest vor Olympia geführt haben.
Denis Oswald orientierte zum Fall Waljewa
© KEYSTONE/LAURENT GILLIERON

Es sei zu einer Verunreinigung mit einem Produkt gekommen, das ihr Grossvater eingenommen habe, sagte IOC-Mitglied Denis Oswald unter Berufung auf die Anwälte der jungen Russin.

Die abenteuerlich anmutende Erklärung sei Teil von Waljewas Verteidigung im Eilverfahren des internationalen Sportgerichtshofs CAS über ihre Zulassung zum Frauen-Einzel gewesen, sagte Oswald, Vorsitzende der Disziplinarkommission des IOC.

Wie gelangt die Medizin des Grossvaters in Waljewas Körper?

Die CAS-Richter entschieden mit Blick auf Waljewas Alter und die unzureichende Beweislage, die Starterlaubnis für den Einzelwettbewerb zu erteilen. Die Anwälte hätten «Gründe präsentiert, die Zweifel an ihrer Schuld» hinterliessen, sagte Oswald.

Offen liess der Schweizer, wie die Medizin des Grossvaters in Waljewas Körper gelangt sein soll. Das Ganze tönt nach einer Rechtfertigung, wie sie von dopenden Spitzensportlern in Variationen oft verwendet wird.

Das IOC hatte kurz nach dem CAS-Urteil entschieden, dass es im Falle eines weiteren Medaillengewinns von Waljewa im Einzel keine Siegerehrung geben wird. Schon die Zeremonie für den Teamwettbewerb wurde abgesagt.

Oswald glaubt nicht an neues Staatsdoping

In der Doping-Affäre Walijewa sieht das IOC indessen keine Fortsetzung des Skandals um Russlands organisierten Sportbetrug.

«Es scheint sich nicht um eine solche Situation zu handeln», sagte Denis Oswald. Auch wenn das IOC noch nicht alle Details rund um den positiven Test der jungen Europameisterin kenne, gehe man nicht von einer Verbindung zum russischen Dopingsystem vergangener Jahre aus.

Oswald präsidierte eine Kommission, die sich mit den Manipulationen der Russen bei den Winterspielen in Sotschi 2014 befasste. Wegen weiterer Verstösse ist Russland wie bei den Sommerspielen 2021 in Tokio auch bei den Winterspielen in Peking offiziell ausgeschlossen.

Schärfere Sanktionen lägen «nicht in den Händen des IOC», sondern seien Sache der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA, sagte Oswald. Die WADA werde im Zug der Entwicklungen die Strafen gegen Russland prüfen und möglicherweise erweitern.

Quelle: sda
veröffentlicht: 15. Februar 2022 13:38
aktualisiert: 15. Februar 2022 13:39
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