11 Erkenntnisse aus 18 Runden

René Rödiger, 12. Dezember 2016, 16:04 Uhr
Tranquillo Barnetta ist zurück und Joe Zinnbauer sitzt wieder fest im Sattel.
Tranquillo Barnetta ist zurück und Joe Zinnbauer sitzt wieder fest im Sattel.
© Urs Bucher/St.Galler Tagblatt
Die Hälfte der Super-League-Saison 2016/2017 ist gespielt. St.Gallen hat die Wende spät geschafft, Basel ist weiterhin das Mass aller Dinge. Diese und weitere Erkenntnisse in unserer Halbzeitbilanz.
1. Konstanz ist Trumpf
Es sah lange Zeit ganz übel für den FC St.Gallen aus. Lauthals wurde die Entlassung Joe Zinnbauers gefordert. FCSG-Präsident Dölf Früh hielt an ihm fest. Schaut man sich die aktuelle Tabelle an, war dieser Entscheid sicher nicht falsch. St.Gallen steht im sicheren Mittelfeld, zuletzt zeigte der Trend klar nach oben. Nach der Hinrunde der letzten Saison hatte der FC St.Gallen nur gerade zwei Punkte mehr auf dem Konto.
Eine Trainerentlassung während der Saison hilft schliesslich sowieso nur kurzfristig.

Auch sonst ist die Trainer-Treue auffällig in dieser Hinrunde: Nur gerade Didier Tholot (Sion) musste seinen Hut nach vier Spielen nehmen.

2. Basel ist Meister
Ok, das ist jetzt ein bisschen übertrieben. Aber niemand zweifelt daran, dass der FC Basel den achten Titel in Folge feiern wird. Das Team von Urs Fischer ist schlicht zu dominant, hat bisher nur ein Spiel verloren und schon zwölf Punkte Vorsprung auf die Young Boys.

3. St.Gallen hat das beste Publikum
Spielt der FC St.Gallen über längere Zeit nicht wirklich überzeugend, strafen die Fans die Spieler, Trainer und Club-Verantwortlichen mit Pfiffen und Spruchbänder. Aber egal wie schlecht es läuft, das Publikum kommt. Immerhin 11'805 Zuschauer waren im Schnitt im Kybunpark. Nur Basel und YB konnten mehr Personen begrüssen.

Dass es eben nicht nur auf die Menge ankommt, zeigten die Espen-Fans mit ihren Traum-Choreos. Da sind wir beim FC St.Gallen einsame Spitze.

4. Die Super League wird abgewertet...

Eben erst hat die Uefa die Reform der Champions League ab 2018 beschlossen. Will ein Schweizer Club dort mitspielen, muss er künftig mindestens eine Qualifikationsrunde überstehen. Die Champions League wird künftig einem exklusiven Kreis von Top-Mannschaften vorbehalten sein.

5. ...und doch wird Basel profitieren
Ob ein Club sich erst für europäische Wettbewerbe qualifizieren muss, entscheidet sich über den Uefa-Koeffizienten. Die Länderwertung zählt ab 2018 aber nur noch zu einem kleinen Teil, die Clubwertung wird relevanter. Und da profitiert in der Schweiz einmal mehr nur der FC Basel. Das heisst: Noch mehr Geld für den FCB, noch mehr Langeweile im Titelkampf in der Schweizer Liga.

6. Es fallen Tore
Bereits 308 Tore konnten wir in der ersten Saisonhälfte bestaunen. Das sind immerhin 32 Goals mehr, als zum gleichen Zeitpunkt in der Saison 2015/2016. Im Schnitt fallen in der Super League mehr Tore pro Spiel, als in allen anderen 54 europäischen Spitzenligen.

7. Der FC St.Gallen hat wieder einen Stürmer
Seit dem 1. September stürmt Albian Ajeti für die Espen. Und wie! In Meisterschaft und Cup hat er in 13 Spielen sechs Mal getroffen. Der FC St.Gallen wird sich hoffentlich angemessen um die Augsburg-Leihgabe bemühen.

8. Einen Fluch besiegt

Der FC St.Gallen hat seinen ältesten Fluch besiegt. Mit dem 3:2-Sieg gegen Lugano am 6. November haben die Espen erstmals seit 1990 wieder ein Spiel gegen die Tessiner auswärts gewinnen können. Nun müsste endlich mal der nächste Fluch besiegt werden: Bei den Berner Young Boys konnte der FC St.Gallen letztmals 2005 drei Punkte feiern.

9. Die Rückkehr
Dass der wohl schönste FCSG-Moment abseits des Spielfeldes stattfand, sagt viel über die durchzogene Saison aus. Trotzdem: Die Rückkehr des «verlorenen Sohnes» Tranquillo Barnetta auf die Rückrunde hin war das Highlight.

10. Die Espen sind Comeback-Könige

Vier Mal konnte der FC St.Gallen ein Spiel nach einem Rückstand noch drehen und mindestens einen Punkt holen. Ein fast schon unglaubliche Bilanz!

11. Der FCSG ist für die Zukunft gerüstet

Vor zwei Jahren war der FC St.Gallen das Sorgenkind in der Nachwuchsförderung. Kaum ein junges Talent bekam Einsatzzeit in der ersten Mannschaft. Wie eine Erhebung des Schweizer Fussballmagazins «Zwölf» nun zeigt, hat ausgerechnet St.Gallen hier die meisten Fortschritte gemacht: Sechs Spieler mit Jahrgang 1995 oder jünger, vier davon Schweizer, spielen in der ersten Mannschaft. Der Anteil an Einsatzminuten der jungen Schweizer Talente ist auf über zwölf Minuten pro Spiel gestiegen - von Null! Mehr Einsatzzeit gibt es für die Jungen nur bei Lausanne-Sport.

René Rödiger
veröffentlicht: 12. Dezember 2016 16:04
aktualisiert: 12. Dezember 2016 16:04