FC St.Gallen

Finger weg von Contini!

Dominic Ledergerber, 8. Januar 2020, 16:38 Uhr
Am Samstag startet der FC St.Gallen in die zweite Saisonhälfte. Nach dem Neustart in der Vereinsführung ist die Euphorie gross wie lange nicht mehr. Damit dies so bleibt, müssen die Diskussionen um Trainer Giorgio Contini verstummen, schreibt Sportjournalist und TVO-Moderator Dominic Ledergerber.

Es ist noch gar nicht so lange her, da wurde Giorgio Contini (44) als Heilsbringer hochgejubelt. Der Winterthurer, der beim FC Vaduz lange Zeit hervorragende Arbeit geleistet hatte, kehrte Anfangs Mai zurück zu jenem Klub, mit dem er als Spieler im Jahr 2000 Meister geworden war. Nun sollte er mit dem FC St.Gallen den Ligaerhalt schaffen und die Mannschaft längerfristig wieder in die Spur führen. Nachdem er ersteres bewerkstelligt hatte, verspürte der Zuschauer bereits in der Sommerpause einen Hauch aufkommender Euphorie.

Contini hielt damals mehrere Trümpfe in der Hand: Dank des erwähnten Meistertitels genoss er in St.Gallen hohes Ansehen und als Vaduz-Trainer hatte er dem FCSG das Leben nur allzu oft schwergemacht. Vor allem aber wurde er an seinem Vorgänger gemessen – und schlimmer als unter Joe Zinnbauer konnte es mit Contini ja kaum werden.

Contini bewies ein dickes Fell

Eben noch Heilsbringer, wurde in den letzten Wochen aber auch Contini durch den medialen Fleischwolf gedreht. Die Entlassungen von Nachwuchs-Chef Marco Otero, Konditionstrainer Harry Körner und Physio Benjamin Bubeck wurden dahingehend ausgelegt, dass sie des Trainers Position schwächten, zumal sie wie Contini mit Berater Donato Blasucci zusammenarbeiten.

Auch wurde geschrieben, die Philosophie Continis sei mit jener von Sportchef Alain Sutter nicht vereinbar. Und: Der Klub bekannte sich via Presse-Communiqué zur Absicht, den geschassten Physio Simon Storm zurückzuholen, mit dem Contini – auch das ist medial dokumentiert – das Heu nicht auf derselben Bühne haben soll.

Contini schwieg indes eisern. Er entsprach damit dem Wunsch der neuen Führung um Matthias Hüppi, dass um den Klub nun Ruhe einkehren möge. Und er bewies noch dazu ein dickes Fell, liess die Kommentare zu seiner Position über sich ergehen und stellte damit sein eigenes Ego in den Hintergrund.

Eine verdiente Chance

Während viele seiner Wegbegleiter den Spind räumen mussten, darf Giorgio Contini den FC St.Gallen morgen also als Trainer in die Rückrunde führen. Der Verwaltungsrat um Matthias Hüppi anerkennt, dass sich Contini stets loyal verhielt und das Interesse des Klubs vor persönliche Seilschaften stellte; schliesslich hatte ihn niemand dazu gezwungen, den ebenfalls von Blasucci betreuten Stammgoalie Daniel Lopar zu «rasieren» und durch Dejan Stojanovic zu ersetzen.

Ein symbolischer Akt, um die eigene Haut zu retten, dürften Kritiker einwenden. Nur sollte nicht vergessen gehen, dass Contini die Chance, den Neuanfang mitzugestalten, absolut verdient hat. In einem absolut chaotischen Umfeld führte er den FC St.Gallen in der ersten Saisonhälfte auf Platz 4 und schuf damit die Ausgangslage, die der gegenwärtigen Euphorie zu einem grossen Teil als Basis dient.

Die Schlussfolgerung ist einfach: Die Diskussionen um Giorgio Contini müssen schleunigst verstummen, will der FCSG die Euphorie in den Frühling mitnehmen. Ist ein Trainer geschwächt, wirkt sich das auch auf die Mannschaft aus – unter Zinnbauer war jedenfalls klar ersichtlich, dass gewisse Akteure dessen Ende herbeisehnten.

Deshalb: Finger weg von Contini! Er steht nicht stärker unter Beobachtung, als jeder andere im Klub. Natürlich muss auch er liefern, schliesslich hat die neue Klubführung einen Platz im oberen Tabellendrittel als Ziel vorgegeben. Es ist noch gar nicht so lange her, da wurde über solch ambitionierte Ziele nur hämisch gelacht.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 2. Februar 2018 09:56
aktualisiert: 8. Januar 2020 16:38