Espenrunde

Rückerstattung und Abschluss von Saisonabos: FCSG baut auf Solidarität

4. Mai 2020, 21:25 Uhr
Alain Sutter wurde in der Espenrunde per Videochat zugeschaltet.
© keystone
Spiele mit Zuschauern im Stadion wird es in dieser Saison nicht mehr geben. Das hat der Bundesrat bereits entschieden. Ob es Geisterspiele geben wird, ist noch unklar. Der FC St.Gallen bittet die Fans in dieser ungewissen Zeit um Solidarität und finanzielle Unterstützung.

In der Espenrunde sprach Vereinspräsident Matthias Hüppi wichtige Fragen in der Corona-Krise an. Es ging dabei um organisatorische Fragen, aber auch um gesellschaftliche Aspekte und die Stimmung im Verein.

Die Fussballvereine der Super League werden von der Krise hart getroffen. Der Ball ruht, seitdem der Bundesrat Massenveranstaltungen mit mehr als 1000 Personen verboten hat. Nun ist klar, dass in dieser Saison keine Spiele mit Publikum mehr stattfinden werden, der Bundesrat hat diese - und andere Grossveranstaltungen - bis Ende August verboten.

Der FC St.Gallen bittet die Fans um Hilfe

Matthias Hüppi betonte schnell, dass es nicht primär um die finanziellen Aspekte geht. Vielmehr stellt er sich auf die Seite der Spieler. Junge Leute, die vor einer herausfordernden Zeit stehen, viele von ihnen aus dem Ausland. Er wünscht sich Verständnis für deren Situation.

Trotzdem entscheiden am Ende die Zahlen. Geisterspiele stehen noch im Raum. «Das Ausrichten der Spiele kostet uns etwa 60'000 Franken pro Match. Insgesamt entgeht uns pro Spiel ohne Publikum eine halbe Million Franken».

Deswegen wendet sich der FC St.Gallen mit einem Video an die Saisonkartenbesitzer und stellt diesen drei verschiedene Optionen zur Verfügung.

1. Verzicht auf Rückerstattung und Abschluss neues Saisonabo: Wer sich für diese Variante entscheidet, wird am Spielfeldrand auf der Haupttribüne verewigt und bekommt eine Erweiterung seines Saisonabos um Test- und Uefa-Qualifikationsspiele.

2. Verzicht auf Rückerstattung: Dafür gibt es ebenfalls eine Verewigung auf der Haupttribüne.

3. Keine der obigen - Besprechung der Rückerstattung mit dem Verein. Sämtliche Informationen sind hier aufgeführt.

Mit dem verfrühten Neuabschluss des Abos erhält der FC St.Gallen finanzielle Mittel, um durch die Krisenzeit zu manövrieren.

Verlängerung mit dem Hauptsponsor 

Und die Fans liessen sich nicht zweimal bitten: Noch während dem Espentalk konnten bereits 200 Saisonabos für nächstes Jahr verkauft werden. Aber nicht nur die Fans zeigten Farbe - auch die Sponsoren. Die technische Verbindung zum CEO der St.Galler Kantonalbank Roland Ledergerber war zwar nicht besonders gut, aber die Botschaft kam an:

Die Zusammenarbeit wird um weitere drei Jahre verlängert, was dem Fussballverein Planungssicherheit verschafft. Die St.Galler Kantonalbank ist bereits seit rund 20 Jahren Hauptsponsor des Vereins.

In vielen Videoeinspielern während des Espentalks betonten Fans und Sponsoren die Verbundenheit mit dem Verein, die Begeisterung, die der FC St.Gallen verbreitet. Obwohl es sich dabei um langjährige Unterstützer handelt, kann der FC St.Gallen froh sein, in dieser Saison grossartigen Fussball gespielt zu haben.

Bei vielen dürfte das bei den oben beschriebenen Optionen eine Entscheidungshilfe bieten.

In den Videobotschaften wurde an Pathos nicht gespart. «Zusammen schaffen wir das», lautet die Message unter dem Strich - auch wenn niemand weiss, wann überhaupt wieder Fussball gespielt werden kann. Der Bundesrat will am 27. Mai entscheiden, ob Geisterspiele ausgetragen werden können. Kein Befürworter davon ist der Sportchef.

Alain Sutter redet Klartext

Nebst all den grün-weissen Liebesbekundungen präsentierte sich Sportchef Alain Sutter sachlich und direkt. Seiner Ansicht nach sollten Fussballspiele erst wieder stattfinden, wenn Social Distancing nicht mehr gilt: «Die Spieler sollen mit dem eigenen Auto zum Spiel kommen, Abstand halten, nach dem Spiel nicht mal im Stadion duschen - aber auf dem Rasen aufeinander losgehen?»

Er äusserte offen Zweifel an der Sinnhaftigkeit dieser Überlegungen. «Die Gesundheit der Spieler muss an erster Stelle kommen. Sie sind keine Gladiatoren», sagte Sutter. Fussball sei nun mal ein Vollkontakt-Sport, und auf dem Spielfeld würden Körpersäfte ausgetauscht.

Für modernen Fussball atypisch, scheint ein Fussballspieler gegenüber dem Geschäft «Fussball» in St.Gallen noch einen gewissen Stellenwert zu haben. James Wehrli, Moderator der Espenrunde erwähnte mit Blick nach Bern, dass man sich dort über sinkende Marktwerte der Spieler beklage, weil diese nicht spielten.

Vielleicht mit ein Grund, warum der FC St.Gallen soviel positive Resonanz erzeugt.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 4. Mai 2020 20:57
aktualisiert: 4. Mai 2020 21:25