Spitzguuge

St.Gallens Derby nach turbulenten Wintertagen

Dominic Ledergerber, 20. Januar 2021, 10:18 Uhr
Wie startet Peter Zeidlers Team ins neue Jahr?
© St.Galler Tagblatt/Ralph Ribi
Mit einem Heimspiel gegen Aufsteiger Vaduz startet der FC St.Gallen heute Mittwochabend ins neue Kalenderjahr. Obwohl die Winterpause ultrakurz war, lieferte sie viel Gesprächsstoff. «Peter Zeidler dürfte deshalb froh sein, dass der Fokus nun wieder auf dem Rasen liegt», schreibt Sportjournalist Dominic Ledergerber.

Endlich wieder Fussball! Oder doch eher schon wieder? Nur gerade 29 Tage liegen zwischen St.Gallens Heimspielen gegen YB (1:2) und heute Mittwochabend gegen Schlusslicht Vaduz (ab 18 Uhr im Liveticker auf FM1Today). Es ist dies die kürzeste Winterpause in der Geschichte des Schweizer Fussballs – und passt zu einem Terminplan, der bei den Teams der Super League viel geistige Flexibilität voraussetzt. Denn eigentlich hätten sich die Espen nach der Partie gegen die Liechtensteiner ganze zehn Tage lang auf den nächsten Gegner vorbereiten können.

Für Sonntag wurde gestern Dienstag allerdings das Heimspiel gegen Lugano terminiert. Dies, weil Servette und Luzern – die eigentlichen Gegner von St.Gallen und Lugano – nach neuen Corona-Infektionen in Quarantäne geschickt wurden. Für die Mannschaft von Peter Zeidler bleibt also nur wenig Zeit, sich auf die Tessiner vorzubereiten – einen Gegner, gegen den die Espen in der laufenden Spielzeit noch sieg- und torlos sind.

Auf der Kippe stand auch der heutige Jahresauftakt des FC St.Gallen, allerdings nicht der Pandemie wegen, sondern aufgrund des vielen Schnees im Kybunpark. Und obwohl die Resultate aus den Testspielen gegen Wil (4:1) und Altach (2:0) optimistisch stimmen, sagte Trainer Zeidler an der gestrigen Pressekonferenz: «Wo wir stehen, wissen wir erst nach dem Spiel gegen Vaduz.» Klar sei aber, dass man den Gegnern in den Freundschaftsspielen zu viele Torchancen zugestanden habe.

Verteidigung macht Schlagzeilen

So oder so ist die Verteidigung im Moment das Sorgenkind des Tabellenvierten. Nur ein Tag, nachdem der FC St.Gallen Routinier Vincent Rüfli (32) zu Lausanne-Ouchy ziehen liess, zog sich Miro Muheim (22) eine schwerwiegende Schulterverletzung zu. «Nach seiner Operation wird er uns sechs bis acht Wochen fehlen, wobei das noch optimistisch geschätzt ist», sagte Zeidler.

Hinzu kommt, dass der Einsatz von Abwehrchef Leonidas Stergiou fraglich ist: Der 18-Jährige kämpfte zuletzt mit einer Entzündung am Fuss, die der Schnitt seines Schuhwerks ausgelöst haben soll, war beim gestrigen Abschlusstraining aber dabei.

Und dann macht auch noch das Wechseltheater um Euclides Cabral von den Grasshoppers Schlagzeilen: Ob der 22-jährige Portugiese, den Zeidler schon bei Sion trainierte, nun in die Ostschweiz kommt oder nicht, wurde Gegenstand eines eher peinlichen Schlagabtauschs in den Boulevard-Medien, der sicherlich noch eine Fortsetzung haben wird.

Das Rätsel um Kamberi

Gar Rätsel gibt die Personalie von Florian Kamberi (25) auf: St.Gallens feinfühliger Mittelstürmer wurde als Hoffnungsträger vom schottischen Hibernian FC in die Schweiz zurückgelotst, scheint nun aber auf dem Abstellgleis zu stehen. «Im Moment sind andere Spieler vor ihm. Das ist einfach der momentane Stand und wurde ihm auch so mitgeteilt», sagte Peter Zeidler gestern.

Fakt ist, dass Kamberi weder in den letzten Meisterschaftspartien vor Weihnachten gegen Basel und YB, noch in den beiden Testspielen zum Kader der Espen zählte. Gerade gegen Wil und Altach hätte Kamberi Selbstvertrauen tanken können, weshalb man im Zusammenhang mit dem ehemaligen GC-Knipser auf den Transferschluss am 15. Februar gespannt sein darf.

Zwei «Neuzugänge» 

Über Neuzugänge sprach Peter Zeidler gestern lediglich im Zusammenhang mit den Langzeitverletzten Lorenzo González (20) und Nicolas Lüchinger (26). Sowohl das Sturmtalent als auch der rechte Aussenverteidiger aus Oberriet bräuchten aber noch ein bisschen Zeit, um für Ernstkämpfe bereit zu sein. Statt Miro Muheim wird heute Abend gegen Vaduz aller Voraussicht nach Boubacar Traoré auf der Position des Linksverteidigers aushelfen müssen, wobei der 23-Jährige bislang zwar mit Tempo, nicht aber mit defensiven Tugenden überzeugen konnte.

Und so bleibt vor dem Anpfiff gegen Vaduz die Erkenntnis, dass auch kurze Winterpausen viel Gesprächsstoff liefern können. Insofern wird Peter Zeidler froh sein, dass der Fokus nun wieder auf dem vom Schnee befreiten Rasen liegt. Endlich wieder Fussball!

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 20. Januar 2021 10:15
aktualisiert: 20. Januar 2021 10:18