Finnland: einige Parallelen zu 2011

25. Mai 2019, 15:30 Uhr
Der Halbfinal-Einzug von Finnland an der Eishockey-WM ist eher eine Überraschung.

Gelingt den Nordländern gar wie 2011, als das Turnier ebenfalls in Bratislava und Kosice stattfand, der grosse Coup?

Sebastian Aho, Mikko Rantanen, Mikael Granlund, Teuvo Teräväinen - an der WM vor einem Jahr in Dänemark standen einige klingende Namen im Kader der Finnen. Dennoch ging der Viertelfinal gegen die Schweiz 2:3 verloren. Diesmal treten die Finnen mit einem sehr unerfahrenen Team und mit bloss zwei Akteuren aus der NHL an. Alleine im Sturm sind neun Spieler dabei, die zum ersten Mal an einer WM teilnehmen, unter ihnen die «Schweizer» Harri Pesonen (SCL Tigers) und Toni Rajala (Biel). Auch für Lausannes Verteidiger Petteri Lindbohm ist es eine Premiere. Die Nummer 1 im Tor ist der erst 24-jährige Kevin Lankinen, der ebenfalls ohne Erfahrung auf dieser Stufe und mit wenig Spielpraxis in die Slowakei gereist ist.

Vor dem Viertelfinal gegen den auf dem Papier deutlich besser besetzten Erzrivalen Schweden war zu hören, dass die Finnen keine Chance hätten. Sie holten aber ein 1:3 auf, glichen in der 59. Minute zum 4:4 aus und siegten in der Verlängerung. Bei zwei der fünf Tore hatte Pesonen den Stock im Spiel. Er hält nun bei je drei Treffern und Assists. Rajala brachte es bisher auf fünf Skorerpunkte (1/4), Lindbohm auf drei (2/1).

Hervorzuheben bei den Finnen ist der erst 18-jährige Kaapo Kakko, der mit sechs Toren und einem Assist nicht nur der zweitbeste Topskorer des Teams ist, sondern auch die beste Plus-Minus-Bilanz ausweist (+10). Kakko stellt damit den gleichaltrigen Jack Hughes (drei Assists/+2) weit in den Schatten. So könnte das Rennen um den nächsten Nummer-1-Draft doch noch spannend werden, bislang war der US-Amerikaner Hughes der klare Topfavorit.

Schon 2011, als die Finnen zum zweiten Mal nach 1995 WM-Gold holten, waren sie mit einem unbekannten Team angetreten. Insofern werden Erinnerungen wach, umso mehr als der Trainer schon damals Jukka Jalonen hiess. Der 56-Jährige war nach der WM 2018 nach fünfjähriger Absenz als Nachfolger von Lauri Marjamäki ins Amt zurückgekehrt. Eine weitere Parallele zu 2011 ist der Gegner im Halbfinal: Russland. Damals setzten sich die Finnen 3:0 durch. Und auch beim letzten Aufeinandertreffen in einem WM-Halbfinal im Jahr 2016 siegten die Nordländer, und zwar 3:1. Das war für die Russen umso bitterer, da es für sie eine Heim-WM war.

Klar ist, dass die Finnen über sich hinauswachsen müssen, wollen sie die Osteuropäer erneut bezwingen. Das russische Starensemble spielte bislang ein überzeugendes Turnier und gewann sämtliche acht Partien. Im Prinzip kann es sich nur selber schlagen.

Völlig offen scheint der zweite Halbfinal zwischen Kanada und Tschechien zu sein. Beide Mannschaften verloren erst einmal an diesem Turnier - gegen Finnland respektive Russland. Die Nordamerikaner waren im Viertelfinal gegen die Schweiz (3:2 n.V.) eigentlich schon ausgeschieden; den Ausgleich zum 2:2 erzielten sie 0,4 Sekunden vor dem Ende der regulären Spielzeit. Vielleicht gibt gerade dieses Erlebnis den Kanadiern den entscheidenden Kick zum 27. WM-Titel, womit sie zu Rekordhalter Russland (inklusive Sowjetunion) aufschliessen würden.

Quelle: SDA
veröffentlicht: 25. Mai 2019 09:56
aktualisiert: 25. Mai 2019 15:30