U21-EM

Die Schweizer U21 ist nahe dran, aber doch ein Stück weit weg

1. April 2021, 14:37 Uhr
Ausnahmekönner wie Portugals Trincão findet man im Schweizer Team nicht
© KEYSTONE/PETER KLAUNZER
Für die Schweizer U21 endet die EM in der Gruppenphase. Es bleibt die Erkenntnis, dass die Schweiz in dieser Generation einen tollen Teamgeist und ordentlich Talent hat, aber keinen Ausnahmekönner.

Nachfolgend das EM-Fazit in fünf Punkten.

Das knappe Aus

Die Schweiz verlor zwei der drei Gruppenspiele, trotzdem fehlte in der Endabrechnung nur ganz wenig zum Vorstoss in die Viertelfinals. Kroatien qualifizierte sich mit drei Punkten, die Schweiz und England hatten aufgrund der erzielten Tore in den Direktbegegnungen das Nachsehen. Ein Unentschieden gegen Kroatien statt das ärgerliche 2:3 hätte der Schweiz gereicht.

«Die 15 schwachen Minuten gegen Kroatien waren entscheidend», bilanzierte Trainer Mauro Lustrinelli. Gemeint war die Phase in der zweiten Halbzeit, als sich die Schweizer in kurzer Abfolge die Gegentore vom 0:1 zum 0:3 einfingen.

Ordentliche Breite, fehlende Spitze

In drei Spielen setzte Lustrinelli 17 der 20 Feldspieler mindestens einmal in der Startaufstellung ein. Nach dem Auftaktsieg gegen England wechselte er seine Stammformation auf vier Positionen, nach der Niederlage gegen Kroatien tauschte er sieben Spieler aus. Goalie Anthony Racioppi, Jordan Lotomba und Toni Domgjoni begannen als einzige in allen drei Spielen. Das sagt einerseits, dass das Gefälle innerhalb der Mannschaft sehr klein war und dass für Lustrinelli kaum ein Spieler unersetzlich war.

Die drei Gruppenspiele und insbesondere das 0:3 gegen Portugal offenbarten aber auch, dass kein Schweizer Spieler der aktuellen U21 europäisches Top-Niveau aufweist. Die Portugiesen waren technisch, physisch und spielerisch überlegen. Sie verfügen über Einzelkönner, die mit einer besonderen Aktion für den Unterschied sorgen können.

Spieler wie Kroatiens Künstler Nikola Moro (Dinamo Moskau) und Portugals Trincão (FC Barcelona) oder Pedro Gonçalves (Sporting Lissabon/mit 15 Toren bester Torschütze in Portugal) fand man in der Schweizer U21 nicht. «Im Gegensatz zu uns sind es sich die Portugiesen gewohnt, regelmässig auf hohem Niveau zu spielen. Sie spielen bei Barcelona, Valencia, Wolverhampton, Monaco. In unserer Super League wird nicht mit der gleichen Intensität gespielt, und den jungen Schweizern im Ausland fehlt der Rhythmus. Das war wohl unser Limit. Mental gelang es uns nur in einem Spiel, das höchste Niveau zu erreichen.»

Möglicherweise hätte die Schweiz mit dem verletzten Noah Okafor und den ins A-Nationalteam berufenen Ruben Vargas, Eray Cömert und Becir Omeragic besser abgeschnitten. Aber Salzburg, Augsburg und Zürich sind auch nicht Barcelona.

Individuelle Fehler

Mit individuellen Fehlern verbauten sich die Schweizer die Viertelfinals auch selber. Nach dem makellosen England-Auftakt legte Goalie Anthony Racioppi den Kroaten das frühe 1:0 mit einer Aneinanderreihung von Fehlern quasi auf. Das 2:0 verschuldete Jordan Lotomba mit einem Penalty in einer unsortierten Phase nach einem Dreifachwechsel. Beim dritten Treffer der Kroaten war Innenverteidiger Jasper van der Werff schlecht postiert. Ein Steilpass in den offenen Raum genügte, damit die Kroaten freie Bahn zum Tor hatten.

Gegen Portugal stimmte in der Anfangsphase die Zuteilung zwischen den drei Innenverteidigern nicht. Und beim 0:3 versäumte es Van der Werff, rechtzeitig zu klären. Dass es mit dieser Häufung an Fehlern gegen die europäische Elite schwierig wird, ist klar. Dass die Viertelfinals dennoch greifbar waren, spricht für die Schweiz.

Unglückliches Händchen

Mauro Lustrinelli ist es in gut zweieinhalb Jahren gelungen, eine verschworene Einheit zu formen, die sich trotz fehlender individueller Extraklasse überzeugend für die (auf 16 Teams ausgeweitete) EM qualifiziert hat und nahe an den Viertelfinals war. Im Schlüsselspiel gegen Kroatien hatte der Trainer aber ein schlechtes Händchen bei der Wahl des Personals.

Lustrinelli gewichtete die Frische in seinen Entscheiden höher als das Momentum und die Kontinuität. Dass er nach dem Sieg gegen England die defensive Achse sprengte, die den Engländern keine richtige Torchance zugestanden hatte, und er zudem den Schützen des Siegtreffers herausnahm (Dan Ndoye), war rückblickend unglücklich. Auch die sieben Wechsel gegen Portugal zahlten sich nicht aus.

Ausblick

Für den Grossteil der Mannschaft endet mit dem EM-Aus ein Zyklus. 14 Spieler scheiden altersbedingt aus. Lustrinelli verwies aber mit Recht darauf, dass die Schweiz an der Endrunde zu den jüngsten Teams gehörte. Neun Spieler bleiben dabei und dürften Teil der EM-Kampagne 2023 sein. Zu ihnen zählen Okafor, Ndoye, Felix Mambimbi, Leonidas Stergiou, Simon Sohm und Fabian Rieder. «Für die Jungen war es eine wertvolle Erfahrung für die nächste Kampagne», so Lustrinelli. Der Trainer selbst nimmt nach der «Mission 21» die «Mission 23» in Angriff.

Quelle: sda
veröffentlicht: 1. April 2021 14:35
aktualisiert: 1. April 2021 14:37