Pierluigi Tami wird Direktor der Nationalmannschaften

1. Juli 2019, 23:00 Uhr
Der neue Chef des Nationalteams: Pierluigi Tami
© KEYSTONE/LAURENT GILLIERON
Pierluigi Tami erhält den Zuschlag für den neu geschaffenen Posten des Direktor der Nationalmannschaften. Der Tessiner kehrt mit viel Erfahrung und grossem Insider-Wissen zum Verband zurück.

Im letzten November hatte der Schweizerische Fussballverband (SFV) entschieden, einen Direktor der Nationalmannschaften ins Organigramm zu nehmen. Seither kursierten immer wieder Namen von geeigneten Kandidaten.

Der eine oder andere potenzielle Nationalmannschafts-Chef nahm sich früh selber aus dem Rennen, etwa Andres Gerber oder Christoph Spycher. Schliesslich führte das dreiköpfige Komitee der Swiss Football League bestehend aus Präsident Heinrich Schifferle, CEO Claudius Schäfer und Finanzchef Ancillo Canepa mit vier Kandidaten offizielle Gespräche: mit Martin Andermatt, Peter Knäbel, Alain Sutter und eben Pierluigi Tami.

Tami wurde dem Zentralvorstand des SFV zur Wahl vorgeschlagen und am Montagmorgen einstimmig zum ersten Direktor der Nationalmannschaft ernannt. Bislang wurde ein Teil der Aufgaben, die nun Tami übernimmt, vom Delegierten der Nationalmannschaft erfüllt, zuletzt belegte Claudio Sulser diesen Posten. Eine Untersuchung der Verbandsstrukturen ergab nach der WM 2018 Handlungsbedarf in diesem Bereich. «Der Posten des Delegierten war ein Nebenamt», erklärte Schifferle die Aufwertung des Postens. Tami werde rund um die Uhr zur Verfügung stehen.

Der 57-Jährige wird für vieles innerhalb der A- und U21-Nationalmannschaft verantwortlich sein. Er setzt die sportlichen Ziele fest, wacht über das Personal und explizit auch über die Nationaltrainer. Er hat die Verantwortung über das Budget, verhandelt die Prämien und legt die Kommunikationsstrategie fest. Seine Kompetenzbereich dürfte bald mal auch die anderen Junioren-Auswahlen umfassen. Ab August und vorerst vertraglich festgelegt für zwei Jahre wird der zurückhaltend auftretende Tessiner der neue starke Mann der SFV-Auswahlen.

Wie sich die Ernennung von Tami auswirkend wird, ist noch völlig offen. Weder er noch Schifferle wollten sich zu möglichen konkreten Änderungen in den Nationalmannschaften äussern, auch wenn der neue Direktor seine Visionen intern ausgebreitet hat. «Es würde kaum Sinn machen, wenn ich heute über meine langfristigen Ziele reden würde. Ich spreche nur über die kommenden Monate. Und da habe ich nur ein Ziel: Kennenlernen!» Er wolle mit den verschiedenen Akteuren Kontakt aufnehmen, auch mit den Spielern, die er grösstenteils schon kennt.

Für Tami ist es eine Rückkehr zum Verband. Er hatte zwischen 2003 und 2015 verschiedene Nachwuchsauswahlen betreut, ab 2009 die U21. Mit diesem Team erreichte er 2011 den EM-Final und nahm er ein Jahr später an den Olympischen Spielen in London teil.

Die älteste Junioren-Auswahl liegt ihm aber nicht nur deshalb speziell am Herzen. Sie solle die grösstmögliche Unterstützung erhalten, weil von deren Resultaten die Schweizer Vereine und die A-Nationalmannschaft stark profitieren würden. Er führte das Beispiel des rumänischen U21-Teams an, das während der am Sonntag zu Ende gegangenen EM ihren Marktwert verdreifachen konnte.

Tami war für die bereite Öffentlichkeit nicht der auffallendste Kandidat, aber er besitzt den wohl eindrücklichsten Rucksack an unterschiedlichsten Erfahrungen. Er war Profispieler, Trainer - in der Super League zuletzt bei GC (2015 bis 2017) und Lugano (2017/2018) - sowie Matchbeobachter für Köbi Kuhn und Ottmar Hitzfeld während der grossen Turniere 2006, 2008 und 2010. Und er war bis vor Kurzem Inhaber eines Ingenieurbüros mit 80 Mitarbeitern. Zusammen mit seinem Bruder wickelte er in den letzten Monaten den Verkauf der Firma ab.

Er sehe sich bestens gerüstet, um die in ihn gesetzten Erwartungen zu erfüllen, sagte Tami, der auf deutsch, französisch und italienisch Auskunft geben kann. Nicht nur sein breites Wissen, sondern auch seine zurückhaltende Art dürfte ihm bei seinen neuen, zum Teil heiklen Aufgaben entgegenkommen, zu denen auch das Forcieren der Zusammenarbeit mit den Klubs der Super- und Challenge League gehört. Über die Qualität von Tamis Arbeit wird aber nur etwas entscheiden, wie Schifferle indirekt anmerkte: «Die Zielsetzung ist Erfolg, Erfolg und Erfolg.»

Quelle: SDA
veröffentlicht: 1. Juli 2019 11:54
aktualisiert: 1. Juli 2019 23:00