Handball

Röthlisberger: die Hauptsäule im Schweizer Team

18. Januar 2021, 05:41 Uhr
Samuel Röthlisberger, am Boden, gibt immer vollen Einsatz
© KEYSTONE/URS FLUEELER
Trotz dem 25:31 gegen Mitfavorit Norwegen stehen die Schweizer an der WM in Ägypten so gut wie sicher in der Hauptrunde. Eine Schlüsselrolle im Team nimmt Abwehrchef Samuel Röthlisberger ein.

Die Schweizer verfügen in der Offensive nicht über dermassen viel Klasse, dass sie die Gegner auf dem Niveau einer Weltmeisterschaft regelmässig aus der Halle schiessen können. Insofern bekommt die Verteidigung eine noch grössere Bedeutung. Beim 28:25-Sieg im wegweisenden Spiel am Donnerstag gegen Österreich funktionierte diese vorzüglich und machte den Unterschied aus.

Die Schlüsselrolle in der Schweizer Abwehr nimmt der 24-jährige Samuel Röthlisberger ein: 1,98 m gross und 106 kg schwer. «Er ist unsere Hauptsäule, an ihm können sich alle orientieren», sagt Nationaltrainer Michael Suter. «Er ist selber stark und gibt den Spielern rechts und links von ihm enorme Sicherheit.»

Röthlisberger ist in diese Rolle hineingewachsen. Zu Beginn der Karriere war er eher auf die Offensive fokussiert. Dass er nun praktisch nur noch in der Verteidigung eingesetzt wird, damit hat er kein Problem. «Dadurch kann ich mich voll und ganz auf die Defensive fokussieren», führt Röthlisberger im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA aus. «Jeder trägt seinen Teil dazu bei, um erfolgreich zu sein, und das ist mein Part. Es macht mir sehr Spass.»

Röthlisberger ist kein Mann der grossen Worte, auf dem Spielfeld kommuniziert er aber immer mehr. Das erwartet und fordert Suter von ihm, denn es gibt ja nicht nur eine Art zu decken. Ob offensiver oder defensiver, «beide Lösungen können funktionieren, dafür müssen aber beide im Innenblock dasselbe machen. Dafür braucht es Kommunikation», so Suter.

Dass Röthlisberger Handball spielt, «ist eine lustige Geschichte». Von der Familie übte niemand diesen Sport aus. Der Grossvater war ein Schwinger und hätte gerne gehabt, wenn sein Enkel ebenfalls einer geworden wäre. Die Postur dazu hätte er auf jeden Fall. Doch es kam anders. Röthlisberger kommt aus Graben bei Herzogenbuchsee. Im Sommer gab es ihm Rahmen des Ferienpasses die Möglichkeit, eine Woche eine Sportart auszuüben. Da sie jedoch spät dran waren, war schon fast alles besetzt, und so meldete ihn die Mutter im Handball an. Röthlisberger gefiel es von Anfang an, sodass er sich dem TV Herzogenbuchsee anschloss, ehe er 2011 zum BSV Bern wechselte. Es war also quasi Schicksal? «Das kann man so sagen.»

Nun ist er nicht nur beim Nationalteam der Abwehrchef, sondern auch beim Bundesligisten Stuttgart. Für die Schwaben ist er seit 2017 tätig. Er erhielt dort von Anfang an viel Spielzeit, seit dem Abgang von Routinier Manuel Späth im vergangenen Sommer trägt er nun aber noch mehr Verantwortung. Aktuell liegen die Stuttgarter, die zu den «Kleinen» in der Bundesliga gehören, auf dem 10. Tabellenplatz, nachdem sie Ende Oktober mit neun Punkten aus den ersten sechs Spielen Leader gewesen waren.

Ging der Schritt in die Bundesliga problemlos vonstatten? «Es brauchte schon etwas Zeit, um anzukommen, jedoch vor allem neben dem Feld», so Röthlisberger. Es habe geholfen, dass er von Anfang an zum Einsatz gekommen sei. «Nun ist es eine völlig andere Situation. Der Kern der Mannschaft spielt seit vier Jahren zusammen.» Sein Vertrag mit Stuttgart läuft am Ende der Saison aus, Gespräche über eine Fortsetzung der Zusammenarbeit haben bereits stattgefunden, noch ist aber nichts definitiv. Klar ist für ihn, dass er einmal für ein Topteam auflaufen möchte.

Zunächst aber gilt der Fokus der Nationalmannschaft, die sich seit der Amtsübernahme von Suter im Jahr 2016 prächtig entwickelt hat. «Wir sind nicht nur auf dem Feld, sondern auch daneben eine Einheit, haben es gut zusammen», sagt Röthlisberger. Gerade solche Erlebnisse wie am Donnerstag, als die Schweizer trotz widrigster Umstände das Schlüsselspiel gegen Österreich für sich entschieden, schweissen das Team selbstredend noch mehr zusammen. Auch am Montag haben die Schweizer gegen den sechsfachen Weltmeister Frankreich wieder wenig zu verlieren und viel zu gewinnen. Ohnehin trauen sie sich mittlerweile gegen jeden Gegner etwas zu. Vielleicht führt ja diese Einstellung zu einem weiteren Coup?

Quelle: sda
veröffentlicht: 18. Januar 2021 05:05
aktualisiert: 18. Januar 2021 05:41