Schweiz steht wie 2013 im WM-Final

19. Mai 2018, 22:10 Uhr
Im WM-Final: Die Schweizer Eishockey-Nati schaffte gegen Kanada einen weiteren Exploit
Im WM-Final: Die Schweizer Eishockey-Nati schaffte gegen Kanada einen weiteren Exploit
© KEYSTONE/SALVATORE DI NOLFI
Wie vor fünf Jahren steht die Schweizer Nationalmannschaft im WM-Final. Das Team von Patrick Fischer setzt sich im Halbfinal gegen Kanada 3:2 durch und triff am Sonntag auf Titelverteidiger Schweden. «Wir müssen noch einen drauflegen», so Timo Meier nach den ersten 20 Minuten.

Das unterstreicht das Selbstverständnis dieses Schweizer Teams, sagte er dies doch nach einem starken ersten Abschnitt, in dem die SIHF-Auswahl nicht nur die besseren Möglichkeiten besass, sondern auch das einzige Tor schoss. Dafür verantwortlich zeichnete in der 19. Minute der Berner Stürmer Tristan Scherwey, der nach einem Querpass von Ramon Untersander mit viel Tempo ins gegnerische Drittel fuhr und von halblinks eiskalt sein zweites Tor an diesem Turnier erzielte. In der 12. Minute hatte Scherwey noch eine Topchance vergeben - wie eine Minute zuvor schon Timo Meier.

Im Mittelabschnitt unterstrichen die Schweizer ein erstes Mal, welche Fortschritte sie an dieser WM im Powerplay, zuvor oft ein Schwachpunkt, erzielt haben. Sie liessen den Puck während der zweiten Strafe gegen die Kanadier ausgezeichnet laufen, bewiesen viel Geduld und gingen 140 Sekunden nach dem Ausgleich der Nordamerikaner durch den frei vor dem Tor stehenden Gregory Hofmann erneut in Führung (30.). Der Luganesi reüssierte zum vierten Mal an diesem Turnier und ist quasi ein Sinnbild für die markante Steigerung gegenüber den Winterspielen in Pyeongchang. In Südkorea war Hofmann noch zweimal überzählig gewesen, so auch im Achtelfinal gegen Deutschland (1:2 n.V.).

Auch beim 3:1 in der 45. Minute trafen die Schweizer in Überzahl, womit sie nun insgesamt zehn Powerplay-Tore an dieser WM verzeichnen. Gaëtan Haas lenkte einen Schuss von Sven Andrighetto unhaltbar ab. Letzterer hatte schon beim 2:1 seinen Stock im Spiel gehabt und totalisiert nun sieben Assists und neun Skorerpunkte.

Nach dem 2:1 bewiesen die Schweizer, wie stark sie auch in der Defensive sind. Zwar machten die Kanadier nun mächtig Druck, dank grossem Einsatz, nur einer Zweiminuten-Strafe und einem überragenden Leonardo Genoni liessen sie aber nur noch das 2:3 von Verteidiger Colton Parayko (58.) zu. Der Berner Keeper, bei der 1:5-Niederlage gegen die Kanadier zum Auftakt der Winterspiele beim Stand von 0:4 ausgewechselt und danach auch in den National-League-Playoffs nicht über alle Zweifel erhaben, präsentierte sich in der Form seiner besten Tage. Genoni strahlte eine enorme Ruhe aus und machte mit total 43 Paraden zahlreiche gute Chancen der Kanadier zu Nichte. In der 32. Minute beispielsweise rettete er mirakulös gegen Anthony Beauvillier. Insofern war es nichts als logisch, dass er zum besten Spieler seiner Mannschaft gekürt wurde.

Genonis Leistung erinnerte an jene von Martin Gerber beim 2:0-Triumph gegen die Kanadier an den Winterspielen 2006 in Turin. War dieser Sieg damals eine Sensation, sind Erfolge der Schweizer gegen das Mutterland des Eishockeys mittlerweile keine Seltenheit mehr. So war das 3:2 der vierte Sieg in den letzten acht Direktduellen an einem Grossanlass.

Damit kommt es zur Neuauflage des Finals von 2013. Damals gewann Schweden vor heimischem Publikum nach einem 0:1-Rückstand mit 5:1. Seither gingen auch die nächsten fünf Pflichtspiele gegen die Skandinavier verloren. Die Schweden hinterliessen bisher an dieser WM einen bestechenden Eindruck und entschieden sämtliche neun Partien für sich. Im Halbfinal demontierten sie die USA 6:0. Dieser Schweizer Mannschaft ist jedoch alles zuzutrauen.

«Wir leisteten heute Grosses, nun ist alles offen. Wir haben mit Schweden noch eine Rechnung offen», blickte NHL-Stürmer Nino Niederreiter bereits voraus. Andrighetto ergänzte: "Wir sind noch nicht fertig. Wir sahen (beim 3:5 - die Red.) in der Gruppenphase, dass wir auch Schweden Schwierigkeiten bereiten können, wenn wir unser Spiel spielen."

Kanada - Schweiz 2:3 (0:1, 1:1, 1:1)

Kopenhagen. - 12'166 Zuschauer. - SR Kaukokari/Kubus (FIN/SVK), Lhotsky/Oliver (CZE/USA). - Tore: 19. Scherwey (Untersander, Kukan) 0:1. 28. Horvat (Dubois, Pageau) 1:1. 30. Hofmann (Fiala, Andrighetto/Ausschluss Edmundson) 1:2. 45. Haas (Andrighetto, Diaz/Ausschluss Nugent-Hopkins) 1:3. 58. (57:53) Parayko (McDavid, Schenn) 2:3 (ohne Goalie). - Strafen: 3mal 2 Minuten gegen Kanada, 1mal 2 Minuten gegen die Schweiz.

Kanada: Kuemper; Parayko, Vlasic; Ekblad, Edmundson; Nurse, Murray; Pulock; Schenn, McDavid, Nugent-Hopkins; O'Reilly, Turris, Jost; Pageau, Dubois, Horvat; Bailey, Barzal, Beauvillier; Eberle.

Schweiz: Genoni; Diaz, Josi; Untersander, Kukan; Fora, Müller; Frick; Rod, Schäppi, Scherwey; Niederreiter, Corvi, Fiala; Andrighetto, Vermin, Meier; Moser, Haas, Hofmann; Baltisberger.

Bemerkungen: Schweiz ohne Berra (Ersatztorhüter), Senn, Genazzi und Riat (alle überzählig), Kanada ohne Schwartz (verletzt). - 42. Pfostenschuss O'Reilly. - Timeout Kanada (57:53), Kanada von 57:20 bis 57:53 und ab 57:58 ohne Goalie. - Schüsse: Kanada 45 (9-18-18); Schweiz 17 (5-11-1). - Powerplay-Ausbeute: Kanada 0/1; Schweiz 2/3.

Quelle: SDA
veröffentlicht: 19. Mai 2018 21:35
aktualisiert: 19. Mai 2018 22:10