«Die schwierigste Aufgabe, seit ich Captain bin»

1. Februar 2019, 08:11 Uhr
Das Schweizer Davis-Cup-Team steht gegen Russland vor einer grossen Herausforderung
Das Schweizer Davis-Cup-Team steht gegen Russland vor einer grossen Herausforderung
© KEYSTONE/PETER SCHNEIDER
Die Schweiz hat auf dem Weg zur neu geschaffenen Finalrunde im Davis Cup zwar nur eine Hürde zu überwinden, die hat es aber in sich. Russland fordert das Team in Biel mit zwei Top-20-Spielern heraus.

In den 14 Jahren als Schweizer Davis-Cup-Captain musste Severin Lüthi schon das eine oder andere Mal ein nominell klar schwächeres Team als der Gegner auf den Platz führen. Schliesslich stehen Roger Federer und Stan Wawrinka schon seit einer Weile nicht mehr zur Verfügung. Doch so gross wie gegen Russland war die Diskrepanz zwischen den Einzelspielern der beiden Mannschaften wohl noch nie. «Es ist auf dem Papier die schwierigste Aufgabe, seit ich Captain bin», sagte Lüthi am Tag vor dem Auftakt der Erstrunden-Begegnung, für die er Henri Laaksonen (ATP 142) und Marc-Andrea Hüsler (ATP 362) nominierte.

Die Russen treten mit den 22-Jährigen Karen Chatschanow (ATP 11) und Daniil Medwedew (ATP 16) an, die in den letzten Monaten mehr als nur Kostproben ihres Könnens gezeigt haben. Chatschanow triumphierte zum Ende der letzten Saison beim Masters 1000 in Paris-Bercy nach Siegen gegen Alexander Zverev, Dominic Thiem und Novak Djokovic. Medwedew gewann im letzten Jahr drei Turniere und nahm beim Australian Open dem späteren Sieger Djokovic im Achtelfinal einen Satz ab.

«Es ist eine sehr schwierige Aufgabe. Russland hat das Potenzial den Davis Cup sogar zu gewinnen», anerkennt Lüthi. Doch vorzeitig kapitulieren will der 43-Jährige nicht. «Wir haben nichts zu verlieren. Im Davis Cup kann alles passieren, zumal es nur noch über zwei Gewinnsätze geht. Das macht die Sache etwas ausgeglichener. Die Chancen auf eine Überraschung stehen etwas besser.» Lüthi bedauert zwar die auf diese Saison hin vorgenommenen Umstellungen im Davis Cup und speziell den Wegfall des Best-of-5-Modus. Doch dies sei nun gegen Russland sicher kein Nachteil für die Schweiz.

Marc-Andrea Hüsler machte mit den Fünfsätzern im letzten Herbst eine schmerzhafte Erfahrung, als er gegen Schwedens Markus Eriksson von Krämpfen geplagt einen Zweisatz-Vorsprung noch aus der Hand gab. Was er vor dem Umschwung gezeigt hatte, war allerdings beeindruckend gewesen. Lüthi traut Hüsler zu, den Russen als Linkshänder gefährlich zu werden, speziell auf dem schnellen Indoor-Platz in der Bieler Swiss Tennis Arena, die mit rund 1300 Zuschauern etwa zur Hälfte gefüllt sein dürfte.

«Ich habe sehr wenig zu verlieren und sehr viel zu gewinnen», freut sich Hüsler auf die Herausforderung vom Freitag. Der 22-jährige Zürcher trifft im zweiten Einzel auf Chatschanow. Er kennt den Gleichaltrigen aus U18-Zeiten und betritt gegen den druckvoll spielenden Moskauer doch Neuland: Noch nie hat Hüsler zuvor gegen einen Top-20-Spieler gespielt, aber mit Nicolas Almagro letztes Jahr in Gstaad zumindest einen ehemaligen Top-10-Spieler geschlagen.

Auch Laaksonen geht als klarer Aussenseiter gegen Medwedew ins erste Einzel vom Freitag. Einen gewissen Druck hat der 26-Jährige, der beim Australian Open einen hervorragenden Eindruck hinterliess, dennoch. Ohne Siege von ihm ist ein Schweizer Weiterkommen nicht vorstellbar. Am Samstag stehen dann das Doppel und die zwei letzten Einzel, voraussichtlich mit Laaksonen gegen Chatschanow und Hüsler gegen Medwedew, auf dem Programm.

Quelle: SDA
veröffentlicht: 1. Februar 2019 07:58
aktualisiert: 1. Februar 2019 08:11