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Ski alpin

Gut-Behrami über Reisestrapazen und das Zuhause als Kraftort

23. Oktober 2021, 07:26 Uhr
Lara Gut-Behrami verspürt auf der Welttournee der Skirennfahrerinnen zusehends Heimweh. Doch sie hat ihr Rezept gefunden. Die Vorbereitung auf die Olympia-Saison verlief vielversprechend.
Lara Gut-Behrami ist gerüstet für einen weiteren erfolgreichen Winter
© KEYSTONE/GIAN EHRENZELLER

Das Gesicht unter einer Maske vergraben, ein Baseballcap als Schattenspender vor dem Scheinwerferlicht: Vor dem Saisonstart der alpinen Skirennfahrerinnen am Samstag in Sölden gab sich Lara Gut-Behrami so zugeknöpft wie meistens im Vorfeld von Rennen. Dabei versteckte die Tessinerin keineswegs negative Gefühle, im Gegenteil. Nach zweimal WM-Gold in der Vorsaison, sechs Weltcupsiegen, dem 2. Schlussrang im Gesamtweltcup und reibungsloser Vorbereitung sind die Voraussetzungen gegeben für einen erfolgreichen Olympiawinter.

Auch selbst versprüht Gut-Behrami Zuversicht. Sie sei zufrieden mit dem Stand der Dinge, betonte sie in der Gesprächsrunde im Vorfeld des Riesenslalom-Prologs auf dem Rettenbachgletscher.

Auch heuer gewährt der Kalender den Allrounderinnen wie ihr auf der Tour um die Welt kaum Verschnaufpausen - etwas, das Gut-Behrami mit zunehmendem Alter zusetzt, wie sie zugab: «Ich hinterfrage es nicht, aber es fällt mir je länger, desto schwerer.» Kraft schöpft die 30-Jährige zwischen den Rennen in Udine und Genua, bei ihrem Ehemann Valon Behrami.

Lara Gut Behrami über ...

... die letzten Wochen:

«Wir hatten einen schönen Sommer. Ich konnte einerseits gut trainieren und andererseits die Ruhe geniessen. Es gab nach der letzten Saison keine Baustellen im technischen Bereich oder sonstige Probleme. Von dem her bin ich zufrieden. Ich hoffe, dass ich da anknüpfen kann, wo ich aufgehört habe.»

... den Energiehaushalt:

«Jede Saison ist sehr intensiv. Das war schon immer so und wird immer so bleiben. Und das ist auch gut so. Dass ich mich im März mit letzter Kraft durch den letzten Riesenslalom der Saison schleppte (Gut-Behrami kapitulierte beim Finale in Lenzerheide nach drei Toren - die Red.), war nichts Neues. Das ist jedes Jahr so. Jetzt habe ich einen gesunden Sommer hinter mir, von dem her: alles okay. Mit gesund meine ich, dass in den Trainings, in denen wir ja doch jedes Mal und in jedem Lauf ein gewisses Risiko eingehen, alles reibungslos gelaufen ist.»

... mentale Gesundheit:

«Es ist ein wichtiges Thema, und ich habe meinen Weg gefunden. Aber jetzt ist nicht der Zeitpunkt, um über mentale Gesundheit zu reden. Am Samstag steht ein Rennen an.»

... das Zuhause in Italien als Kraftort:

«Ich reise seit bald 15 Jahren im Weltcup um die Welt. Wenn du dich zuhause wohlfühlst, gibt dir das viel Kraft. Früher hatte ich eine andere Energie und andere Interessen, jetzt schätze und geniesse ich die Ruhe. Der Aufwand, den wir für ein paar wenige Minuten Skifahren betreiben, ist immens. Letzte Woche etwa fuhren wir von Genua nach Sölden, um sechs Minuten Ski zu fahren, danach gingen wir wieder zurück, und jetzt sind wir wieder hier. Oder wenn wir in die USA reisen für einen Riesenslalom, fahren wir zwei Minuten Ski und sind tage- oder wochenlang unterwegs. Das alles zehrt an den Kräften. Ich hinterfrage es nicht, aber es fällt mir je länger, desto schwerer. Wenn diese wenigen Minuten aber nicht Entschädigung genug wären, wäre ich nicht mehr hier.»

... über mögliche Auszeiten im Olympiawinter:

«Während der Saison habe ich mir eigentlich noch nie Auszeiten genommen, und das habe ich auch dieses Mal nicht vor. Wenn ich gesund bin, sollte ich in der Lage sein, jedes Wochenende an den Start zu gehen.»

... Sölden, wo sie 2013 und 2016 gewonnen hat:

«Es ist ein spezielles Rennen, eines der schwierigsten, denke ich. Du musst dich trauen und nicht zu viel nachdenken. Und es kann viel passieren. Das Wetter spielt sicher eine grosse Rolle. Es kann ein wunderschönes Rennen mit super Verhältnissen sein, aber auch ziemlich anspruchsvoll werden. Ich kann mich an zweite Läufe erinnern, in denen es schneite und ziemlich dunkel wurde. Über die Jahre hat man gesehen, dass man den grossen Unterschied im ersten Lauf macht. Eine frühe Startnummer ist sicher ein Vorteil, den es zu nutzen gilt.»

... Sinn und Unsinn des frühen Saisonstarts im Oktober für die Athletinnen:

«Ich finde es nicht so schlecht, dass wir Sölden haben. Irgendwann muss es ja losgehen. Wenn es danach nahtlos bis März weiterginge, wäre es ein anderes Thema.»

Quelle: sda
veröffentlicht: 23. Oktober 2021 00:05
aktualisiert: 23. Oktober 2021 07:26