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Ski

Vier Kandidaten wollen Nachfolger von FIS-Präsident Kasper werden

4. Juni 2021, 11:00 Uhr
Die Britin Sarah Lewis, die auch über den Schweizer Pass verfügt, war während 20 Jahren FIS-Generalsekretärin und will nun die erste Präsidentin des Weltverbands werden
© KEYSTONE/AP Lehtikuva/VESA MOILANEN
Wer wird Präsident? Dies ist beim 52. FIS-Kongress die wichtigste Frage. Für den Skiweltverband ist es eine richtungsweisende Wahl. Urs Lehmann sieht sich von drei Gegenkandidaten herausgefordert.

Am Freitagnachmittag schliesst sich ein grosses Kapitel in der 97-jährigen Geschichte des Internationalen Skiverbandes. Corona-bedingt ein Jahr später als geplant geht beim 52. FIS-Kongress, der nur online stattfinden kann, nach 23 Jahren die Ära von Gian Franco Kasper zu Ende.

Der Bündner war nach dem Berner Marc Hodler, dem Norweger Nikolai Ramm Östgaard und dem Schweden Ivar Holmquist erst der vierte FIS-Präsident.

Wahl-Ausgang scheint völlig offen

Für die Nachfolge des 77-jährigen Kasper, der 1998 als einziger Bewerber per Akklamation auf seinen Vorgänger Hodler folgte, stehen gleich vier Kandidaten zur Verfügung. Galt lange Zeit Swiss-Ski-Präsident Urs Lehmann als Favorit, scheint der Ausgang des wegen der Pandemie um zwölf Monate verlängerten Kandidatenrennens nun völlig offen.

Der 52-jährige Aargauer trifft dabei auf den schwedischen FIS-Vizepräsidenten Mats Arjes, den schwedisch-britischen Milliardär und Quereinsteiger Johan Eliasch sowie auf Sarah Lewis.

Die Britin, die auch über den Schweizer Pass verfügt und von 2000 bis 2020 FIS-Generalsekretärin war, wäre die erste Frau an der Spitze des grössten Wintersportverbandes. Wie Eliasch, der Besitzer und Geschäftsführer des Sportartikelkonzerns Head, tat auch Lewis die Absicht kund, im Falle einer Wahl auf ihr Gehalt zu verzichten.

Lehmanns persönliches Manifest

Die Kandidaten versprechen in ihren teils eher dürftigen und mitunter wenig konkreten Wahlkampfprogrammen die FIS einer eingehenden Prüfung zu unterziehen und sie danach den Ergebnissen entsprechend zu modernisieren (Arjes), auch von mehr Transparenz und der Notwendigkeit der digitalen Transformation ist die Rede (Lewis).

Lehmann, vielsprachig und kommunikativ, erläutert in seinem persönlichen Manifest zur Kandidatur ausführlich seine Vision und sein Leitbild. Er will eine geeinte FIS, eine Verbesserung deren Strukturen, eine moderne Governance-Kultur und den Schneesport in allen Ländern voranbringen.

Lehmann spricht von sehr intensiven letzten Wochen und Monaten vor dem Wahltermin. «Ich präsentierte mich allen 74 nationalen Verbänden, die stimmberechtigt sind. Weil man nicht gut reisen konnte, geschah das zumeist per Videokonferenz und Telefon.»

Lehmann: «Bin gespannt und nervös»

Man versuche auch in diesem ungewöhnlichen Wahlkampf permanent und bis zuletzt, die Leute davon zu überzeugen, «ihre Stimme mir zu geben», so Lehmann, der seine Rede für den Online-Kongress bereits am Pfingstmontag auf Video aufgenommen hat. «Nun bin ich vor allem gespannt, und auch ein bisschen nervös.»

Neben dem vorerst nur für ein Jahr gewählten Präsidenten wird beim Kongress am Freitag auch der 16-köpfige Vorstand neu besetzt. Neben Arjes, Eliasch und Lehmann - falls sie in der Präsidenten-Wahl unterliegen sollten - kandidieren 17 weitere Personen für das Gremium. Unter ihnen befindet sich mit der Russin Jelena Välbe nur eine Frau.

Die vier Kandidaten im Überblick

URS LEHMANN. Mit Jahrgang 1969 ist der Aargauer der Jüngste der Kandidaten - und als Sportler brachte er es am weitesten: Lehmann, 1987 schon Junioren-Weltmeister in der Abfahrt geworden, gewann in der gleichen Disziplin 1993 in Morioka auch bei der Elite WM-Gold.

Nach seinem Rücktritt war er bei Salomon Renndirektor. 2009 schloss er sein Studium der Betriebswirtschaftslehre mit dem Doktortitel ab. Im gleichen Jahr übernahm er als CEO des Arzneimittel-Herstellers Similasan. 2006 wurde Lehmann ins Präsidium von Swiss-Ski und knapp zwei Jahre später zu dessen Präsidenten gewählt.

SARAH LEWIS. Die gebürtige Britin, die 1988 als Skirennfahrerin an Olympia in Calgary teilnahm, wäre in der fast 100-jährigen Geschichte seit der Gründung der FIS die erste Präsidentin. Die 56-Jährige wird vom belgischen Skiverband zur Wahl vorgeschlagen.

Im Gegensatz zu Lehmann, Arjes und Eliasch hat Lewis nur einen Plan A: Präsidentin des Verbands zu werden, dessen Generalsekretärin sie während 20 Jahren war. Auf eine gleichzeitige Kandidatur für den FIS-Vorstand, von welchem sie im vergangenen Oktober fast einstimmig entlassen worden war, verzichtet sie.

MATS ARJES. Der 54-jährige Schwede ist nominiert vom nationalen Skiverband, dessen Generalsekretär (2004 bis 2008) und Präsident (2008 bis 2018) er war. Arjes brachte es in seiner Jugend als Skirennfahrer bis auf nationales Level, ehe ihn eine Verletzung zum Rücktritt zwang.

2010 wurde er in den FIS-Vorstand gewählt, seit 2018 ist er einer der Vizepräsidenten und ebenfalls seit 2018 steht er als Kassier der Finanzkommission vor. Er soll, so ist zu hören, vom abtretenden FIS-Präsidenten Gian Franco Kasper unterstützt werden. Seit 2018 ist Arjes zudem Präsident des schwedischen olympischen Komitees.

JOHAN ELIASCH. Der schwedisch-britische Unternehmer wird vom britischen Skiverband zur Wahl vorgeschlagen. Er ist der Quereinsteiger und mit Jahrgang 1962 zugleich der Älteste unter den vier Kandidaten. Eliasch übernahm vor 25 Jahren den österreichischen Sportartikel-Konzern Head, den er sanierte. Der in London lebende Milliardär ist auch bekannt als Experte in Sachen Klimawandel.

Eliasch erklärte, im Falle der Wahl auf sein Gehalt zu verzichten und als CEO von Head zurückzutreten. Ob er auch als Besitzer der Firma abtritt, um einen möglichen Interessenkonflikt zu verhindern, liess Eliasch allerdings offen.

Quelle: sda
veröffentlicht: 4. Juni 2021 10:35
aktualisiert: 4. Juni 2021 11:00