WM während Arbeit: Das sagen die Firmen

Sarah Lippuner, 2. Juli 2018, 12:06 Uhr
Morgen Dienstag um 16 Uhr wird der WM-Achtelfinal Schweiz gegen Schweden angepfiffen - mitten während der regulären Arbeitszeit. Wie gehen Arbeitgeber im FM1-Land damit um, dass ihre Angestellten womöglich nur noch Fussball schauen, statt zu arbeiten?

Für die Angestellten, die sich ihre Arbeitszeit selbst einteilen können, ist der Fall klar: Einfach etwas früher Feierabend machen. Für viele Branchen ist dies aber keine Option, im Verkauf zum Beispiel. In Rebstein ist man da allerdings nicht allzu streng. «Wir drücken schon ein Auge zu, wenn unsere Angestellten den Match im Radio oder auf einem Livestream mitverfolgen», sagt Claudia Graf, Geschäftsleiterin von Sonnenbräu.

Bei den Patienten einen Blick erhaschen

Fussballschauen statt zu arbeiten, kommt beim Kantonsspital St.Gallen natürlich nicht in Frage. Daran habe sich die Belegschaft gewöhnt, meint Philipp Lutz, Mediensprecher des KSSG: «Ein Spital hat nun mal rund um die Uhr offen, auch an Weihnachten oder anderen Festtagen gibt es bei uns immer Angestellte, die Dienst leisten müssen. Sie können aber sicher mal einen Blick auf den Spielstand erhaschen, wenn der Fernseher in einem der Patientenzimmer läuft.»

Im administrativen und technischen Bereich des KSSG haben Fussballfans mehr Chancen, einen mobilen Liveticker mitzuverfolgen. Das Streaming über Computer ist jedoch im ganzen Spital aus Sicherheitsgründen nicht erlaubt.

«Wollen Schweizer nicht bevorteilen»

«Bei uns engagieren sich tagtäglich auch Kolleginnen und Kollegen, deren Herz für andere Mannschaften schlägt. Wir wollen darum nicht die Schweizer Fans bevorteilen», schreibt Yvonne Geiling von der SFS in Heerbrugg. Die Angestellten in einem flexiblen Zeitmodell hätten auch hier die Möglichkeit, ihre Zeit frei einzuteilen. Der Schichtbetrieb dürfe aber nicht unterbrochen werden.

Wie die Acrevis-Bank mit Sitz in St.Gallen mitteilt, gibt es für die Angestellten keine bestimmte Regelung für das WM-Spiel zwischen der Schweiz und Schweden. «Wir wenden ein Jahresarbeitszeitmodell an», schreibt Marketingleiter Peter Braegger. Die Mitarbeitenden hätten grundsätzlich die Flexibilität, das Spiel anzuschauen – es gebe auch keine technischen Einschränkungen an den Arbeitsplätzen. Ein Public Viewing organisiert die Bank laut Braegger nicht.

Deutschlandspiel kostete 200 Millionen

Ob mehr Freiheiten oder nicht, eines ist klar: Viele Schweizerinnen und Schweizer werden am Dienstag weniger konzentriert arbeiten als sonst. Dies kann für die Wirtschaft des Landes ganz schön ins Geld gehen, wie Spiegel Online letzte Woche meldete. Deutsche Ökonomen haben ausgerechnet, dass der Match Deutschland-Südkorea für die deutsche Wirtschaft etwa 130 bis 200 Millionen kostete. Weil das Spiel um 16 Uhr angepfiffen wurde, ist dabei im Durchschnitt eine Stunde Arbeit ohne Nacharbeiten weggefallen.

Die Ökonomen betonen aber auch, dass so ein Erlebnis am Arbeitsplatz den Zusammenhalt stärken kann. In diesem Sinne: Hopp Schwiiz!

Sarah Lippuner
veröffentlicht: 2. Juli 2018 12:06
aktualisiert: 2. Juli 2018 12:06