«Seaspiracy»

Alles, was du über den Netflix-Überflieger wissen musst

12. April 2021, 06:14 Uhr
Die Netflix-Doku «Seaspiracy» thematisiert den internationalen Fischfang im Zusammenhang mit dem Klimawandel.
© Netflix
Die Netflix-Doku «Seaspiracy» thematisiert den internationalen Fischfang im Zusammenhang mit dem Klimawandel und wird für seine Enthüllungen bejubelt. Immer mehr machen sich aber auch kritische Stimmen breit. Sogar von falschen Behauptungen ist die Rede.

Am 24. März auf Netflix veröffentlicht, gehört «Seaspiracy» (dt. Meerpiraterie) am 6. April bereits zu den Top-10-Filmhighlights auf dem Streamingdienst. Die beiden Filmemacher Ali und Lucy Tabrizi hinterfragen im Dokumentarfilm den nachhaltigen Fischfang und untersuchen, welche Rolle Organisationen wie das Dolphin Safe Label und der Marine Stewardship Council (MSC) im Kampf gegen die Überfischung der Weltmeere haben.

Organisation wirft «irreführende Behauptungen» vor

Die Dokumentation war ursprünglich als Film über die schönen Weltmeere geplant. Schnell merkte Ali Tabrizi aber, dass Plastikverschmutzungen weltweit auf den kommerziellen Fischfang zurückzuführen sind. Was entstand, war eine Enthüllungsgeschichte über korrupte Organisationen, Überfischung und die weltweite Zerstörung der Ozeane.

«Das kann doch nicht wahr sein! – Wie viel Realität steckt im Dokumentarfilm?», titelt beispielsweise die «NZZ». Und «watson» schreibt: «Netflix-Doku Seaspiracy: Danach willst du nie mehr Fisch essen». Tatsächlich: Die Bilder und Statistiken der Dokumentation lassen aufhorchen. Leere Ozeane bis 2048 und Millionen von Haien, die jährlich als Beifang sterben, sind nur zwei der veröffentlichten Zahlen.

Doch «Seaspiracy» bekommt immer mehr Gegenwind. Von «irreführenden Behauptungen, fehlerhaften Statistiken und nicht kontextbezogenen Interviews» schreibt beispielsweise der «Guardian». So sagte Mark Palmer, leitender Angestellter der internationalen Organisation, die für das Thunfischlabel Dolphin Safe verantwortlich ist, seine Kommentare seien aus dem Zusammenhang gerissen worden.

MSC verweigerte den Filmemachern gar ein Interview, da vom Produktionsteam keine ausgewogene Darstellung ihrer Veranstaltung zu erwarten gewesen wäre, wie es in einem ausführlichen Statement auf der Website heisst. In diesem Statement geht MSC auch auf Thesen des Films ein und betont unter anderem: «Nachhaltiger Fischfang ist möglich!»

Und auch die Wissenschaft ist nicht (nur) auf der Seite von Tabrizi. So wurde eine zitierte Studie von 2006, wonach die Ozeane bis 2048 fischfrei sein würden, vom Autor 2009 selber widerlegt.

Dramatisierende Darstellung – echtes Problem

Beim Schauen des Films fällt auf, dass viele Szenen von der Produktion mittels dramatischer Filmmusik und schnellem Schnitt aufbereitet wurden. Das lässt das Thema noch besorgniserregender wirken. Dies wäre jedoch angesichts der blossen Wirkung der belegten Zahlen und Fakten überhaupt nicht nötig.

Denn es ist nicht zu verneinen, dass die Netflix-Dokumentation ein weltweites Problem beleuchtet. Die Fischpopulationen gehen zurück, Plastikmüll besteht zu einem grossen Teil aus Fischereiutensilien und für die Klimaerwärmung spielen die Ozeane eine bedeutende Rolle. «Seaspiracy» regt zum Nachdenken über unseren Umgang mit der Umwelt und den Konsum von Fisch an. Er sollte aber auch dazu anregen, unseren Konsum von Dokumentationen kritisch zu betrachten.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 7. April 2021 00:00
aktualisiert: 12. April 2021 06:14