Online-Fussballmanager

Älter als Google: Das Kult-Onlinespiel «Hattrick» wird 25 Jahre alt

Christoph Thurnherr, 3. September 2022, 13:35 Uhr
Das Fussballmanagerspiel Hattrick gibt es seit einem Vierteljahrhundert. Ein Onlinewunder: Hattrick ist älter als Google und erfreut sich immer noch einer stabilen Nutzerzahl. Das Spiel hat sich seit 1997 verändert – seinen Humor und den einzigartigen Charme aber beibehalten.
Das Browsergame Hattrick gibt es seit 1997.
© Screenshot www.hattrick.org

Samstagabend, Spitzenkampf in der Hattrick-Nationalliga A: «Die Säuli vom FC Rorschacherberg» spielen gegen «LoCH FC», dessen Manager lustigerweise auch in Rorschacherberg wohnt. LoCh gewinnt auswärts in der Olma-Arena (82'000 Plätze) mit 3 zu 0.

Solche Begegnungen sind beim kultigen Onlinemanagerspiel Hattrick gang und gäbe – und das schon seit 25 Jahren. Eine Lebensdauer eines Vierteljahrhunderts für ein textbasiertes Onlinespiel? Das gleicht tatsächlich einem mittleren Wunder. Das aus Schweden stammende Spiel ist damit älter als Google, wie die Verantwortlichen gerne betonen.

Und Hattrick siecht auch nicht einfach nur so vor sich hin, sondern erfreut sich stabiler Nutzerzahlen. In der Schweiz gibt es über 11'000 aktive Manager – und viele werden sich daran erinnern, auch mal einen Verein geführt zu haben, teilweise bereits in der Primarschule.

Das Erfolgsrezept

Die wenigsten dürften es als Manager in die Nationalliga A geschafft haben. Die vielen tausend  Vereine in der Schweiz verteilen sich derzeit auf sieben Ligastufen, das System ist pyramidenartig aufgebaut: Siebte Ligen gibt es sehr viele, die Nati A dagegen nur einmal. In jeder Liga spielen acht Mannschaften um Aufstieg, Abstieg und alles dazwischen.

So sind auch für neue Manager schnell Erfolgserlebnisse möglich. Die Faszination von Hattrick hat aber viele Facetten: Das Spiel schafft es irgendwie, persönliche Beziehungen zu virtuellen Comic-Spielern zu generieren. Auch goldig ist der genial dämliche Namensgenerator: In der Schweiz heisst ein Spieler auch mal Globi Badmann oder Walo Michlin.

Sonst punktet das textbasierte Onlinespiel mit – naja, mit Text. Das Spiel informiert in Echtzeit über die stattfindenden Spiele und das in einer unnachahmlichen Komik.

Der Hattrick-Kommentar gehört zu den Highlights. 

© Screenshot www.hattrick.org

Am meisten punktet Hattrick aber mit seinem gemächlichen Tempo. Die Ligaspiele sind am Wochenende, unter der Woche finden Cup- oder Freundschaftsspiele statt. Hattrick ist entschleunigend, der Zeitaufwand überschaubar. Im Gegensatz zu vielen anderen Onlinespielen zahlen sich langfristige Planung und Beharrlichkeit aus, viele Manager sind dementsprechend schon seit mehr als zehn Jahren dabei und geben ihr Wissen gerne weiter.

Bartwuchs mit 25 

Natürlich stellt sich für ein so altehrwürdiges Spiel die Frage: Wo geht es hin? Die Situation in den oberen Ligen ist etwas festgefahren. Ein Angriff auf diese Plätze ist nur für reiche Vereine möglich, das Geld dazu muss über mehrere echte Jahre verdient werden. Das Spiel kostet nämlich nichts und man kann sich mit Geld auch keine Spielvorteile erkaufen.

So dümpeln viele langjährige Manager in den unteren Spielklassen herum, sind quasi auf Stand-by. Und was verändert Hattrick zum eigenen 25-jährigen Geburtstag? Nun, es gibt endlich Bärte für die Spieler! Das gehört sich schliesslich ab dem Alter von 25.

Tatsache ist, dass sich ein Spiel wie Hattrick immer im Wandel befindet und kleinere Anpassungen nötig sind. Trotzdem hat es Hattrick wie kaum ein anderes Spiel geschafft, sich im Kern treu und in der Onlinespielewelt ein Vierteljahrhundert lang relevant zu bleiben.

"Wenn man 25 Jahre alt wird, wird man automatisch auch reifer und selbstbewusster. Wir hatten Höhen und Tiefen, aber heute sind wir fest davon überzeugt, dass Hattrick ein fester Bestandteil des Internets bleiben wird… quasi gekommen, um zu bleiben“, schreiben die Verantwortlichen.

Der Hattrick-Kult erreicht dabei sogar Spieler, die sonst gar nichts mit Fussball am Hut haben. Und auch im kommenden Vierteljahrhundert dürfte es manche in den Fingern jucken, den eigenen Verein aus der Primarschule wieder zu aktivieren – und die eigenen Spieler von «durchschnittlich» auf «ausserirdisch» zu trainieren. Ob mit Bart, oder ohne.

Alles Gute zum Geburi, von einem deiner Primarschul-Manager.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 3. September 2022 13:22
aktualisiert: 3. September 2022 13:35
Anzeige