Polly Pocket, Furby und Tamagotchi

Lara Abderhalden, 13. November 2018, 11:16 Uhr
Eine Barbie gehört bei vielen jungen Mädchen in die Spielkiste.
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Es gibt Menschen, die wären gern einmal eine berühmte Person oder würden alles geben für einen Tag im Körper des anderen Geschlechts. Ich wäre gerne wieder einmal einen Tag Kind und würde den ganzen Tag mit Barbys, Polly Pocket oder Lego spielen.
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Ich erinnere mich gerne an die Zeit zurück, in der man nichts anderes tun musste, als zu spielen. Morgens stand man auf, die Kleider hatte die Mutter schon bereit gemacht, die kalte Schokolade stand auf dem Tisch und die Truhe mit all den Spielsachen schien von einem Heiligenschein umgeben zu sein. Sie schrie förmlich: «Los, mach mich auf. Spiel mit mir!» Welch schöner Moment, wenn man die Polly-Pocket-Büchse hervornehmen und aufklappen konnte. Die Figürchen in die richtige Position brachte und alle möglichen Dramen nachspielte, die man irgendwo im Alltag aufgeschnappt hatte.

Polly Pocket gehörte ins Spielzimmer (Bild: Nina Müller)
© Polypocket gehörte ins Spielzimmer (Bild: Nina Müller)

Haare der Barbie abgeschnitten

Häufig ging es aber einfach nur darum, die verschiedenen Funktionen im Polly-Pocket-Haus auszuprobieren: Hängematte, Rutsche, Radio und Kühlschrank. Manchmal aber gab es im Kinderzimmer Dramen, weil die Schwester die Figur oder gleich die ganze Büchse geklaut hatte.

Ein bisschen mehr anzufangen wussten meine Schwester und ich mit Barbies. Diese konnten immerhin noch gekämmt und unterschiedlich gekleidet werden. Ich erinnere mich nur zu gut daran, wie ich die Haare der neuen Barbie meiner Schwester einen Tag nach Weihnachten abgeschnitten hatte, weil sie die schönere Puppe gekriegt hatte als ich. Wir hatten ein Barbiehaus zum Aufklappen. Es hatte ein Bett, eine Badewanne und eine Küche drin. In einem grossen Sack bewahrten wir alle möglichen Outfits auf. Unser Nachbar kam immer wieder zu uns und spielte mit uns Barbie, leider wurde er dafür von den anderen Nachbarn gehänselt.

Die eigene Radiosendung

Deshalb wechselten wir gelegentlich auch zu Lego. Die Plastik-Bausteine wurden uns aber irgendwann zu 0815 und wir bekamen Lego-Steine aus richtigem Stein. Damit bauten wir riesige Gebäude in der Stube.

Der eigentliche Superstar im Kinderzimmer war aber ein altes Radio meiner Eltern. Dort entstand die legendäre «Tinky Winky»-Show. Wer sie nicht kennt, ist selbst schuld. Es ist eine Radiosendung moderiert von mir und meiner Schwester, gespickt mit Gesangseinlagen und Quizfragen und jedes Schulgspänli, das uns besuchte, wurde automatisch Teil davon. Kassettenaufnahmen davon bestehen noch immer. Leider oder zum Glück?

Im Laufe der Zeit entwickelten sich die technischen Gadgets. Der Game Boy wurde mit Computerspielen wie «Need for Speed» ausgetauscht, die «TKKG»-Kassette mit «König der Löwen»- oder «Mulan»-Videos. Gummi Twist oder Twister spielten wir nur noch an Kindergeburtstagen. Der «Furby» wurde mir leider immer verwehrt, genauso wie ein «Tamagotchi». Erst im Alter von 26 Jahren kaufte ich mir mein erstes «Tamagotchi», das bereits nach einem Tag starb, weil es verhungerte oder in den eigenen Exkrementen erstickte.

«Dökterle» oder «Verchäuferlis»

Woran ich mich auch noch erinnern kann, sind viele Murmeln oder eine Spielkasse mit ganz grossen Knöpfen. Auch hatten wir einen Lebensmittelladen mit Produkten in Mini-Ausführung. Ich war stets diejenige, die einkaufen musste. Oder, ou ja, einen Dökterlikoffer und natürlich einen Zauberkasten, das hatten wir auch. Ich musste immer der Doktor sein und meine Schwester war meine Assistentin (sie ist heute übrigens auch Arztassistentin).

Am meisten Zeit verbrachten wir früher aber nicht im Kinderzimmer, nein, wir waren draussen. Holten uns Schürfwunden beim Fussballspielen mit den Nachbarn oder beim Rollerbladen, weinten, weil uns die Nachbarn beim «Räuber und Bulle» zu fest fesselten oder trafen uns mit unserem Schwarm zum «Gumpen» - unsere Nachbarn hatten ein Riesentrampolin. Wir waren so lange draussen, bis die Mutter uns zum Nachtessen an den Jacken ins Haus ziehen musste, mit knallroten Backen, verdreckten Latzhosen und tränenden Augen, weil wir so gerne noch so viel länger draussen gespielt hätten.

Lara Abderhalden
veröffentlicht: 12. November 2018 15:01
aktualisiert: 13. November 2018 11:16