Anzeige
Test

Google überwachte meinen Schlaf – und das sagt ein Schlafforscher dazu

Gerry Reinhardt, 6. Juni 2021, 17:13 Uhr
Mit dem Smarthome-Gerät «Nest Hub 2» kannst du nicht nur Musik hören oder Google Dinge fragen. Neu hilft dir das Gerät, deinen Schlaf zu verstehen. Wir haben es drei Wochen schlafend getestet.
Gerry schläft – Google überwacht.
© FM1Today

«Wie hast du letzte Nacht geschlafen?» Diese Frage kann ich seit drei Wochen genau beantworten. Ich brauche mindestens sieben Stunden Schlaf, wache selten auf und schnarche. Der «Nest Hub 2» von Google misst tatsächlich in der Nacht, wie tief und ruhig ich schlafe, wann ich zu Bett gehe und aufstehe.

Google hört zu

Das macht das Gerät nicht einfach so. Natürlich muss man Google dazu die Erlaubnis erteilen.  So hören die im Gerät eingebauten Mikrofone aktiv zu und ein Radar überwacht meine Position. Anhand dieser Daten stellt der «Nest Hub 2» jeden Morgen eine Schlafanalyse zusammen, die man auf der App Google Fit abrufen kann. Google sagt dazu, dass meine gesammelten Daten nicht für personalisierte Werbung genutzt werden. Die Audio-Daten werden nur auf dem Gerät selbst verwendet und nicht an Google gesendet. Da «Nest Hub 2» keine Kamera hat, werden auch keine Bilder gemacht.

Nest Hub Schlafanalyse
© FM1Today

Keine Relevanz im medizinischen Bereich

Schlafforscher Christian Gysin vom Kantonsspital St.Gallen findet das Gerät interessant. «Es ist erstaunlich, wie hier gemessen wird. Da die Messung aber nicht direkt am Körper erfolgt, kann sie nicht genau sein.»

Im Schlaflabor des Kantonsspitals wird der sogenannte Atemfluss direkt mit einem Röhrchen an Nase und Mund gemessen. Auch sei eine Messung mithilfe eines Fingerclips möglich, dabei wird dann auf den Puls geachtet.

Ich säge die ganze Nacht

Zurück zum Nest Hub: Da mir das Gerät ständig zuhört, kann es feststellen, ob ich schnarche. Und siehe da: Mein Sägewerk ist scheinbar die ganze Nacht in Betrieb. Obwohl ich mir nicht sicher bin, ob auch die Geräusche meiner Frau registriert werden. Gysin sagt zum Schnarcheln: «Das ist an und für sich kein Problem. Es kann aber ein Symptom sein für Atemaussetzer.» Soll ich mir also Sorgen machen?

Husten und Schnarchen. Google misst alles.

© FM1Today

Geräte können den Menschen Angst machen

Eher nicht. «Manchmal kommen die Patienten mit vielen Sorgen in die Praxis. Und meist mit Daten, die gar nicht stimmen können. Dann müssen wir die Patienten zuerst beruhigen.» Es wird dann erst einmal abgeklärt, was das Problem sein könnte. Allfällige Atemaussetzer sind zum Beispiel gefährlich. Wenn erste Abklärungen keine eindeutigen Resultate liefern, ist eine Messung im Schlaflabor nötig.

Gerät ist gut für die Schlafhygiene

So exakte Daten kann der «Nest Hub 2» nicht liefern. Das Gerät überzeugt aber im Bereich der  Schlafhygiene. Es klärt Fragen wie: Wie effizient ist mein Schlaf oder wie lange brauche ich, bis ich einschlafe? Christian Gysin ist erstaunt, welche Daten ich präsentieren kann. Zehn Minuten dauert es bei mir durchschnittlich, bis ich einschlafe. «Das ist normal», sagt Gysin. «Alles bis zu einer halben Stunde ist im Normalbereich.» Grundsätzlich verhelfe es zu einem guten Schlaf, wenn man immer um die gleiche Zeit ins Bett geht und wieder aufsteht.

Sechs bis neun Stunden Schlaf sind normal

«Jeder Mensch braucht unterschiedlich Schlaf. Zwischen sechs und neun Stunden ist es normal.» Laut Schlafforscher Gysin liege ich mit meinen sieben Stunden im guten Mittel.

Neben dem Bett kann das Gerät mittels Touchscreen oder Audiobefehlen bedient werden.

© FM1Today

Das Fazit

Dank dem Google Nest Hub 2 habe ich einiges über mein Schlafverhalten gelernt. Ob ich wirklich schnarche, weiss ich zwar weiterhin nicht, aber ich habe meist einen gesunden Schlaf. Und seit ich dieses Gerät im Einsatz habe, gehe ich auch pünktlich ins Bett. 
Auf die Dauer würde ich aber nicht wollen, dass Google ständig weiss, wie ich schlafe. Vor allem, wenn man zwar ins Bett geht, aber nicht nur schlafen will. Ihr versteht... Wenn das Gerät dann auf Empfang ist, wird das wohl als Störung registriert. Eine Interpretationssache.

«Nest Hub 2» kann neben der Schlafmessung natürlich noch mehr. Es kann an Google gerichtete Fragen beantworten, Musik abspielen, Filme via Netflix zeigen, als Wecker fungieren oder Wettervorhersagen machen. Der neue «Nest Hub» kostet im Schweizer Handel um die 100 Franken.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 6. Juni 2021 17:13
aktualisiert: 6. Juni 2021 17:13