Kraftwerk

Ein Pionier der elektronischen Musik ist tot

7. Mai 2020, 09:57 Uhr
Florian Schneider gehörte zu den Pionieren der elektronischen Musik.
© Daniele Dalledonne
Florian Schneider, Mitbegründer von Kraftwerk, ist wenige Tage nach seinem Geburtstag vom 7. April gestorben. Er wurde 73 Jahre alt. Seine Hinterlassenschaft – nicht nur für die elektronische Musik – kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden.

Als 1970 Kraftwerk die Bühne betraten, taten sie bis anhin Ungehörtes. Elektronische Musik, tanzbar, nicht einfach Kunst der Kunst willen. Was die Gründungsmitglieder Florian Schneider und sein Studienfreund Ralf Hütter machten, war nichts Geringeres als Strom zum Leben zu erwecken.

Mit ihren Geräten, Techniken und Ideen legten sie den Grundstein für die heutige Popmusik, für Hip Hop und Techno, noch heute wird auf ihre Grundlagen zurückgegriffen. Die «New York Times» bezeichnete Kraftwerk völlig zurecht einst als «die Beatles der elektronischen Musik».

Während in den 1970er-Jahren die meisten Bands noch den wehenden Haaren und schier unendlich scheinenden Gitarrensoli huldigten, legten Schneider und Hütter bereits den Grundstein für die Musik des 21. Jahrhunderts.

Roboter statt Menschen

«Autobahn» (1974), «Radioaktivität» (1975) und «Trans Europa Express» (1977) gelten noch heute als wegweisend, die deutsche Band Kraftwerk brachten innert drei Jahren mehr Hits und den einflussreicheren Sound auf die Welt als es manch anderer Künstler nicht mal während drei Jahrzehnten schafft.

Das Vermächtnis Schneiders kann man kaum in Worte fassen. Wie auch der Mann hinter der Musik kaum fassbar ist. Bereits 1978 liessen sich Kraftwerk für «Mensch-Maschine» von Robotern vertreten, sie gaben kaum mehr Interviews, ihre Musik sprach für sich selbst. Nicht zuletzt deshalb ist Schneider in der öffentlichen Wahrnehmung nicht von Kraftwerk zu trennen, der Mensch hinter dem Projekt wurde selbst zum Kunstwerk, zur Pop-Ikone.

Kraftwerk ohne Schneider

Ende 2008 verliess Schneider Kraftwerk. Der Grund für diesen Bruch ist bis heute unklar, was nur konsequent ist, wenn man sich die Band-Geschichte anschaut. Kraftwerk wurde zum maschinellen Kunstwerk, was sich auch in den Inszenierungen – häufig in Museen – zeigte. Mit dem Tod Schneiders ist ein ganz grosser Künstler, ein ganz grosser Musiker und ein Vorreiter der Pop-Kultur gestorben. Sein Werk lebt in allen Maschinen und allen Künstlern dieser Welt weiter.

(rr)

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 7. Mai 2020 09:47
aktualisiert: 7. Mai 2020 09:57