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Erkältungswelle

Die Kälte macht uns krank – das stimmt nur bedingt

27. Oktober 2021, 09:38 Uhr
Die ungeschriebene Regel besagt: Wer friert, erkältet sich leichter. Doch stimmt das wirklich? Die Antwort ist ein klares Jein.
Nur frieren, kalte Füsse oder nasse Haare reicht nicht: Ohne beteiligtes Virus gibt es keine Erkältung.
© Getty

Wer kennt sie nicht, die meist nur lieb gemeinten Ratschläge der Mütter in den ersten Winterwochen: «Geh nicht mit nassen Haaren vor die Türe!», «Wenn du nasse Füsse hast, wirst du krank!» oder «Iss keinen gelben Schnee!»

Wer friert, wird eher krank. So der weit verbreitete Volksglaube. Aber: Kann man tatsächlich krank werden, indem man nur friert? Ein Aufenthalt in einem stark klimatisierten Raum oder der Gang nach draussen ohne Jacke sollen ja nicht gesund sein. Doch liegt es nur an der Kälte oder muss da auch ein Virus sein Unwesen treiben?

«Kein Virus, keine Erkältung»

Die Frier-Theorie ist ein eigentlicher Trugschluss. Jedoch mit einem kleinen Körnchen Wahrheit: «Menschen müssen einem Virus ausgesetzt sein, um krank zu werden», sagt Stan Spinner, Chefarzt der «Texas Children's Pediatrics» gegenüber der New York Times. Per Definition ist eine Erkältung eine virale Infektion der oberen Atemwege. «Also: Kein Virus, keine Erkältung», sagt Spinner. Die Zahl der Viren, die eine Erkältung auslösen können, sei riesig. Deswegen fangen wir uns hunderte davon in unserem Leben ein.

Viele Menschen verbinden kaltes Wetter automatisch mit Erkältungen, weil viele Menschen in unseren Breitengraden sich nur während der Wintermonate eine Erkältung einfangen. Mit ein Grund könnte sein, dass Menschen sich während der kalten Jahreszeit gerne vermehrt drinnen aufhalten – auch in unmittelbarer Nähe von bereits Erkrankten.

Auch die Heizung spielt eine Rolle

Die Heizung zu Hause und die Luftfeuchtigkeit könnten ebenfalls eine gewichtige Rolle bei Erkältungen spielen. Wer die Heizung zu Hause ab dem ersten Frösteln aufs Maximum aufdreht, riskiert trockene Luft, welche die Nasenschleimhäute austrocknen kann. «Wenn man keinen guten Nasenschleimfluss hat, ist es für das Immunsystem um einiges schwieriger, gegen das Virus anzukämpfen», sagt Spinner. 

Nachforschungen haben ebenfalls ergeben, dass eine niedrigere Luftfeuchtigkeit die Verbreitung des Virus begünstigt. In einer eher feuchten Umgebung klammern sich die Viren nach dem Niesen an Wassermoleküle und sinken zu Boden, bevor sie sich Zutritt zu einem Menschen verschaffen können. In trockener Umgebung schweben die Viren aber umher, bis sie ihr nächstes Opfer erreichen.

Machen kalte Füsse krank?

Und dennoch: Ein Experiment aus dem Jahr 2005 gibt den alten Ratschlägen der Mütter doch ein Stück weit recht: Universitätsstudenten, deren Füsse 20 Minuten in kaltem Wasser gebadet wurden, wurden eher krank, als solche, die das nicht tun mussten. Und: Forschungen bei Mäusezellen haben ergeben, dass sich ein Erkältungsvirus, das sogenannte «Rhinovirus», in der Kälte weiter verbreitet als unter normalen Bedingungen.

Die Mama-Ratschläge sind also nicht komplett entkräftet. Grundsätzlich gilt: Trockene Luft wenn möglich vermeiden, dann haben die Viren weniger Chancen. Was man definitiv weiss: An der Kälte allein kann es tatsächlich nicht liegen.

(red.)

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 27. Oktober 2021 09:29
aktualisiert: 27. Oktober 2021 09:38