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Ganzjahresreifen im Test: Sie reichen nicht mal ansatzweise

Christoph Thurnherr, 11. Oktober 2020, 08:45 Uhr
Besser wegsperren? Ganzjahresreifen im Test.
© imago
Der TCS hat sieben verschiedene Ganzjahresreifen getestet und mit Sommer- und Winterreifen verglichen. Keiner der Reifen kann wirklich mit den Wechselreifen mithalten, jedoch sollte man sie nicht völlig abschreiben. Es gibt auch ein Argument dafür.

Von O bis O, heisst ein Merksprüchlein für den Reifenwechsel. Von Ostern bis Oktober (oder – in der St.Galler Version – Offa bis Olma) gehören die Sommerreifen ans Auto, im Oktober sollte man langsam auf Winterreifen wechseln. Doch der lästige Reifenwechsel stört so manchen Autofahrer, die Nachfrage nach Ganzjahreslösungen steigt, wie der TCS schreibt.

Und die Nachfrage wird von den Herstellern natürlich nur zu gern befriedigt. Es kommen immer mehr Reifen auf den Markt, die Sicherheit und Fahrkomfort das ganze Jahr über versprechen.

Der anspruchsvolle Spagat

Sommer- und Winterreifen sind zwei spezialisierte Autobestandteile. Die Winterreifen gewähren auf Schnee und Eis mehr Halt und ermöglichen kurze Bremswege. Ihr Gummi ist weicher als jener der Sommerreifen, welche möglichst viel Wasser absorbieren sollen und damit für den Winter ungeeignet sind.

Die beiden liegen in der Beschaffenheit so weit auseinander, dass eine sinnvolle Fusion ein anspruchsvoller Spagat bleibt, der nicht wirklich aufgeht. Die Gummimischung der Ganzjahresriefen muss mit Temperaturen zwischen minus 20 und plus 40 Grad auskommen und das Profil ist eine Mischung der beiden Vorlagen.

An die Leistung der Wechselreifen während ihrer Saison kommen die Hybriden nicht heran.

Im besten Fall «bedingt empfehlenswert»

Die tiefen Erwartungen der TCS-Tester haben sich während des Tests bestätigt. Das Fazit sei ernüchternd, heisst es im Video. Keiner der getesteten Reifen komme auch nur ansatzweise an die Wechselreifen heran.

Dies veranschaulicht zum Beispiel der Bremstest auf trockener Unterlage. Während man mit Sommerreifen bei einer Vollbremsung mit 100 Kilometern pro Stunde nach 38 Metern steht, fährt man mit Ganzjahresreifen immer noch mit einer Geschwindigkeit von 45 bis 50 km/h.

Der Bremsweg ist bei Ganzjahresreifen auf trockener Unterlage viel länger. 

© Youtube TCS / Screenshot

Auch beim Fahrtkomfort gibt es Abstriche. Das Fahrverhalten mit den Testreifen sei durchs Band schwammig, die Fahrt unpräzise.

Auch beim Test auf schneebedeckter Fahrbahn machen die Ganzjahresreifen keine sehr gute Figur. Die besten unter ihnen befänden sich auf dem Niveau der schlechteren Winterreifen, sagen die Tester. Dasselbe Bild auf vereistem Untergrund.

Beim Test der Reifen mit dem Typ 235/55 R17 103V/Y schnitten der Continental All Season Contact, der Goodyear Vector 4 Season G2, der Michelin Cross Climate +, der Nokian Weatherproof und der Uniroyal All Season Expert 2 am besten ab. Sie erhalten das eher bescheidene Prädikat «bedingt empfehlenswert».

Nicht empfehlenswert sind die Reifen Vredestein Quatrac pro und der Bridgestone Weathercontrol A005.

Nicht grundsätzlich ungeeignet

Das Testresultat wirkt auf den ersten Blick vernichtend. Das stimmt aber nicht ganz: Denn es ist klar, dass ein Allrounder einen Spezialisten in seiner Paradedisziplin nicht schlagen kann – er kann alles ein bisschen.

DIe Ganzjahresreifen wurden für den Vergleich unter kalten und heissen Extremsituationen getestet. Für alles dazwischen sind sie durchaus zu gebrauchen. Massgebend ist hier der Verwendungszweck. Wer in einer milden Klimaregion lebt und selten in die Berge oder auf der Autobahn fährt, der kann es zum Beispiel durchaus mit Ganzjahresreifen versuchen.

Denn die Ganzjahresreifen haben auch eine eigene Paradediszipin: die Langlebigkeit. Mit über 50'000 Kilometern liegt die prognostizierte Laufleistung deutlich über der von durchschnittlichen Sommerreifen.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 11. Oktober 2020 08:45
aktualisiert: 11. Oktober 2020 08:45