Coronavirus

Juhu! Endlich gibt es Home Office!

René Rödiger, 11. März 2020, 06:15 Uhr
Völlig falsch: Wenn man während der Arbeitszeit badet, sollte man den Laptop nicht dabei haben.
© iStock/Symbolbild
Wegen des Coronavirus verordnen immer mehr Firmen ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Home Office. Hier kommen die Tipps von jemandem, der das über Jahre gemacht hat.

Home Office. Nur schon der Ausdruck löst bei einigen Leuten kalten Schweiss aus. Zumindest muss man das annehmen, wenn man auf allen Portalen Tipps und Tricks dazu liest. Hallo!? Es gibt doch (fast) nichts Schöneres! Ausser man ist leicht masochistisch veranlagt und mag es, wenn die Chefin oder der Chef einem immer über die Schulter schaut.

Dabei kann zu Hause arbeiten richtig schön sein. Man muss nur wissen, wie es richtig geht. Glaubt mir, ich habe das über Jahre gemacht, würde mich als Profi bezeichnen. Hier die wichtigsten sieben Punkte:

1. Die Arbeitszeit

Es mag Jobs geben, bei denen man pünktlich beginnen muss. Aber merken das die anderen auch? Wirklich wichtig ist, dass man ein Gefühl dafür entwickelt, wie man das Telefon richtig beantwortet. Lieber zwei bis drei Mal klingeln lassen und erst dann dran gehen. Es braucht ein bisschen Übung, bis man den Tonfall hinbekommt, damit man nicht verschlafen wirkt. Es muss wirklich so tönen, als wäre man gerade bei einer wichtigen Arbeit unterbrochen worden.

Tipp für Anfänger:
Arbeitsbeginn um 8 Uhr? Dann stell den Wecker am ersten Home-Office-Tag auf 7.55 Uhr. Danach langsam die Uhrzeit anpassen, bis man auch ohne Wecker so gegen 8.30 Uhr aufwacht.

2. Die Arbeitskleidung

Vergesst all die komischen Tipps der Unwissenden, dass man sich ganz normal kleiden sollte. Einige Home-Office-Profis schwören auf das Pyjama, ich empfehle einen Trainer. Es muss einfach bequem sein. Gibt es eine wichtige Videokonferenz – das sind die wenigsten – genügt es, ein sauberes T-Shirt anzuziehen, niemand sieht die Hosen. Sowieso sollte man die Interaktionen mit der Aussenwelt auf ein Minimum reduzieren.

Tipp für Anfänger:
Kauf dir einen neuen schönen Trainer. Das wirkt dann ein bisschen wie ein Placebo und kann zur «Arbeitsbekleidung» werden.

3. Die Arbeit

Selbstverständlich erledigt man die Arbeit ganz normal. Nach ein paar Tagen merkt man, dass man sogar viel produktiver im Home Office ist, schliesslich fallen die ganzen zwischenmenschlichen Beziehungen (Zeitfresser!) und all die komplett sinnlosen Sitzungen weg. Die dadurch gewonnene Zeit kann man sinnvoll investieren. Zum Beispiel endlich die Küchenschränke putzen.

Tipp für Anfänger:
Nicht gleich alles Pulver auf einmal verschiessen! Die dreckige Wäsche kann man zum Beispiel über mehrere Tage machen.

4. Die Nahrung

Ein ganz wichtiges Thema beim Home Office. Schliesslich wollen wir so wenig wie möglich aus dem Haus gehen. Hier darf man ruhig kreativ werden. Wer lange genug von zu Hause aus gearbeitet hat, entwickelt ein Gespür dafür, welche Nahrungsmittel zusammenpassen. Aber Experimente sind durchaus erwünscht! Man glaubt zum Beispiel kaum, wie viele verschiedene Gerichte man aus den Resten im Kühlschrank machen kann. Den Einkauf daher auf ein Minimum beschränken, maximal einmal in der Woche einfach das kaufen, worauf man gerade Lust hat. Die schwierigste Entscheidung im Home Office sollte sein, ab welcher Zeit es ok ist, den ersten Drink zu machen.

Tipp für Anfänger:
Brot (Toast), Käse, Fleisch, Eier, Teigwaren, Essiggurken, ein bisschen Gemüse. Das genügt für eine Woche und ermöglicht jeden Tag eine andere Mahlzeit. Hartes Brot kann man selbstverständlich auch noch brauchen (mit Tomatenpüree bestreichen, ein Stückchen Käse drauf und in den Ofen).

5. Die Abschirmung

Kontakt mit der Aussenwelt sollte möglichst vermieden werden. Das bedeutet: Keine Anrufe von Leuten annehmen, die man nicht kennt. Es klingelt an der Türe? Kommt grad kein Paket, wird auch nicht geöffnet. Schon gar nicht für die Nachbarn Pakete annehmen, das wird sonst nur zur schlechten Gewohnheit. Schliesslich ist man ja bei der Arbeit. Wenn auch zu Hause. Auch bei den Mails darf man ruhig zurückhaltend sein, nicht immer gleich antworten. Aber zu den Mails kommen wir gleich.

Tipp für Anfänger:
Hausglocke abstellen, Telefon ausstecken. Home Office als Chance für digital detox sehen. Dafür darf man ruhig auch mal laut singen.

6. Die Mails

Es ist mühsam. Aber nötig. Leider. Auch im Home Office bekommt man die Büromails. Profis beantworten die ersten Mails kurz nach dem Aufstehen auf der Toilette. Das ist erlaubt. Ansonsten werden nur bei Lust und Laune Mails beantwortet, schliesslich hat man ganz viel andere Arbeit, die man nicht unterbrechen kann. Kommt eine Mail, die mit «hoher Priorität» markiert ist, kann man sie getrost löschen. Niemand unter 60 Jahren oder ausserhalb der Chefetage verschickt solche. Und diese Leute haben in der Regel so keine Ahnung von Technik, dass sie sofort glauben, die Mail sei einfach nicht angekommen.

Tipp für Anfänger:
Schau nur dann in den Posteingang, wenn du auch selbst eine Mail verschickst (das darf maximal zwei bis drei Mal pro Halbtag sein. Mehr braucht es wirklich nicht.)

7. Die Ablenkung

Im Home Office hat man automatisch mehr Zeit für sich selbst (siehe Punkt 3). Diese gewonnene Zeit sollte man optimal nutzen. Nichts spricht gegen ein schönes Bad am Nachmittag. Und man hat endlich mal die Zeit, all die vorgemerkten Netflix-Serien zu schauen. Absolut verboten ist, die Zeit nur mit anderer Arbeit zu füllen, dafür ist sie nicht gedacht! Wie bereits geschrieben: Ein bisschen putzen und waschen ist ok, aber nicht übertreiben. Übrigens haben wir viel bessere Abwehrkräfte, wenn wir nicht so gestresst sind. Ein weiterer Gewinn für Home Office.

Tipp für Anfänger:
Ein Ritual einführen. Zum Arbeitsbeginn eine Partie Solitaire spielen. Danach ein bisschen Arbeit und parallel dazu eine Doku über die Geschichte des Fliegens schauen. Profis können mit der Zeit auch anspruchsvolle Serien und Filme neben der Arbeit konsumieren.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 11. März 2020 06:10
aktualisiert: 11. März 2020 06:15