After-Fasnacht-Mood

Von der Völlerei in die Askese – Was passiert im Körper beim Fasten?

Simone Brändlin, 2. März 2022, 11:33 Uhr
Nach der Fasnacht kommt für einige das Fasten. Von der Völlerei ab in die Askese. Eine Ernährungsberaterin erklärt, welche Auswirkungen der Verzicht auf den Körper hat und ob Fasten wirklich sinnvoll ist.
Ob Alkohol, Fett oder Nikotin: Der Körper reagiert auf die Fastenzeit.
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Fasten hat eine sehr lange Tradition. Bereits im Mittelalter wurde nach der Fasnacht 40 Tage auf jegliche Ernährungsfreuden verzichtet. Damals hiess das: Kein Fleisch, keine Eier, auch Milch und Butter waren bis Ostern verboten. Hungrige Menschen machten daher den Biber zum Fisch und in manchen Klöstern diente das Bier auch als Ersatznahrung.

Heutzutage fällt das Fasten eher bescheidener aus. Am häufigsten wird dabei auf Zucker, Zigaretten, Alkohol oder Koffein verzichtet. Was sich zuerst recht freudlos liest, kann durchaus positive Auswirkungen auf den Körper haben. Was genau im Körper in den Tagen des Verzichts passiert, erklärt Marianne Honegger, Ernährungsberaterin vom Stadtspital Zürich Triemli.

1. Zucker

Zuckerverzicht zeigt sich in den nächsten Tagen vor allem bei einem vorhergehenden übermässigen Konsum durch «Nervosität, Gereiztheit und ein kurzfristiges Leistungstief», so Marianne Honegger. Ist das Tief aber erst einmal überwunden, äussert sich der Verzicht vor allem auf der Waage, wie die Ernährungsberaterin mitteilt. Ein wichtiger Hinweis, so Honegger, sei auch, dass Haushaltszucker nicht durch andere Süssungsmittel wie Honig, Fruchtkonzentrate oder Fruchtsäfte ersetzt werden sollte.

2. Nikotin

Ein Rauchstopp zeigt sich direkt in der besseren Durchblutung der Organe und der Muskulatur. Ausserdem wird der Geschmacks- und Geruchssinn deutlich besser, schreibt die Schweizer Lungenliga auf ihrer Homepage. Darüber hinaus wird das Immunsystem ohne Nikotin deutlich robuster gegen Infektionen. Nach wenigen Tagen wird auch der symptomatische Raucherhusten schwächer und das Herzinfarktrisiko sinkt relativ schnell.

3. Alkohol

Wer nach den fasnächtlichen Alkoholeskapaden erstmal eine Pause braucht, tut seinem Körper auch hier doppelt Gutes. Auch hier hat das alkoholfasten Auswirkungen auf das Gewicht. Alkohol gilt als wahrer Dickmacher. Darüber hinaus schläfst du ohne das Nervengift Alkohol deutlich besser. Das Gehirn und die Nervenzellen werden durch die Enthaltsamkeit nicht mehr geschädigt.

4. Koffein

Der Ernährungsberaterin zufolge «macht sich regelmässiger Kaffeekonsum bei begrenztem Koffeinentzug meist unangenehm bemerkbar. Zu den Symptomen gehören Kopfschmerzen, Müdigkeit oder auch Übelkeit.» Ausserdem könne sowohl die Aufmerksamkeit als auch die Reaktionsfähigkeit beeinträchtigt werden. «Diese Symptome können durchaus unangenehm sein, sind aber gesundheitlich völlig unbedenklich.»

Im Gegensatz zu den anderen Substanzen hat Koffein auch viele positive Eigenschaften. «Kaffee wirkt anregend und leistungssteigernd. Im Mass ist Kaffee unbedenklich und enthält gesundheitsfördernde Pflanzenstoffe», sagt Honegger.

Zusammenfassend sind «Nikotin, Alkohol und Kaffee keine lebensnotwendigen Substanzen, ein Verzicht darauf ist sicherlich nicht schädlich», so die Ernährungsberaterin. Allerdings bringt ein zeitlich begrenzter Verzicht keine gesundheitlichen Vorteile, wenn anschliessend wieder in Übermass Zucker, Zigaretten, Alkohol oder Koffein konsumiert wird. «Aus ernährungsmedizinischer Sicht ist Fasten nicht nötig.»

Quelle: ZüriToday
veröffentlicht: 2. März 2022 12:29
aktualisiert: 2. März 2022 12:29
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