Stubentiger

Juristen fordern Ausgehverbot für Katzen

4. Dezember 2019, 13:09 Uhr
Weil sie angeblich über 300 Tierarten bedrohen, sollen Katzen zu Stubenarrest verknurrt werden, fordern niederländische Forscher. Offenbar wäre das juristisch auf der Basis von EU-Recht möglich. (Archivbild)
© Keystone/DPA/KARL-JOSEF HILDENBRAND
Hauskatzen sollten in den Niederlanden künftig nicht mehr umherstreunen dürfen. Das möchte ein radikaler Vorstoss zweier Juristen an der Universität Tilburg. Die Tiere gefährden die Artenvielfalt insbesondere von Vögeln.

Die beiden niederländischen Juristen Arie Trouwborst und Han Somsen von der Universität Tilburg argumentieren in einem kürzlich im «Journal of Environmental Law» veröffentlichten Beitrag, Katzen seien eine invasive Art, die vor Jahrtausenden von Vorderasien nach Europa gebracht wurde. Inzwischen zählten sie global zu den am weitesten verbreiteten Räubern und richten riesige Schäden an.

Katzen bedrohen 367 Arten

«Weltweit waren Hauskatzen an der Ausrottung von mindestens 2 Reptilienarten, 21 Säugetierarten und 40 Vogelarten beteiligt - das heisst an 26 Prozent aller bekannten derzeitigen Ausrottungen in diesen Tiergruppen», schreiben Trouwborst und Somsen. «Derzeit stellen Hauskatzen eine Gefahr für mindestens 367 bedrohte Arten dar.»

Naturschutzbund ist skeptisch 

«Das Katzenproblem muss man ernst nehmen», sagt Vogelexperte Lars Lachmann, des deutschen Naturschutzbunds (Nabu). Ein Ausgehverbot könne bei der Gefährdung lokaler Populationen mancherorts durchaus sinnvoll sein. Flächendeckend sei eine solche Massnahme rechtlich aber nicht begründbar.

Das sehen die beiden Juristen der Universität Tilburg anders. Sie liefern die juristische Grundlage für ein radikales Vorgehen gegen freilaufende Katzen aus der europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie und Vogelschutz-Richtlinie. «Die Richtlinien decken eine grosse Bandbreite ab», sagt Jan-Henrik Meyer vom Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte in Frankfurt. Ob das argumentative Rüstzeug im Einzelfall juristisch standhalte, sei allerdings offen.

In der Schweiz leben Millionen Katzen

In der Schweiz leben gemäss dem Statistikportal statista.com etwa 1,6 Millionen Katzen als Haustiere. Fast in 30 Prozent der Haushalte lebt eine Katze.

 

* Fachartikelnummer DOI: 10.1093/jel/eqz035

Quelle: sda
veröffentlicht: 4. Dezember 2019 09:05
aktualisiert: 4. Dezember 2019 13:09