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Spass am Nass

So bringst du deinem Kind das Schwimmen bei

24. Juni 2021, 17:20 Uhr
Die Sommerferien nahen – für Kinder die perfekte Zeit, schwimmen zu lernen. Anders als früher lernen sie heute zuerst das Kraulen und nicht das Brustschwimmen. Wollen Eltern ihrem Nachwuchs das Schwimmen selber beibringen, müssen einige Punkte beachtet werden.
Tauchen, schweben, strampeln: Mit fünf Jahren sind Kinder reif, Schwimmen zu lernen.
© Pixabay

Damit Kinder schwimmen lernen können, sollte man sie schon früh mit dem Wasser vertraut machen: Denn nur wenn Baden Spass macht, können Kinder schwimmen lernen. Die Freude am Wasser hat auch Nadja Szabo dazu gebracht, die Schwimmschule Gumpifrosch im Kanton Glarus zu gründen. Klar, sie empfiehlt, einen solchen Kurs zu besuchen. Doch Eltern könnten es ihren Schützlingen auch selbst beibringen: «Aber nur, wenn sie sich im Vorhinein gut informieren», sagt Szabo.

Sicherheitsmassnahmen

«Es muss immer eine Aufsichtsperson dabei sein», sagt Szabo. Am besten in «Griffnähe» des Kindes. Auch soll auf jegliche Schwimmhilfen wie zum Beispiel Flügeli verzichtet werden. «Das Kind soll im Becken stehen können. Das gibt Sicherheit.» Dieser Meinung ist auch Schwimmlehrerin Yvonne Hartner von der Rheintaler Schwimmschule Aquarii. «Ich sehe oft Eltern, die ihren Kindern Schwimmflügeli anziehen. Wenn man mit vier Kindern im Wasser ist, kann ich das verstehen. Ist es jedoch nur eines, soll man es unbedingt ohne versuchen», sagt Hartner. Das Kind verlasse sich ansonsten zu sehr drauf, dass es im Wasser nicht untergeht. Soll es dann ohne Flügeli ins Wasser, können Ängste entstehen.

1. Wassergewöhnung

«Je häufiger das Kind mit Wasser in Kontakt kommt, desto eher fühlt es sich im Wasser zu Hause.» Und das sei für das Schwimmen essentiell. «Es geht nur, wenn sich das Kind sicher und wohl fühlt», sagt Nadja Szabo von der Schwimmschule Gumpifrosch. Es also einfach mal ins Wasser zu «werfen», sei absolut falsch: «So kann eine reale Angst vor dem Wasser entstehen. Es ist schwierig, das dann wieder abzubauen.» Viel mehr soll das Kind mit viel Unterstützung der Eltern schon als Baby das Nass kennenlernen. «Ab fünf Jahren ist es dann aus motorischer Sicht reif, das Schwimmen zu lernen.»

2. Tauchen lernen

Zuerst soll das Kind das «Blöterle» lernen, also unter Wasser ausatmen. «Als nächsten Schritt lernt es dann, die Luft anzuhalten», sagt Szabo. Man müsse dem Kind die Angst vor dem Tauchen nehmen, sagt auch Yvonne Hartner von der Schwimmschule Aquarii. «Tauchen ist nichts Böses.»

Zu Beginn taucht es möglicherweise mit geschlossenen Augen: «Für die Sicherheit muss es aber lernen, mit offenen Augen unter Wasser zu sein», sagt Szabo. Angenommen, es fiele ins Wasser, müsse es sich orientieren können.

Vielen Kindern mache das Tauchen wahnsinnig viel Spass: «Manchmal bringe ich sie fast nicht über Wasser. Sobald sie das Tauchen gelernt haben, wollen sie gar nichts mehr über Wasser machen», so Szabo.

3. Schweben und Gleiten im Wasser

Als Nächstes soll das Kind den Auftrieb im Wasser kennen lernen, also das Schweben. «Auch wenn wir Erwachsene denken, dass es auf dem Rücken einfacher ist: Mit Kindern soll man es auf dem Bauch versuchen», sagt Szabo. Auch das gibt Sicherheit: Man kann mit den Beinen so schneller wieder auf den Boden stehen.

Dann kommt das Gleiten, also das Abstossen am Beckenrand und Gleiten auf geraden Strecken. Klappt das gut, geht's ans richtige Schwimmen.

4. Paddeln mit den Füssen

Anders als früher lernen Kinder als erstes das Kraulschwimmen, nicht das Brustschwimmen, wie Szabo erklärt. «Das entspricht viel mehr dem natürlichen Vorgang, wie ein Mensch schwimmen lernt.» Dazu gehört das Paddeln mit den Füssen. Dabei kann eine Aufsichtsperson das Kind halten, während es mit den Füssen strampelt. Oder es kann sich am Beckenrand festhalten.

5. Richtig atmen und Arme dazu nehmen 

Beim Kraulschwimmen ist der Kopf hauptsächlich unter Wasser. Man taucht nur auf, um kurz Luft zu holen. Der richtige Rhythmus muss gelernt sein, wissen auch die Schülerinnen und Schüler von Nadja Szabo: «Sie sagen mir jeweils, dass dies für sie die grösste Herausforderung sei.» Zum Schluss kommen die Arme mit der richtigen Kraulbewegung dazu.

Balance zwischen Vorsicht und Vertrauen finden

Für Eltern sei es besonders wichtig, das richtige Mass an Vorsicht, aber auch das Vertrauen in das Kind mitzubringen. Das Wasser birgt Gefahren, doch Kinder müssen im Wasser selbständig werden. «Wenn Kinder viel Freude am Wasser haben, überschätzen sie sich schnell», sagt Szabo. Für Eltern sei es dann wichtig, aufmerksam zu sein. Übervorsicht führt aber dazu, dass der Lernprozess gehindert wird. «Das sieht man bei den Flügeln. Ich habe meinen Kindern die nie angezogen. Sie lernten einfach, dass man im Wasser aufpassen muss – und untergehen kann. So kam es ihnen nie in den Sinn, einfach ins Becken zu springen», sagt Hartner.

(rhy)

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 27. Juni 2021 10:33
aktualisiert: 24. Juni 2021 17:20