Beim Sex die Welt retten

Dario Brazerol, 20. Juli 2019, 17:09 Uhr
Ob vegane Kondome oder Bio-Gleitgel: Die Nachhaltigkeit ist auch im Schlafzimmer angekommen.
Ob vegane Kondome oder Bio-Gleitgel: Die Nachhaltigkeit ist auch im Schlafzimmer angekommen.
© Symbolbild/iStock
Die einen führen Klimastreiks auf der Strasse, andere im Schlafzimmer. Wer nachhaltig lebt, setzt heute auf biologisch abbaubare Vibratoren oder vegane Kondome – zumindest in den USA. Doch wie nachhaltig sind hiesige Sexshops?

Das Essen: vegan. Das Auto: klimaneutral. Die Wohnung: minergie. Und der Sex? Beim Sex gibt es in den Schweizer Betten noch Nachholbedarf. Doch auch hier zeichnet sich eine Tendenz hin zu ökologisch unbedenklichen Sexutensilien ab.

Kondome töten Wälder und Tiere

Man könnte sich jetzt fragen, wie Kondom, Dildo und Co. die Umwelt belasten können. Doch die Schädlinge sind schnell gefunden. Alleine in herkömmlichen Gleitgelen lassen sich chemische Inhaltsstoffe, künstliche Duftstoffe und Parabene finden, welche meist im Abwasser und somit früher oder später im Grundwasser landen. Präservative landen heute (hoffentlich) weniger oft im Abwasser. Gut für die Umwelt sind aber auch sie nicht. Kondome enthalten Kautschuk, welches überwiegend in Asien, Afrika und Südamerika produziert wird. Für den Anbau von Kautschukplantagen werden Wälder abgeholzt und somit die Artenvielfalt zerstört.

Doch damit man auch in Zukunft ohne schlechtes Gewissen dem Liebesspiel frönen kann, gibt es nun Alternativen. Dies in Form von veganen Kondomen, bei welchen während der Produktion auf den Einsatz von Milchsäure verzichtet wird. Oder wahlweise auch der erste biologisch abbaubare Vibrator, welcher aus stärkebasiertem Biokunststoff hergestellt wird.

«Wollen Kundenbedürfnisse befriedigen»

Dass diese Produkte schweizweit im Trend sind, kann Alan Frei, Mitbegründer des Onlineshops Amorana bestätigen: «Die Leute fragen immer mehr nach veganen Kondomen und ökologischen Sextoys. Auch in unserer Suchmaschine sind solche Begriffe im Trend.» Aktuell ist die Nachfrage aber noch grösser als das Angebot und Amorana muss nachziehen. Allerdings versichert Alan Frei: «Wir wollen dieses Kundenbedürfnis im wahrsten Sinne des Wortes befriedigen.»

Da ökologische Produkte aber immer noch grundsätzlich weniger gefragt sind, müssen umweltbewusste Bettakrobaten tendenziell tiefer in die Tasche greifen: «Da das Produktionsvolumen noch eher tief ist, sind die Produkte noch etwas teurer. Ich bin aber zuversichtlich, dass noch mehr in diese Richtung produziert werden kann», sagt Alan Frei und kündigt sogar eine eigene Produktsparte mit nachhaltigen Sextoys an.

In St.Gallen noch kein Thema

In St.Gallen scheint der Trend aber noch nicht ganz angekommen zu sein. Gino Iller vom St.Galler Shop «Erotic & Fashion» kann eine gesteigerte Nachfrage an nachhaltigen Sexutensilien nicht bestätigen: «In den letzten Jahren hat sich einiges getan, was die dermatologische Verträglichkeit der Utensilien angeht. Die Leute wollen aber nach wie vor eher billige Sachen und diese sind meist einfach nicht nachhaltig.» Auch zweifelt er daran, ob wirklich überall Bio drin ist, wo Bio draufsteht.

Für St.Galler, die trotzdem reinen Gewissens sündigen wollen, hat Alan Frei von Amorana noch einen Tipp: «Die Leute sollten darauf achten, dass ihre Sextoys aus medizinischem Silikon hergestellt sind. Neben der ganzen Nachhaltigkeit darf nämlich eines nicht vergessen werden: die eigene Gesundheit.»

Dario Brazerol
Quelle: dab
veröffentlicht: 20. Juli 2019 17:09
aktualisiert: 20. Juli 2019 17:09