Ein Job im Schatten der Selbstverständlichkeit

Fabienne Engbers, 8. Februar 2019, 08:07 Uhr
Monika Preisig pflegt und betreut ältere Menschen bei der Spitex St.Gallen.
Monika Preisig pflegt und betreut ältere Menschen bei der Spitex St.Gallen.
© TVO/Sarah Wagner
Bis zu zwölf Patienten an einem Morgen, das ist das Pensum einer Angestellten der Spitex St.Gallen. TVO-Reporterin Sarah Wagner hat eine Mitarbeiterin begleitet und dabei ihre guten, aber auch ihre schlechten Momente miterlebt.

«Sie freuen sich, sind dankbar um unsere Unterstützung. Bereits an den Schritten und der Tonlage erkennen sie uns», sagt Monika Preisig. Die 33-Jährige arbeitet für die Spitex St.Gallen Ost. Die Pflegefachfrau kennt ihre Patienten, trotzdem kommt sie immer wieder an ihre Grenzen.

«Manche sagen nicht mal Grüezi»

Monika Preisig ist zu Besuch bei Elsa Frischknecht. Für die Mitarbeitenden der Spitex sei es schwierig, unter Zeitdruck freundlich zu bleiben und sich ausgiebig um die Patienten zu kümmern. «Meistens klappt das aber ganz gut, wir können ja während meiner Tätigkeit plaudern. Ausserdem wissen die Patienten, dass ich nach einer Zeit wieder gehen muss», sagt Monika Preisig. Die 90-jährige Elsa Frischknecht, die wegen einer Fussverletzung nicht mehr mobil ist, sieht aber durchaus Unterschiede zwischen den Fachkräften, die bei ihr vorbeischauen. «Eine der Fachkräfte spricht nicht mit mir, sie sagt nicht einmal ‹Grüezi Frau Frischknecht›. Das tut mir ein bisschen weh», sagt die Patientin. Daher schätzt sie Monika Preisig sehr. «Mein Hirn ist noch gut, nur mein Fuss nicht.»

Während es für die Mitarbeitenden der Spitex normal ist, dass unterschiedliche Pflegekräfte die Patienten betreuen, würden sich diese teilweise eine konstante Betreuung wünschen. «Aber dadurch, dass wir ein grosses Team sind und nicht alle eine Vollzeit-Beschäftigung haben, ist das nicht möglich», sagt Preisig.

«Ich habe gelernt, mit dem Tod umzugehen»

Viele Patienten der Spitex wollen nicht in ein Heim, sie wollen zu Hause sterben. «Wenn man die Situation der Patienten und auch die Angehörigen kennt, hält man einen Moment inne. Manchmal denke ich, ich hätte mich gerne verabschiedet, weil man sich doch gerne hat», sagt Monika Preisig. Sie habe gelernt, mit dem Tod umzugehen.

Wann Monika Preisig an ihre Grenzen stösst, erzählt der Beitrag von TVO-Reporterin Sarah Wagner:

Fabienne Engbers
Quelle: enf
veröffentlicht: 8. Februar 2019 08:07
aktualisiert: 8. Februar 2019 08:07