FM1-Energie-Woche

Randen statt Avocado, Leinsamen statt Chia

21.09.2020, 09:38 Uhr
· Online seit 06.06.2017, 06:35 Uhr
Energieberater Fredy Zaugg gibt anlässlich der FM1 Energie-Woche Tipps, welche Nahrungsmittel, die bei uns wachsen, echter Superfood sind. Importierte Lebensmittel sind energietechnisch überhaupt nicht effizient, vor allem, weil bei uns ebenfalls Vitamin-Bomben wachsen.
Fabienne Engbers
Anzeige

Als Superfood werden Lebensmittel bezeichnet, die viele Vitamine, Mineralien oder Nährstoffe enthalten und einem damit einen Gesundheitsvorteil bringen sollen. Fast alle dieser Nahrungsmittel stammen aus Übersee und werden in die Schweiz importiert. «Der Superfood kommt typischerweise aus fernen Ländern und das ist energietechnisch nicht optimal. Der Transport verbraucht viele Ressourcen, dabei gibt es dieselben Inhaltsstoffe auch in Lebensmitteln, die seit Jahrhunderten bei uns wachsen», sagt Fredy Zaugg, Energieberater beim Amt für Umwelt und Energie der Stadt St.Gallen. FM1-Moderatorin Katerina Mistakidis will diese Woche so energieeffizient leben wie möglich und verzichtet deshalb auch auf Chia-Samen, Avocado und Quinoa.

Geheimtipp Brennessel, Randen und Leinsamen

Diverse heimische Lebensmittel enthalten die genau gleichen Vitamine und Nährstoffe wie die Trend-Lebensmittel aus dem Ausland. Chia-Samen werden beispielsweise aus China importiert. «Leinsamen haben die gleichen Inhaltsstoffe und enthalten viele Omega3-Fettsäuren», sagt Zaugg. Auch die roten «Wunderbeeren», die Gojibeeren, stammen aus China und könnten problemlos durch einheimische Heidelbeeren oder schwarze Johannisbeeren ersetzt werden.

Zum Schweizer Superfood gehören ausserdem die Brennessel (statt Spirulina), Gerste oder Dinkel (statt Quinoa). Die restlichen «Powermitteli» aus der Region findet ihr in der Galerie.

Regional ist nicht immer besser als saisonal

Wer sich regional ernährt, tut der Umwelt einen grossen Gefallen, da die Nahrungsmittel nur kurze Transportwege zurücklegen müssen und so Energie gespart wird. Nicht immer bedeutet regional aber auch eine Energieersparnis. «Eine Tomate, die im Mai in der Schweiz geerntet wird, ist im Winter in einem beheizten Gewächshaus herangezüchtet werden», sagt Fredy Zaugg. Das bedeutet einen extrem grossen Energieaufwand. «Der Transport einer Tomate aus Italien, die ohne Gewächshausheizung reift, ist in diesem Fall energetisch sinnvoller.»

Während der entsprechenden Saison, macht es durchaus Sinn, regionales Obst und Gemüse zu kaufen. «Da die Transportwege bei regionalen Produkten einem Bruchteil der ausländischen entsprechen, sollte man auf jeden Fall auf Regionalität achten. Wichtig ist es, regional UND saisonal einzukaufen», sagt Fredy Zaugg.

Eine Tabelle, welche Früchte und Gemüse bei uns zu welcher Zeit Saison haben, gibt's hier.

Spargeln und Papayas stehen auf der roten Liste

Früchte und Gemüse, die per Flugzeug in die Schweiz gebracht werden, sind für Energieberater Fredy Zaugg ein rotes Tuch. Zu diesen Produkten gehören zum Beispiel ausländische Spargeln und Papayas, die oft auch per Flugzeug zu uns kommen. «Der Transport per Flugzeug braucht ein Vielfaches an Energie im Vergleich zum Schifftransport.» Daher rät er vom Verzehr von ausländischen Spargeln und von Papayas ab.

Produzenten leiden unter Hype bei uns

Wer ausländische Produkte einkauft, erhöht damit deren Nachfrage bei uns. Dies wiederum führt dazu, dass mehr dieser Früchte und Gemüse zu uns transportiert werden und die Preise für diese Sorten in den Anbauländern steigen markant an. So ist es möglich, dass ein Einheimischer auf dem Markt keine Avocados mehr kaufen kann, weil er sich das Lebensmittel nicht leisten kann. Dies ist für Fredy Zaugg ein weiterer Grund, ausländische Trend-Lebensmittel massvoll zu konsumieren und eher auf die einheimischen Produkte zurückzugreifen.

(enf)

Mit dem Footprint-Rechner von WWF kann jeder seinen eigenen Fussabdruck berechnen.

veröffentlicht: 6. Juni 2017 06:35
aktualisiert: 21. September 2020 09:38
Quelle: FM1

Anzeige