Bäume sind für Wiederaufbau zu klein

Laurien Gschwend, 16. April 2019, 12:27 Uhr
Das Feuer in der Pariser Kathedrale Notre-Dame ist komplett gelöscht. Nun soll das Wahrzeichen wieder aufgebaut werden – doch das Dach wird wohl nie wieder so aussehen wie zuvor.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Am Montagabend brach in der weltberühmten Kathedrale Notre-Dame im Herzen von Paris ein Grossbrand aus.
  • Die Flammen verwüsteten den Sakralbau, der Dachstuhl stand lichterloh in Flammen.
  • 400 Feuerwehrleute standen während der ganzen Nacht im Einsatz. Vollständig gelöscht war die Kirche am Dienstagmorgen nach 9 Uhr. Ein Feuerwehrmann und zwei Polizisten wurden verletzt.
  • Das genaue Schadenausmass und die Brandursache sind noch unbekannt.
  • Laut Präsident Emmanuel Macron wurde das Schlimmste verhindert – er will Notre-Dame wieder instandsetzen lassen.
  • Notre-Dame wurde zwischen 1163 und 1345 erbaut, sie gehört zu den frühesten gotischen Kirchen Frankreichs.

400 Feuerwehrleute waren die ganze Nacht im Einsatz, um den Schaden so gering wie möglich zu halten. Offenbar mit Erfolg: Wie Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bekanntgab, habe das Schlimmste verhindert werden können. Die Strukturen der gotischen Kirche seien genügend stark, um sie wieder komplett instandsetzen zu können. Finanzspritzen für den Wiederaufbau gibt's unter anderem von den Unternehmerfamilien Arnault und Pinault (FM1Today berichtete). Die Superreichen hinter den Luxusmarken Gucci und Louis Vuitton investieren zusammen 300 Millionen Euro in die Rettung der weltberühmten Kathedrale. Neben Präsident Macron ist auch Anne Hidalgo, die Bürgermeisterin von Paris, optimistisch. Sie plant eine Spenderkonferenz im Rathaus, um das Geld für den Wiederaufbau so schnell wie möglich zusammenzubekommen.

So arbeitet die Feuerwehr im Innern der Kirche: 

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Quelle: CH Media Video Unit

Kunstschätze mit Roboter gerettet

Die Flammen sind inzwischen vollständig gelöscht. «Man kann annehmen, dass die Struktur von Notre-Dame gerettet und in ihrer Gesamtheit bewahrt ist», sagt Feuerwehrchef Jean-Claude Gallet. Bauexperten beginnen nun mit der Begutachtung der Brandruine. Sie sollen beurteilen, ob es für die Einsatzkräfte genügend sicher ist, ihre Arbeit fortzusetzen. In der Nacht bestand eine der grössten Herausforderungen darin, die Kunstschätze aus dem Innern der Kathedrale in Sicherheit zu bringen. Wegen Einsturzgefahr wurden die Feuerwehrleute nach draussen gebracht und durch einen Roboter ersetzt. Ein Feuerwehrmann und zwei Polizisten wurden beim Grosseinsatz leicht verletzt.

«Neue Technologien nötig»

Auch wenn genügend Geld zusammenkommt, um Notre-Dame wieder zu errichten, wird die neue Version wohl anders daherkommen als früher. Grund dafür ist laut dem französischen Kulturerbe-Spezialisten Bertrand de Feydeau ein recht simpler: In Frankreich gebe es heute keine genügend grosse Bäume, um das Holzdach aus dem 13. Jahrhundert wieder herzustellen. «Es werden neue Technologien nötig sein, um das Dach wieder aufzubauen.»

Komplizierter Wiederaufbau

Wie der Schweizer Sanierungsexperte Mario Hauser sagt, sei der Wiederaufbau ohnehin ein kompliziertes Unterfangen: «Zuerst müssen sie alles vorsichtig zurückbauen und analysieren, was alles verbrannt ist und was noch hält. Bevor mit der Rekonstruktion begonnen werden kann, müssen diverse Sicherungsmassnahmen getroffen werden.»

Das erste Foto von Notre-Dame im Jahr 1945 neben einem Bild aus der Brandnacht: 

Sind Bauarbeiten schuld am Grossbrand?

Die Staatsanwaltschaft leitete eine Untersuchung wegen unbeabsichtigter Zerstörung durch Feuer ein, von Brandstiftung ist bislang nicht die Rede. Der Brand könnte mit Bauarbeiten auf dem Dach der Kirche zusammenhängen. Die Staatsanwaltschaft nahm dazu zunächst keine Stellung. Die Ermittler begannen in der Nacht, die Arbeiter der Baustelle zu befragen.

Laurien Gschwend
Quelle: lag/SDA
veröffentlicht: 16. April 2019 12:24
aktualisiert: 16. April 2019 12:27