BBC-Bericht

Britische Spezialeinheit soll in Afghanistan systematisch Gefangene getötet haben

12. Juli 2022, 13:02 Uhr
Hat die britische Spezialeinheit SAS in Afghanistan systematisch unbewaffnete Gefangene getötet? Ein Medienbericht erhebt schwere Vorwürfe gegen die Sondertruppen. 54 Menschen sollen in einem Zeitraum von sechs Monaten ums Leben gekommen sein.
Die Truppen des SAS haben angeblich AK-47 bei den Getöteten platziert, um Notrecht zu rechtfertigen.
© IMAGO / ZUMA Wire

Einem Bericht der britischen «BBC» zufolge soll eine Einheit des Special Air Service (SAS) in Afghanistan möglicherweise systematisch unbewaffnete Menschen getötet haben.

Einsatzberichte weisen demnach darauf hin, dass durch die SAS-Einheit in einem Zeitraum von sechs Monaten in den Jahren 2010 und 2011 insgesamt 54 Menschen unrechtmässig erschossen wurden.

Bei nächtlichen Razzien nach gleichem Muster getötet

Anlass für die Annahme sei ein Muster «auffallend ähnlicher Berichte» über afghanische Männer gewesen, die nach ihrer Gefangennahme versucht haben sollen, Waffen oder Granaten hinter Vorhängen oder Möbeln hervorzuziehen und dann angeblich aus Notwehr erschossen wurden, hiess es in dem Bericht.

Die Männer sollen im Rahmen sogenannter «kill or capture raids» getötet worden sein. Das sind nächtliche Razzien bei Menschen, die als Taliban-Kommandeure oder Bombenbauer verdächtigt wurden. Um die Tötungen zu vertuschen, sollen Waffen an den Tatorten platziert worden sein.

Im Hauptquartier der britischen Spezialeinsatzkräfte sollen die Berichte laut BBC Besorgnis über eine mögliche absichtliche Strategie illegaler Tötungen durch die Einheit ausgelöst haben. Sie seien jedoch nicht an die Militärpolizei weitergegeben worden.

Untersuchung stellte kein kriminelles Verhalten fest

Eine Untersuchung grösseren Umfangs zu Tötungen in Afghanistan durch britische Militärangehörige wurde im Jahr 2019 beendet, ohne dass kriminelles Verhalten festgestellt wurde. Die BBC berichtete jedoch unter Berufung auf ungenannte Quellen bei der Militärpolizei, dass die Ermittlungen von den Streitkräften behindert worden sein sollen.

Ein Sprecher des britischen Verteidigungsministeriums wollte sich auf BBC-Anfrage nicht zu Details äussern, sagte aber, die britischen Truppen in Afghanistan hätten mit «Mut und Professionalität» gedient. Er fügte hinzu: «Es wurden keine neuen Beweise vorgelegt, aber die Militärpolizei wird jegliche Vorwürfe prüfen, sollten neue Beweise ans Licht kommen.»

(sda/osc)

Quelle: Today-Zentralredaktion
veröffentlicht: 12. Juli 2022 13:05
aktualisiert: 12. Juli 2022 13:05
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